Kaiserslautern Stadtleben: Sie kann nicht nur gut nähen

Endlich „Speisgirl“: Tanja Garcia.
Endlich »Speisgirl«: Tanja Garcia.

In Köln, wo sie eine Zeit lang gelebt hat, hatte Tanja Garcia mit der Fastnacht noch nichts am Hut. Nach nur sechs Jahren beim Karnevalverein 1838 Kaiserslautern (KVK) ist sie nun nicht mehr nur dabei, sondern schon mittendrin. Es hat allerdings gedauert, bis es soweit war. Erst seit dieser Kampagne ist sie da, wo sie von Anfang an hin wollte: Als das „Speisgirl“ der „Speisbuwe“ steht sie mit der bis dahin von Männern dominierten Gruppe als Sängerin auf der Bühne. Andere Funktionen, die sie mit der Zeit übernommen hat, behält sie wie die anderen engagierten Vereinsmitglieder auch ganz selbstverständlich bei. Dazu gehört, dass die Hobbyschneiderin das Prachtgewand der amtierenden Prinzessin kreiert hat. 14 goldene Fräcke für das Männerballett des KVK nähen: So lautete der extrem kurzfristige Auftrag des damaligen Vizepräsidenten, der für die Speditionskauffrau zum Einstieg in die Fastnacht wurde. Zusammen mit einer Freundin nähte Tanja Garcia praktisch die Nächte durch, erfüllte den Auftrag pünktlich und erhielt zum Dank zwei Karten für die Galaprunksitzung. Da saß sie nun im Zuschauerraum, freute sich riesig, auf der Bühne den „Knaddel“ (Jürgen Gossenberger) aus ihrer Kindheit wiederzusehen und entschied: „Do will ich nuff.“ Ihr Pech, dass die „Speisbuwe“ sie nicht wollten. Sie ließ sich nicht entmutigen. Nach zwei Jahren schrieb sie ihre erste Büttenrede. Der erste Auftritt war bei der Damensitzung. Der Erfolg brachte sie in die „Gala“ und damit in der Fruchthalle auf die Bühne. Getreu ihrem Motto „Wo einer fehlt, da spring ich ein“ hat sich Tanja Garcia auch als Ko-Trainerin beim Männerballett engagiert; vor drei Jahren wurde sie Mitglied im Hohen Rat. Die traditionelle Einführung, bei der ihr per Schluckimpfung der Spaß im wörtlichen Sinn des Wortes eingetrichtert wurde, blieb auch ihr nicht erspart. Sie hat es überstanden. Inzwischen wacht Tanja Garcia als Schatzmeisterin über die Finanzen des Vereins (was sie eigentlich nie machen wollte) und näht (weil Kreativität ihr wichtig ist) nach wie vor das Festgewand der Prinzessin. Und wenn die „Speisbuwe“ mit „Speisgirl“ eine musikalische Pause einlegen, schnappt sie sich – edles Ratsgewand hin oder her – leere Teller und trägt sie in die Küche.

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