Kaiserslautern Stadtgespräch:

Es ist eine lange Geschichte. Und ein Skandal. Anders kann man es nicht ausdrücken. Schon im August wurde der Kinderklinik im Westpfalz-Klinikum die Ermächtigung zur ambulanten neuropädiatrischen Behandlung gesetzlich versicherter Kinder entzogen. Die Kassenärztliche Vereinigung des Landes gab dazu den Anstoß und tut jetzt so, als ob sie das Ganze nichts mehr anginge. Sie lässt die Eltern und ihre Kinder im Regen stehen. Doch die lassen sich nicht einfach auf die Seite schieben. Sie kämpfen, denn sie sind es, die diese inhumane und zynische Entscheidung auszubaden haben. Sie sollen mit ihren zum Teil geistig und körperlich behinderten Kindern, die regelmäßige Untersuchungen benötigen, zu Kinderärzten nach Jottwehdeh fahren, obwohl sie genauso gut, wenn nicht besser, in Kaiserslautern behandelt werden könnten. Das interessiert die KV allerdings einen feuchten Kehricht. Ein Vater hat mir diese Woche geschildert, dass er mit seinem Epilepsie-kranken Sohn nach Landau oder sonst wohin fahren soll, beispielsweise um ein Schlafentzugs-EEG machen zu lassen. Dazu muss der Junge die halbe Nacht wach gehalten und dann ins Auto gepackt werden. Auf der Fahrt darf er natürlich auch nicht einschlafen, das heißt, es müssen zwei Leute mitfahren: einer, der das Auto steuert und einer, der den Jungen beschäftigt. Doch mit solchem Kleinkram beschäftigt sich die KV nicht. Sie beruft sich auf Recht und Ordnung. Alles andere interessiert sie nicht mehr. Basta! Ein richtig lobenswertes Projekt hat in dieser Woche in der Stadt seinen Anfang genommen. Das Arbeits- und sozialpädagogische Zentrum (ASZ) hat in der Pfaffstraße 3 ein Repair-Café eröffnet. Ehrenamtliche Alleskönner helfen Mitbürgern, kaputte Gerätschaften zu reparieren. Die Idee ist klasse, weil jeder spätestens dann seine Grenzen kennen lernt, wenn er einem schnorchelnden Staubsauger, einer krachenden Kaffeemaschine oder einem pfeifenden Rührgerät gegenüber steht. Früher wurde alles auseinander gebaut, daran herum geschraubt und repariert. Das ist völlig aus der Mode gekommen. Heute wird weggeworfen: Tonne auf, Gerät rein, Ende. Jetzt gibt es − wie in vielen Städten weltweit − auch in Kaiserslautern ein Reparatur-Café, um es mal auf Deutsch zu sagen. Das ist richtig, richtig gut! Bei mir zu Hause streikt die Küchenmaschine. Nicht, dass ich sie jeden Tag nutzen würde, aber manchmal würde man schon gern... Ich habe sie nicht weggeworfen, aber sie fristet halt ein ungebrauchtes Dasein. Demnächst werde ich sie mir mal unter den Arm klemmen und in die Pfaffstraße 3 wandern. Ganz sicher. Jahrzehntelang hat kein Hahn danach gekräht. Im Gegenteil. Keiner hat sich je über eine Nutzung der Friedenskapelle Gedanken gemacht. Die Stadtverwaltung am wenigsten. Das stimmt zwar nicht ganz, denn sie hat das klassizistische Gebäude kurzerhand als Abstellkammer genutzt. Zu mehr hat es nicht gereicht. Und jetzt streiten sich gleich zwei Interessenten um die alte Aussegnungshalle. Der Verein für Baukultur und Stadtgeschichte auf der einen Seite, die Universität auf der anderen. Der Verein will das Bauwerk renovieren und dann als Stätte für Kleinkunst nutzen. Der Bedarf ist da, das ist immer wieder aus der Kulturszene zu hören. Die TU will ein Architekturregal anlegen und dort Baumodelle ausstellen. Die RHEINPFALZ-Leser haben darauf keine Lust. Sie haben sich Anfang Oktober unmissverständlich für die Vereinsidee ausgesprochen. Das hat offensichtlich niemand beeindruckt. Denn bisher sah es danach aus, als ob die TU den Zuschlag bekäme. In dieser Woche nun schien es, als fänden Verein und Uni und Stadt einen Kompromiss, denn beide Ideen seien in dem Bau unter einen Hut zu bekommen. Wie das Tauziehen um die Kapelle ausgeht, ist noch ungewiss. Ein Runder Tisch aller Beteiligten inklusive Kulturreferat soll das Problem lösen. Allerdings könnte die Stadtverwaltung, die doch immer auf ihre Bürgernähe pocht, einfach mal die Bürger fragen und sie zu einer Info-Veranstaltung einladen. Dass Interesse da ist, hat der Tag der offenen Tür in der Kapelle gezeigt. Das würde nicht nur für Klarheit sorgen, sondern zugleich beweisen, dass die Rathaus-Damen und -Herren ein offenes Ohr für ihre Bürger haben. Das zu vermitteln, fällt ihnen oft genug schwer.