Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt will beim Pfalztheater mitreden

Da die Stadt Kaiserslautern auch fürs Minus beim Pfalztheater aufkommt, will sie mehr Mitsprache – zum Beispiel bei der Stellenb
Da die Stadt Kaiserslautern auch fürs Minus beim Pfalztheater aufkommt, will sie mehr Mitsprache – zum Beispiel bei der Stellenbesetzung des künstlerischen Leiters.

Wie stark die Stadt bei der Stelle des künstlerischen Leiters am Pfalztheater mitreden soll, wurde im Kulturausschuss kontrovers diskutiert. Es gab überraschend ein Ergebnis.

Wegen „unüberbrückbarer Differenzen in der künstlerischen Ausrichtung“ hatte sich der Träger des Theaters, der Bezirksverband Pfalz, im April 2025 von Johannes Beckmann getrennt. Er hatte sein Amt erst zur Spielzeit 2023/2024 angetreten.

Nach dessen abruptem Weggang setzte der Bezirksverband Daniel Böhm zunächst als kommissarischen Leiter ein, verlängerte dann den Vertrag klammheimlich bis zum Ende der Spielzeit 2027/28. Der langjährige Mitarbeiter war bereits in der Interimsspielzeit 2022/23 gemeinsam mit Generalmusikdirektor Daniele Squeo für die künstlerische Leitung des Hauses verantwortlich gewesen. Der Bezirksverband bezeichnete Böhm „als Kenner des Hauses, vernetzten Kulturakteur und engagierten Teamplayer“.

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Beckmann wurde nicht nur ein Programm vorgeworfen, das am Lauterer Publikum vorbeiging, sondern auch eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage wegen des Besucherrückgangs. Dieser Trend sei nun gestoppt, verkündete Daniel Böhm in der Sitzung des städtischen Kulturausschusses am Donnerstag. Der Spielplan 2026/27 enthalte einen „runden Mix aus Unterhaltung, Wagnis, Traditionellem, Modernem, Herausforderungen und Verkaufsschlagern“. Böhm freute sich, von einer „durchweg positiven Zuschauerresonanz“ und steigenden Abobuchungen bei kaum Kündigungen zu berichten. „Wir hatten den Auftrag, die Zuschauer zurückzuholen und eine Konsolidierung einzuleiten“, fasste er zusammen; diese Strategieplanung sei mit wöchentlichen Treffen gestartet.

Vor allem die Grünen fordern Transparenz

Nicht nur über die wirtschaftliche Situation, sondern auch die Stellenbesetzung hatten die Grünen bereits im Herbst 2025 mehr Transparenz und Mitsprache eingefordert. „Schließlich geht es um öffentliche Gelder, denn die Stadt muss einen nicht unerheblichen Teil des Fehlbetrages übernehmen“, begründete Johanna Heidrich (Grüne) den Antrag gegenüber der RHEINPFALZ. Kriterien und Kennzahlen – wie Besucherzahlen, Aboentwicklung sowie Einnahmen und Ausgaben – sollte der Bezirksverband präsentieren und so den Konsolidierungsprozess veranschaulichen.

Dem kam die kaufmännische Leiterin Simone Grub nach. Das Pfalztheater wird nicht nur vom Bezirksverband, sondern auch von Land und Stadt finanziert. Der Zuschuss der Stadt ist vom Vor-Coronajahr 2019 von 4,8 Millionen Euro auf 6,5 Millionen 2026 gestiegen. Zum Vergleich: Das Land zahlt aktuell gut 10,5 Millionen, der Bezirksverband knapp 9,8 Millionen Euro.

Die Anzahl der Stellen ist von recht konstanten 325 auf 332 im Jahr 2023 gestiegen und sank 2024 auf bis heute anhaltende 329. Die Erträge durch den Ticketverkauf sind seit 2023 stetig steigend und haben fast das Vor-Corona-Niveau erreicht.

Daniel Böhm bestimmt den künstelirschen Weg des Theaters seit Beckmanns Weggang.
Daniel Böhm bestimmt den künstelirschen Weg des Theaters seit Beckmanns Weggang.

Zum Vorgehen bei der Besetzung der künstlerischen Direktion zitierte Bezirkstagsvorsitzender Hans-Ulrich Ihlenfeld aus der „Zweckvereinbarung zwischen Bezirksverband und Stadt“ von 1986: Die Entscheidung „wird im Einvernehmen mit der Stadt getroffen“. Das bedeutet, dass die Stadt Mitspracherecht hat. Allerdings: „Falls keine Einigung erzielt wird, entscheidet der Bezirkstag mit einer 2/3-Mehrheit.“ In der Kulturausschusssitzung des Bezirksverbandes am 24. Juni soll der Zeitplan beschlossen werden, gab Ihlenfeld bekannt, mit „dem Ziel, entweder den Vertrag von Daniel Böhm zu verlängern oder die Stelle neu auszuschreiben“. Mit seinem Vorschlag werde der Bezirksverband dann auf die Stadt zukommen.

