Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Starke Talentshow: Lauterer Nachwuchsbands im Jugend- und Programmzentrum

Starker Abschluss: die Band Tacet.
Starker Abschluss: die Band Tacet.

Bezahlen Sie eines, genießen sie drei - was sich lediglich wie ein viel versprechender Werbespruch anhört, passte am Freitag zum musikalischen Angebot im Jugend- und Programmzentrum Steinstraße 47 (Juz). Im rappelvollen „Café Pur“ des Hauses gab's da nämlich innerhalb eines einzigen Abends gleich drei gelungene Kurz-Konzerte mit jungen Kaiserslauterer Bands. Gratis dazu bekam man am Ende der Auftritte dann sogar noch zwei angenehme Gedanken mitgeliefert...

Den Einstieg in die lange Nacht übernahm das jazzig orientierte Quartett Con Fuoco, das seinem Namen (was als musikalische Vortragsanweisung etwa so viel wie „feurig“ bedeutet) alle Ehre machte. Das starke Altsaxophon-Duo Carolin Aurich und Luis Schramm konstruierte dazu über dem von Max Bambauer (Bass) und Julian Engelhardt (Schlagzeug) verlässlich gelegten Rhythmus-Fundament vornehmlich einen eruptiven und heißen zeitgenössischen Jazz. Originell aufbereitet erschienen dabei Evergreens wie „Every Breath You Take“ oder „Auld Lang Syne“ (letzterer in einem fugenlos geschlossenen Medley mit weiteren Titeln). Und für Daniel Aurich, den Gitarristen der Nachfolge-Band, der just an diesem Abend Geburtstag hatte, spielte die Band an passender Stelle auch noch ein jazziges „Happy Birthday“. Spätestens da war das Stimmungs-Eis, sofern zuvor überhaupt vorhanden, gebrochen. Ja, die drei Bands des Abends kennen sich, sind zum Teil sogar in Sachen Personal verbandelt. Das wirkte sich auf die durchweg angenehme Stimmung auf der Bühne und letztlich auch auf die Atmosphäre im Publikum aus – beste Voraussetzung schonmal für einen erfolgreichen Konzertabend.

Cooler Blues-Brothers-Look

Noch ausgelassener, noch vielseitiger wurde es mit dem Auftritt der zweiten Gruppe, deren Mitglieder allein schon optisch mit ihrem coolen Blues-Brothers-Gedächtnis-Look – schwarzer Anzug und Krawatte, weißes Hemd – ordentlich beeindruckten. Auch das Programm jenes jungen heimischen Quartetts mit dem Namen Grape hatte es in sich. Ob nun die flotte Titelmelodie aus der Kult-Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“, der Rock’n’Roll-Evergreen „Johnny B. Goode“ oder die tempomäßig aufgebohrte Version von „Take e Home, Country Roads“: Insbesondere der vielseitige Frontmann Klaus Wiegmann (hauptsächlich als Sänger und Gitarrist, später auch exquisit als Schlagzeuger) zeigte sich dabei als wandlungsfähiger Sänger, der nach einer kurzen Konsolidierungsphase den Anforderungen der zum Teil ganz unterschiedlichen Titel (darunter auch eine mitreißende Eigenkomposition) gerecht wurde. Spätestens beim Beatles-Klassiker „Yesterday“ und dem vokal nicht ganz anspruchslosen „House of The Rising Sun“ zeigte Wiegmann seine Qualitäten. Und nicht erst (aber ganz besonders) beim abschließenden Rock-Dreierpack – unter anderem mit einem glänzend interpretierten „Smoke on The Water“ – bewiesen die Gitarristen Valdemar Konov und Daniel Aurich sowie der ebenfalls ausgesprochen vielseitige Elias Deldjouye Shahir (speziell als Sänger), dass auch sie technisch und interpretatorisch eine ganze Menge draufhaben.

Intensiver Abschluss des Mini-Festivals

Und es ging immer noch ein bisschen intensiver. Den Abschluss des Lokalband-Mini-Festivals gestaltete zu später Stunde mit gleich acht Musikern die Band Tacet. Dass die Gruppe aus aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der renommierten Rittersberg Big Band besteht, war schon vom ersten Takt an zu bemerken. Drei starke Saxophone (Simon Schmitt, Johannes Jakob und Luis Schramm) sowie zwei nicht minder energetisch agierende Trompeten (Julian Lasai und Gabriel Haselbach) kreierten über den unablässig treibenden musikalischen Zulieferern Sebastian Jakob (Keyboard), Sebastian Galwas (Bass) und dem erneut mitwirkenden Klaus Wiegmann (Schlagzeug) ein unter anderem am modernen US-Jazz ausgerichtetes Programm von hoher Präzision und mit reichlich Gefühlen. Beeindruckend waren hier besonders auch die zahlreichen Instrumental-Soli der Formation, für die es jedesmal verdienten Zwischenapplaus gab.

Schade war es allenfalls, dass eine zeitweise ungewöhnlich starke Unterhaltungskulisse im Publikum ausgerechnet die anspruchsvollsten Partien der Vorträge überlagerte. Egal: Es bleibt zum einen das Empfinden, dass es schlichtweg schön ist, wenn sich junge Menschen – noch dazu in dieser Qualität – komplexer Unterhaltungsmusik und hehren Musik-Oldies widmen. Und zum zweiten die Sicherheit, dass sich die Lauterer Musikszene auch weiterhin keine Sorgen um ihren Fortbestand auf hohem Niveau machen muss.

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