Kaiserslautern Stadtleben: Lange Liebe zu Lautern
17 Jahre lang amtierte Wolfgang Blum als Intendant des Pfalztheaters, das er zu einem der bundesweit führenden Häuser in Sachen Musical machte. Am Montag, 9. Juli, wird der Regisseur, Impresario und Talente-Entdecker 95 Jahre alt – „bei bester Gesundheit und geistiger Agilität“, wie sein Schwiegersohn Werner Krawulsky versichert, der einstige Konzertmeister des Pfalztheaters. Seine Liebe zur (Theater-)Literatur sei während der US-Kriegsgefangenschaft erwacht, erinnerte sich Wolfgang Blum einmal in einem Interview. In seiner Geburtsstadt Köln holte er sich binnen dreier Jahre das handwerkliche wie künstlerische Rüstzeug bei Herbert Maisch. Engagements als Regisseur in Kiel, Nürnberg und Wiesbaden folgten, 1968 wurde er Oberspielleiter am Nationaltheater Mannheim. Am Pfalztheater begann die Ära Blum mit der Spielzeit 1971/72, als er die Nachfolge des nach Gelsenkirchen wechselnden Günter Könemann antrat. Seine Amtszeit war nicht nur ungewöhnlich lang, sondern bescherte ihm unter den Kollegen auf und hinter der Bühne eine freundschaftliche Verehrung, die bis heute nachwirkt. Vom Publikum ganz zu schweigen, gab er doch dem Haus ein gänzlich neues Profil als Spielstätte glänzend, zuweilen prominent besetzter Musicals. Broadway-Erfolge wie „Finian’s Rainbow“, „Anything goes“ und „Girl Crazy“ erlebten an der Lauter Europa- oder Deutschland-Premiere. Für 42 der über 400 Bühnenwerke, die in seiner 17-jährigen Amtszeit aufgeführt wurden, zeichnete Blum als Regisseur verantwortlich. Opernfreunden sind vor allem „Jenufa“, „La Bohème“, „Ariadne auf Naxos“, „Madame Butterfly“ und „Die Zauberflöte“ im Gedächtnis geblieben. Dem „einfühlsamen Intendanten mit humanem Gesicht“ (so RHEINPFALZ-Redakteur Gábor Halász) glückte aufs Beste die Mischung aus Moderne, Klassikern und jener Operetten-Herrlichkeit, die aufgrund des Publikumszuspruchs Geld in die Kasse spülte. Nach seinem Abschied war Blum unter anderem Dozent an der Kölner Musikhochschule. Als Gastregisseur, zur Einweihung des neuen Theatergebäudes und zur Entgegennahme des Spittelmüller-Preises, kam er freilich immer wieder zurück. Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau in einer Seniorenresidenz bei Brühl (Nordrhein-Westfalen), wo dieser Tage auch zahlreiche Gratulationsschreiben aus dem Lauterer Land eingehen dürften.