Kaiserslautern
Stadtjubiläen: Was ganzjährige Geburtstagspartys kosten dürfen
Große Unterschiede zwischen Vorder-, Süd- und Westpfalz hatte Rudolf I., seines Zeichens erster römisch-deutscher König aus dem Geschlecht der Habsburger, Ende des 13. Jahrhunderts nicht gemacht. Eifrig verlieh er damals Stadtrechte, was 750 Jahre später dazu führt, dass gleich drei pfälzische Städte Jubiläum feiern konnten und können: Landau (2024), Neustadt (2025) und Kaiserslautern (2026). Was die drei Städte ebenso eint: Trotz unterschiedlicher Kassenlage lautet die Frage überall, wie stark der Stadtsäckel für einen solchen Zweck strapaziert werden darf.
In Landau wurde 2024 von Januar bis Dezember gefeiert. Den Festkalender prägten Veranstaltungen, die ohnehin stattgefunden hätten, aber es gab auch außerordentliche Höhepunkte. Wie das Jubiläumswochenende, ein Konzert mit dem Star-Pianisten Igor Levit und der sehr erfolgreiche Bréal-Marathon, benannt nach Michel Bréal, dem in Landau geborenen Ideengeber für den Marathonlauf der Neuzeit.
Über eine Million Euro?
Ergänzt wurde der Veranstaltungskalender durch besondere Aktionen. Was die Lautrer gerne hören werden: Auch ein großes Lego-Mitmach-Projekt, unterstützt vom Kaiserslauterer Verein „Lauter Steine“, gehörte dazu. Ein Landauer Künstler legte eine Postkarte auf, ein anderer eine handkolorierte Radierung. Es gab ein Wimmelpuzzle mit dem Wochenmarkt als Motiv. Ausstellungen zur Stadtgeschichte oder ein Symposium zur jüdischen Vergangenheit ergänzten das Portfolio. Nicht vergessen wurden die Freundschaftsbande: jene mit der französischen Partnerstadt Hagenau und jene mit Landau an der Isar. Letztere führten dazu, dass im April ein Bierfest mit niederbayerischem Bräu steigen konnte.
Auf über eine Million Euro hatte Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) die Jubiläumskosten zu Beginn der Planungen geschätzt – und darauf gehofft, dass sich die Summe durch Sponsoren, Spenden und Eintrittsgelder auf 600.000 Euro reduzieren lässt. Wenig erfolgreich war allerdings die Idee, dass jeder Landauer Bürger 750 Cent spendieren könnte. Knapp 762 Euro kamen zusammen – doppelt zahlen wollten also die wenigsten. Ob sich Geißlers Hoffnung auf Kostendämpfung erfüllt hat, ist laut Stadtverwaltung noch offen. Die Schlussrechnung liege noch nicht vor, heißt es auf Nachfrage.
Neustadt im Glück
Des einen Leid, des anderen Freud. Für Landau und Neustadt gilt das mit Blick auf den Rheinland-Pfalz-Tag. Der sollte 2024 in Landau steigen. Dann aber sattelte das Land vom Ein-Jahres-Rhythmus auf alle zwei Jahre um – und Landau lehnte das Fest 2025 dankend ab. Neustadt kam das zupass, weil damit möglich wurde, was Landau verwehrt war: Das Jubiläum mit dem Landesfest zu koppeln und ein wenig Geld zu sparen. Zumal der städtische Kostenanteil laut Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) gedeckelt werden konnte.
Der Blick in den Neustadter Haushalt 2025 zeigt: 400.000 Euro sind für die 750-Jahr-Feier veranschlagt, davon entfallen 250.000 Euro auf den Rheinland-Pfalz-Tag. Als Neustadt das Landesfest anno 2010 ausrichtete, musste die Stadt noch eine halbe Million Euro investieren. Alles über den 250.000 Euro muss das Land bezahlen. Insofern dürfte sich der Rheinland-Pfalz-Tag in eher abgespeckter Form präsentieren, zum Beispiel in Sachen Festumzug. Das hatte die damalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit dem Wort „weiterentwickeln“ beschrieben, als der Zuschlag für Neustadt im vergangenen Sommer bekanntgegeben wurde.
Ein Tanz durch die Zeit
Geplant ist auch in Neustadt ein Programm, das sich durchs ganze Jahr zieht, kostendämpfend die üblichen Angebote am Jubiläum ausrichtet und durch zusätzliche Höhepunkt ergänzt wird. „Wir setzen vor allem auf eigene Kräfte und bündeln diese“, sagt OB Weigel, mit Blick auf mögliche Einnahmen bei bestimmten Veranstaltungen laufe der Kartenvorverkauf bereits sehr gut.
Neben dem Landesfest im Mai gehört ein Jubiläumsball „Tanz durch die Zeit“ dazu, ebenso ein Mittelaltermarkt. Zehn besondere Objekte rücken das Jubiläum im Stadtmuseum Villa Böhm ins rechte Licht. Nicht ausgespart wird der Blick nach vorne: So steht der Zukunftstag unter dem Motto „Neustadt in 750 Jahren“. Auf einen musikalischen Höhepunkt wie den Starpianisten Levit verzichtet die Stadt, was auch bei den Kosten helfen dürfte. Auf einen musikalischen Höhepunkt wie den Starpianisten Levit verzichtet die Stadt, was auch bei den Kosten helfen dürfte. Doch gibt es mit dem Hambacher Musikfest im Juni und dem zweiwöchigen „Neustadter Herbst“, dem renommierten Festival Alte Musik, ein besonderes Angebot für ein breiteres Publikum.
Noch mal WM-Meile?
Und in Kaiserslautern? Ein erstes Konzept steht, das Ziel lautet: „Das Wir-Gefühl zu stärken“, wie es Alexander Heß, Chef des Citymanagements, formuliert. Ob tiefer eingestiegen wird, entscheidet der Stadtrat am 3. Februar. Zu den Ideen gehört, die traditionellen Feste herauszuputzen, den Sommer über eine Musikbühne zu bespielen und eine FCK- oder, im Gedenken an 2006, eine WM-Meile aufleben zu lassen. Weil Jubiläumszahlenspiele offensichtlich beliebt sind, will die Stadt 750.000 Euro ausgeben, maximal, wie Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) aber betont. Angesichts des riesigen Finanzlochs versteht sich von selbst, dass auch in Kaiserslautern auf Partner und Förderer gehofft wird.