Der Einschätzung, man sei „nicht in Zeitnot“, widersprach Ausschuss-Mitglied Morphy Burkhart (Grüne). „Wenn ein Vorlauf von eineinhalb Jahren nötig ist, dann müsste bis Jahresende eine Entscheidung gefallen sein“, um die Stelle ab 2028/29 zu besetzen, sagte er. Und nannte das Verfahren „zu gemütlich“. Es müsste eine Ausschreibung geben, und „wenn Böhm der Beste ist, ist es schnell entschieden“.

„Ich weiß nicht, warum plötzlich so getrieben wird“, wandte sich Michael Krauß (SPD) dagegen. Und erläuterte im Nachgang gegenüber der RHEINPFALZ: „Jemanden, der bereits die Arbeit für die kommende Spielsaison gemacht hat, jetzt mit einer Ausschreibung vor den Kopf zu stoßen“, sei unfair. Böhm solle erstmal Gelegenheit bekommen, zu zeigen, was er kann. Zudem betonte er, dass der Bezirksverband fürs Personal verantwortlich ist.

Passte dem Bezirksverband nicht als künstlerischer Leiter des Pfalztheaters: Johannes Beckmann.
Passte dem Bezirksverband nicht als künstlerischer Leiter des Pfalztheaters: Johannes Beckmann.

Heidrich kam aus denselben Fakten zur gegenteiligen Argumentation: „Herr Böhm wird mit der kommenden Saison bereits Zeit gehabt haben, sich zu beweisen, wenn es dann in die Findung des geeigneten Kandidaten geht.“ Außerdem würde die Legitimation durch ein geregeltes Verfahren ihn sogar stärken. Eine Ausschreibung sei „das übliche Vorgehen in anderen Städten und auch die Empfehlung des Deutschen Bühnenvereins oder Kulturausschusses des Deutschen Städtetags“. Wichtig ist ihr: „Es geht nicht um die Person, sondern ums Verfahren!“ Neben der Ausschreibung fordern die Grünen auch eine Findungskommission aus unabhängigen Experten.

Es freue sie, dass „das Pfalztheater der Bitte nach Transparenz zum Konsolidierungsprozess nachgekommen ist“ – allerdings sei für sie etliches noch unklar: „Wo sind Problemfelder? Wo Einsparungen möglich? Was ist das Ziel? Denn ohne Soll-Größe ist die Entwicklung schwer zu beurteilen.“

Manfred Reeb (Freie Wähler) stellte sich in der Sitzung auf die Seite von Ihlenfeld und Krauß: Er freue sich über den selbst beobachteten guten Zulauf am Theater und riet, „nicht hektisch auszuschreiben“.

Überraschung nach dem öffentlichen Teil der Sitzung

Lukasz Pietzarek (CDU), der in der Sitzung nach den recht hohen „Personalkosten von 86 Prozent“ und Stelleneinsparungen fragte, lobte im Anschluss die Transparenz des Bezirksverbands. Bei der Stellenbesetzung müsse die Stadt „ihr Mitspracherecht wahrnehmen“, unterstrich er, wolle aber die Entscheidung des Kulturausschusses des Bezirksverbandes abwarten.

Darauf muss die Stadt noch warten. Aber überraschend gab es noch am Donnerstag ein Votum des städtischen Kulturausschusses: Laut RHEINPFALZ-Information stimmte das Gremium im nicht öffentlichen Teil mehrheitlich für eine Ausschreibung. Kulturbürgermeister Manfred Schulz wollte wissen, wie er sich als städtischer Vertreter beim Bezirksverband positionieren soll.

Johannes Beckmann, der inzwischen in Hamburg als Berater für kulturelle Einrichtungen tätig ist, bestätigte auf Nachfrage der RHEINPFALZ, dass er die laufende Spielzeit geplant hat, „mit Ausnahme des Ravel-Doppelabends“. Es freue ihn, wenn es jetzt besser läuft, und „dies schreibe ich mir durchaus auf die Fahnen“. Bei einer neuen Leitung sei es normal, dass es „im ersten Jahr etwas ruckelt“, im zweiten werde es besser, „im dritten muss es laufen“.

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