Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt will Tourismus stärken – steigt aber bei Vermarktungsverein aus

Kaiserslautern ist reich an Veranstaltungen: Viele Besucher lockt seit Jahren auch das Festival der Lebenshilfe „Alles muss raus
Kaiserslautern ist reich an Veranstaltungen: Viele Besucher lockt seit Jahren auch das Festival der Lebenshilfe »Alles muss raus« in die Stadt.

Die Stadt Kaiserslautern will den Tourismus fördern – wird die Vermarktung aber künftig ohne die Regionalagentur Pfalz Touristik übernehmen. Grund für den Austritt aus dem Verein sind auch höhere Mitgliedsbeiträge. Offen bleibt, wer künftig federführend für die Vermarktung zuständig sein wird und wie das Geld investiert wird.

Die Stadt ist bislang Mitglied im Verein Pfalz Touristik. Dieser kümmert sich für die Region um das Marketing mit dem Ziel, den Tourismus zu stärken und die Pfalz als Marke stärker sichtbar zu machen und zu etablieren. „Die Pfalz Touristik ist in ihrer Strategie sehr stark auf Wandern und Wein ausgelegt. Das ist weniger einer unserer Schwerpunkte, bei dem, was wir als Oberzentrum mit dem Shoppingerlebnis, Kunst und Kultur bieten“, erklärte Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) am Montag im Stadtrat.

Dank der Lage am Pfälzerwald könne die Stadt als Ausgangspunkt für Wander- und Radtouren diese beiden Segmente bedienen, heißt es in der Beschlussvorlage. „Das Thema Städtetourismus sowie Maßnahmen zur Steigerung des Tagungs- und Kongresstourismus sind in der Tourismusstrategie nicht abgedeckt“. Denn Kaiserslautern will vor allem mit seinem Kulturangebot (Pfalztheater, Fruchthalle, Kammgarn, freie Kulturszene, Museen wie die Pfalzgalerie), Veranstaltungen wie Swinging Lautern, Alles muss raus, Bundesliga-Fußball, seinem Einkaufsangebot, einer lebendigen Gastroszene punkten. Weitere Anziehungspunkte sind Stadtführungen, historisch bedeutsame Bauwerke sowie Parks (Gartenschau, Japanischer Garten).

Wer könnte in die Lücke springen?

Demgegenüber stehe aber der Beschluss der Pfalz Touristik, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Da stelle sich die Frage, ob eine Mitgliedschaft noch Sinn ergebe, machte Kimmel in ihren Ausführungen deutlich. Bisher bezahlte die Stadt Kaiserslautern jährlich etwa 29.400 Euro an Mitgliedsbeiträgen an die Pfalz Touristik, abhängig von den jeweiligen Übernachtungszahlen. Künftig würde sich der Beitrag auf circa 40.300 Euro für dieses Jahr und auf etwa 48.500 Euro ab 2025 erhöhen. In die Berechnung fließt neben einem Festbetrag von 5000 Euro auch die Übernachtungszahl, die Bettenzahl sowie die Einwohnerzahl mit ein. Auf den sich daraus ergebenden Beitrag wird zusätzlich eine Werbeumlage in Höhe von 90 Prozent festgesetzt.

Im Rat herrschte Einigkeit darüber, dass „die Mitgliedschaft für uns keinen so großen Benefit bietet, wie angenommen“ (Patrick Schäfer, SPD), die Mitgliedschaft daher zum 31. Dezember gekündigt werden soll. Das Geld, das dann frei werde, müsse aber in jedem Fall im Tourismus verbleiben, argumentierte Schäfer. Dieser Sicht schlossen sich letztlich alle Parteien im Rat an. „Es gibt einen früheren Stadtratsbeschluss, zu prüfen, ob der Tourismus nicht an die Wirtschaftsförderung (WFK) angeschlossen werden kann. Da sollten wir noch einmal schauen, ob das eine Möglichkeit ist. Bei der WFK gibt es gute Kontakte und regelmäßige Kontakte beispielsweise ins Wirtschaftsministerium“, sagte Brigitta Röthig-Wentz (FDP). Es gelte, auch den privaten Tourismus strategisch zu fördern, da sei noch „viel Luft nach oben“.

Kimmel schlug ihrerseits die Zukunftsregion Westpfalz als möglichen Partner in der Vermarktung vor. Da gäbe es bereits gute Werbemaßnahmen. „Wir müssen außerdem den Erfahrungsschatz der Hotellerie nutzen. Wir denken zudem, dass wenn wir die 5000 Euro in eine entsprechende Homepagepflege stecken könnten, dass dann der Effekt für Kaiserslautern größer wäre als bisher“, sagte sie in Reaktion auf die Nachfrage von Holger Munderloh (Die Grünen) nach Alternativen zur Pfalz Touristik. „Die Kleinteiligkeit wird durch den Ausstieg größer, auch die Sichtbarkeit wird dadurch nicht gesteigert“, hatte er mit Blick auf die von der Pfalz Touristik ohnehin als Schwachstellen in der Vermarktung der Region identifizierten Punkte gesagt.

2023: Kaiserslautern steuert auf Rekord zu

Die Übernachtungszahlen haben sich in Kaiserslautern seit den pandemiebedingten Einbrüchen wieder positiv entwickelt. 2022 erreichten die Hoteliers fast das bisher beste Ergebnis von 2019. Damals wurden 291.451 Übernachtungen und 121.469 Gäste gezählt. Die Zahlen für 2023 liegen noch nicht endgültig vor, es könnte aber zum ersten Mal die 300.000er Marke übersprungen werden. In der Stadt geht der Hauptanteil der Übernachtungen auf Geschäftsreisen zurück. Dazu kommen Übernachtungen in Verbindung mit den vor Ort stationierten amerikanischen Militärangehörigen. Laut der Stabsstelle Citymanagement wünscht sich die Kaiserslauterer Hotellerie seitens der Stadt eine stärkere Vermarktung insbesondere zur Steigerung der Auslastung an den Wochenenden. Mehr Werbemaßnahmen sollen aus ihrer Sicht das vielfältige Angebot der Stadt herausstellen.

„Wir brauchen eine eigene Tourismusstrategie und eine eigene Marke für Kaiserslautern als Großstadt“, merkte Stefan Glander, Fraktionssprecher der Linken, an. Er sehe die Förderung des Tourismus’ als Aufgabe der Verwaltung, „nicht der WFK“.

Michael Kunte (Die Grünen) ergänzte, es sei bereits vor einiger Zeit eine Strategie zur Fachkräftegewinnung aufgestellt worden, auch da sei es um einen Markenkern der Stadt gegangen. Diese Konzepte könne man sich nun für den Tourismus noch einmal anschauen und mit in die Überlegungen einbeziehen, schlug er vor.

x