Kaiserslautern
Stand-Up-Comedienne Tahnee begeistert in der Landstuhler Stadthalle
Die Comedienne, Entertainerin und Schauspielerin Tahnee ist derzeit mit ihrem zweiten Bühnenprogramm als „Vulvarine“ auf (Erfolgs-)tour. Tahnee Schaffarczyk ist eine typische Stand-Up-Comedienne, die sich selbst inszeniert, sich selbst gekonnt in Szene setzt und sich im immer größer werdenden Konkurrenzkampf des Genres behauptet. Sie „kam, sah und siegte“ auf ganzer Linie am Samstag in der Landstuhler Stadthalle, als sie Sketche, Szenen und Slapsticks am laufenden Band zeigte.
Typisch für solche solistischen Bühnenshows der Comedians ist das ruhelose Auf- und Ab an der Rampe, das Dynamik suggeriert. Ebenso typisch und hier gekonnt perfektioniert ist die ständige Interaktion mit dem Publikum per Zuruf (zwischen Podium und Publikum) und nach Befragung. Dabei kann sie spontan aus sich zufällig ergebenden Konstellationen ihren Nutzen ziehen, etwa, wenn sich herausstellt, dass Saarländer im gut gefüllten Saal sitzen. Sie erkennt sofort das Spannungsverhältnis zwischen Pfalz und dem Nachbar-Bundesland und verweist auf das ihrer Heimat Köln und Düsseldorf.
Geschickter Multimedia-Einsatz
Sie nutzt zudem noch ideenreicher als gewohnt multimediale Möglichkeiten, setzt beispielsweise Carl Orffs Monumentalchor aus „Carmina Burana“ zur Programm-Eröffnung ein und erweist sich sofort als „Gute-Laune-Fee“ mit natürlichem Charme, sprudelnd wie ein Wasserfall und schauspielerisch mit Pantomime, Situationskomik und Parodie (sogar „Mutti“ Merkel) auftrumpfend. Sie kann ihre Stimme in fast allen Stimmlagen verstellen, Dialekte und sogar Sprachen wie niederländisch nachahmen oder in Szenen einsetzen, verfügt über eine sehr ausdrucksstarke Gestik und Mimik und trumpft mit tänzerischen und akrobatischen Einlagen auf: Sie wurde in klassischem Ballett sowie Jazz- und modernem Tanz ausgebildet und besetzt mit ihrer Bühnenshow Nischen, die bislang in dieser Form unentdeckt blieben.
Wie gewohnt bei solchen Programmen, ist ihr Anspruch ein hoher Unterhaltungswert, was Tahnee durch ihre enorme Vielseitigkeit und Spontanität sehr gut gelingt. Dagegen sind die Themen etwas flach, aber sehr wirkungsvoll aufpoliert: Es dreht sich zunächst um ihre „Ahnen“ wie Großmutter und Mutter, da könnte allerdings auch mehr der gesellschaftliche Wandel der Generationen „herausgekitzelt“ werden. Ihr humoristischer Rückblick auf Jugend und Kindheit bricht auch mit Tabuthemen wie „das erste Mal“.
Die Anspielungen gehen nie zu weit
Das Energiebündel mit ständigen Temperamentsausbrüchen und hyperaktiven sowie bisweilen lasziven Anwandlungen läuft auf Hochtouren, ist optisch mit den feuerroten Haaren zu dunklem Dress schon auffällig, geht aber mit erotischen Anspielungen im zweiten Teil nie zu weit. Geschickt deutet sie an, spielt mit der Erwartungshaltung, schockiert aber nicht um jeden Preis. Sie bekennt sich zu ihrer lesbischen sexuellen Orientierung und macht sie im zweiten Teil zunehmend sogar zum Programm. Tahnee karikiert sich an dem Abend auch selbst, beispielsweise als Tussi.
Aufs gesellschafts-politische Glatteis begibt sie sich nur ganz kurz, wenn sie fremdenfeindlichen und nationalistischen Gesinnungen in Erinnerung ruft, was Deutschland ohne Pizza, Döner oder polnische Pflegekräfte wäre. Schließlich bliebe auch die Weihnachtskrippe kalt – ergänzt sie – weil Jesus ein Jude war. Ihren (angeblichen Verwandten und Bekannten) in den Niederlanden widmet Tahnee ein längeres Kapitel, untermalt mit den passenden Anekdoten und gekonnten Sprach-Kostproben und dies gipfelt in einer niederländischen Rap-Einlage. Spätestens die lockt alle Besucher aus der Reserve und reißt sie zu Beifallsstürmen hin.