Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtbildpflege kontrolliert die Lautrer Biotonnen: Überraschungen unter dem Deckel

Schauen sich momentan die Biotonnen in der Stadt und den Stadtteilen an: Karl Roos (links), Marco Lorch (Mitte) und Andreas Bech
Schauen sich momentan die Biotonnen in der Stadt und den Stadtteilen an: Karl Roos (links), Marco Lorch (Mitte) und Andreas Bechtloff.

„Ihre Biotonne wurde nicht geleert, weil sie falsch befüllt ist!“: Solche roten Aufkleber zieren aktuell so manche braune Mülltonne. Die Stadtbildpflege kontrolliert derzeit verstärkt, wie die Lautrer Bioabfälle sortieren. Karl Roos und seine Kollegen werden dabei immer wieder überrascht.

Donnerstagmorgen auf dem Betzenberg. Karl Roos, Marco Lorch und Andreas Bechtloff sind in den Straßen des Wohngebiets unterwegs und werfen einen neugierigen Blick in jede Biotonne. „Seit zwei Wochen sind wir jeden Tag unterwegs“, erzählt Roos, „um kurz vor den Kollegen, die die Biomülltonnen abholen, noch reingucken zu können.“ Die Stadtbildpflege beteiligt sich aktuell an der bundesweiten Aktion „#wirfuerbio – Kein Plastik in die Biotonne“. Denn da Bioabfall kompostiert wird, dürfen sich keine Fremdkörper darin befinden.

Wenn das Team in einer der braunen Tonnen etwas entdeckt, was dort nachweislich nicht hineingehört, wird das während der vierwöchigen Kontrollaktion dokumentiert. Roos: „Wir fotografieren den Inhalt der Tonne und schicken das Foto zusammen mit einem Bild des Tonnen-Etiketts an die Kollegen in der Daennerstraße.“ Dort wird die beanstandete Tonne in einer Straßenliste feinsäuberlich dokumentiert. Roos erklärt, wieso: „Das Erste, was jemand macht, wenn die Tonne nicht geleert wurde, ist, die Stadtbildpflege anzurufen und nachzufragen.“ Anhand der Dokumentation könne das direkt aufgeklärt werden.

Durch die Behälter wühlen? Keine gute Idee!

Wer eine Tonne mit einem der roten Aufkleber vorm Haus hat, der hat zwei Optionen: Nachsortieren und die Biotonne bei der nächsten Leerung noch mal rausstellen oder die Tonne als Restmüll abholen lassen – kostenpflichtig. Kostenpunkt der zusätzlichen Abholung: 73 Euro pro Behälter. Diese Option werde vor allem in der Innenstadt und in Wohnblocks häufig genutzt: „Da fängt ja der Hausmeister nicht an, sich durch die Tonne zu wühlen.“ Überhaupt, da sind sich die drei Stadtbildpflege-Mitarbeiter einig, sei es keine gute Idee, sich durch die Behälter zu wühlen: „Man weiß ja nie, was noch drin ist“, sagt Bechtloff, „und appetitlich ist das ja auch nicht. Schon gar nicht, wenn es wärmer ist.“

Also belassen es die drei Kontrolleure, die ansonsten unter anderem dem Umweltschnelldienst zugeordnet sind, bei reiner Sichtprüfung: Sind Fremdstoffe zu sehen, etwa Plastiktüten oder falsche Abfälle? Doch Lorch warnt: „Wer auf die Idee kommt, andere Abfälle mit Biomüll zu überdecken, kommt vielleicht bei uns damit durch, aber wenn die Kollegen beim Leeren der Tonnen etwas sehen, kleben die auch einen Hinweis darauf und lassen den Rest stehen.“

„Wir wollen nicht, dass ihr mehr zahlt“

Denn wenn sich im Biomüll, den die Stadtbildpflege Kaiserslautern zur Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK) ins Kapiteltal bringt, Fremdstoffe befinden, kann es sein, dass diese die Ladung ablehnt und sie als Restmüll entsorgt werden muss – eben kostenpflichtig. Kostenpunkt: rund 2000 Euro pro Lastwagenladung. „Diese Kosten tragen letztlich alle Gebührenzahler“, sagt Roos und ergänzt: „Da wir nicht wollen, dass ihr mehr zahlt, kontrollieren wir so intensiv.“

Ein häufiger Irrtum sei, dass die im Handel erhältlichen „kompostierbaren Plastikbeutel“ in den Bioabfall gehören: „Die zersetzen sich nicht schnell genug und dürfen nicht in die Tonne. Außerdem bleibt Mikroplastik zurück, das in die Umwelt gelangt.“ Der Fachmann rät zu Papiermülltüten oder Zeitungspapier, in das die Bioabfälle eingewickelt werden. „So wie hier“, sagt Roos und zeigt auf ein Zeitungspäckchen in einer braunen Tonne.

Die Biotonne ganz weggenommen

Während in den ländlich geprägten Stadtteilen kaum Aufkleber verteilt werden – Roos lobt die Mölschbacher mit gerade einmal acht Beanstandungen bei der Kontrolle –, sieht das in der Innenstadt oder bei großen Wohnblocks ganz anders aus. Auf dem Betzenberg bleiben am Donnerstagvormittag deshalb etliche Biomülltonnen stehen. Manche Wohnblocks haben schon gar keine Biomülltonne mehr: „Dort hat’s in der Vergangenheit zu oft Probleme gegeben, die haben das mit dem Mülltrennen nicht hinbekommen.“ Die drei Stadtbildpflege-Mitarbeiter hoffen, dass sich das Bewusstsein der Menschen, was die Mülltrennung angeht, durch die Aktion verbessert. „Wir erklären gern und viel“, sagt Roos, „aber oft geht das hier rein und da raus.“ Es sei schon ernüchternd, dass sich trotz intensiver Bemühungen immer wieder Plastik in den Tonnen findet.

Zu den kuriosesten Funden der vergangenen Tage in den Biomülltonnen gehören laut Lorch ein toter Marder, eine Diskokugel und mehrere gut erhaltene Bücher. Zum „Eimer des Tages“ ist von dem Team jüngst die Biotonne einer Pizzeria gekürt worden, in der der noch flüssige Teig in der Tonne schwappte. Nicht verboten, aber eine Riesen-Sauerei, wenn die Tonne abgeholt wird. Und ein gefundenes Fressen für Ungeziefer ...

In die Biotonne gehören ...

... Speisereste (roh, gekocht, verdorben); Fleisch-, Wurst- und Fischabfälle; Obst- und Gemüseabfälle (inklusive Zitrusfrüchten und Bananenschalen); Eierschalen; Brot- und Backwarenreste; Käsereste, Milchproduktreste (keine Milch); Kaffeesatz, Kaffeefiltertüten und Teebeutel; Topf- und Balkonpflanzen, verwelkte Blumen, Blumenerde; Laub, Nussschalen, Rasenschnitt; Federn, Haare; Holzwolle, Sägespäne (nur von unbehandeltem Holz); Küchenpapier, Knochen.

Nicht in die Biotonne gehören ...

... Asche, Zigarettenkippen (in den Restabfall), Blumentöpfe (Restabfall), Einwegwindeln (Restabfall), Kleintierstreu (Restabfall), Kunststofftüten aus Plastik (Gelber Sack/Gelbe Tonne), „kompostierbare“ Kunststofftüten (Restabfall), Sanitärabfälle (Restabfall), Staubsaugerbeutel und Straßenkehricht (Restabfall).Quelle: Stadtbildpflege/bgi

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