Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt muss für Arbeiten am Fritz-Walter-Stadion eine Million Euro aufwenden

Damit dringend notwendige Arbeiten am Fritz-Walter-Stadion erledigt werden können, muss die Stadt der Stadiongesellschaft eine M
Damit dringend notwendige Arbeiten am Fritz-Walter-Stadion erledigt werden können, muss die Stadt der Stadiongesellschaft eine Million Euro zuführen.

Wegen Mängeln beim Brandschutz und Betonabplatzungen stehen Arbeiten am Fritz-Walter-Stadion an. Die Stadt muss dafür eine Million Euro zuschießen. Das reicht für die unbedingt notwendigen Maßnahmen. Trotz der Mängel beruhigt der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft: „Das Stadion ist intakt.“

Als der Stadtrat am Montag den Nachtragshaushalt für 2024 verabschiedete, waren darin auch eine Million Euro für die städtische Fritz-Walter-Stadion-Gesellschaft enthalten. Gebraucht wird das Geld für notwendige Arbeiten an der WM-Arena von 2006. Im Pacht- und Betreibervertrag ist geregelt, dass sich der 1. FC Kaiserslautern um Instandhaltungen kümmert, erläutert Stefan Weiler, der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft. Das mache der FCK auch, regele vieles auf dem kleinen Dienstweg, sei auch bei Arbeiten im Außenbereich sehr kulant. Bei den nun anstehenden Maßnahmen handele es sich aber klar um Aufgaben, die „Dach und Fach“ betreffen, also vom Eigentümer erledigt werden müssen, nämlich um Betonabplatzungen und Brandschutzthemen, sagt Weiler.

Weiler: Bausubstanz ist in Ordnung

Eine Betonabplatzung sei in der Zuschauerhalle in der Osttribüne aufgetreten, eine andere an der Westtribüne. Wenn „irgendwo Steinchen runterkommen“, beunruhige ihn das als Geschäftsführer natürlich. Das passiere zwar selten, wenn es vorkomme, lasse man das aber von Ingenieuren prüfen. Ohnehin gebe es etwa alle drei bis sechs Monate Begutachtungen des Stadions durch Fachfirmen wie Borapa oder Peschla und Rochmes, so Weiler. In den aktuellen Fällen habe man Flächen abgesperrt und die Schadstellen begutachten lassen. Die gute Nachricht: „Die Bausubstanz ist in Ordnung, da bricht nichts zusammen“, sagt Weiler. Man könne Zuschauer einlassen, müsse aber den Beton sanieren.

Bei einem Betonklotz wie dem Stadion kann es laut Weiler zu solchen Abplatzungen kommen, wenn die Betonmischung an der einen oder anderen Stelle nicht so gut war. Der Stahl unter dem Beton ziehe Wasser, es bildet sich Rost, der sich ausdehnt und den Beton abplatzen lässt. Diese Stellen müssen nun saniert werden. Im Westen werde man eine Stahlverstärkung anbringen. „Das ist eine städtische Immobilie, da wollen wir das anständig machen“, sagt Weiler. Zusammen werden die Arbeiten rund 800.000 Euro kosten.

Hunderte Rauchmelder werden getauscht

Daneben stehen Brandschutzmaßnahmen an: Bei einer Begehung durch die Dekra im vergangenen Jahr seien Mängel aufgefallen, erläutert der Geschäftsführer. Die Brandschutzbestimmungen vor 20 Jahren waren andere als heute. Während die Deutsche Fußball Liga bei manchen Dingen großzügig sei, ist das beim Brandschutz nicht der Fall – „was ich gut verstehen kann“, schiebt Weiler nach.

Eine neue Brandschutzkonzeption soll das gesamte Stadion im Lichte der neuen Auflagen in den Blick nehmen. Die Arbeiten, die IG Bauplan übernimmt, kosten rund 150.000 Euro. Die Konzeption werde allerdings auch Ergebnisse bringen, sagt Weiler, und die werden voraussichtlich weitere Ausgaben notwendig machen. Bereits jetzt müssen die Marathontore erneuert werden, um die Entfluchtung sicherzustellen. Kosten: rund 20.000 Euro. Zudem müssen die Rauchmelder getauscht werden. „Zuhause sind das fünf oder sechs, im Stadion Hunderte“, verweist Weiler auf die Größenordnung. Das koste über 80.000 Euro.

Rückgriff auf Tilgungsrücklage nicht gestattet

Die Finanzierung dieser Arbeiten ist für die Stadiongesellschaft jedoch ein Problem. In der zweiten Bundesliga zahlt der 1. FCK eine reduzierte Pacht. Um ihre Ausgaben zu decken, braucht die Gesellschaft je Saison daher einen Zuschuss über 800.000 Euro von der Stadt. Die Tilgungsrücklage, die sich aktuell auf etwas mehr als 18 Millionen Euro beläuft und mit der der Stadionkredit in Höhe von 65 Millionen Euro bedient werden soll, darf die Gesellschaft nicht anzapfen. Das untersagt die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Auch ein Darlehen am freien Markt ist keine Option, war der Beschlussvorlage des Stadtrates zu entnehmen. Einzige Option blieb also eine Kapitalzuführung durch die Stadt, der der Stadtrat am Montag zustimmte.

Besonders ärgerlich nannte Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) die Tatsache, dass diese Kapitalzuführung als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet wird, die Stadt also zusätzlich rund 285.000 Euro Kapitalertragssteuer zahlen muss. CDU-Fraktionssprecherin Ursula Düll und Brigitta Röthig-Wentz, die FDP-Fraktionsvorsitzende, beantragten für die kommende Ratssitzung eine Darstellung der Stadiongesellschaft zum baulichen Zustand des Stadions, um zu wissen, was in den kommenden Jahren noch auf die Stadt zukomme.

Heizungsanlage müsste erneuert werden

„Wir haben immer einen Überblick, was gemacht werden muss“, sagt Stefan Weiler mit Verweis auf einen Jahresbericht von Peschla und Rochmes. „Das Stadion ist intakt“, beruhigte der Geschäftsführer. Aber natürlich setze Starkregen und Hitze der Arena zu. Und es mache auch einen Unterschied, ob gegen Verl 50 Fans im Gästeblock stehen, oder ob die Tribüne gegen den HSV komplett mit Fans gefüllt sei, die im Takt springen, sagt Weiler.

Handlungsbedarf gibt es derweil so oder so. Denn eigentlich hätte die Stadiongesellschaft gerne 1,6 Millionen statt einer Million Euro investiert. Die Wellenbrecher müssten beispielsweise ausgetauscht und „die Heizungsanlage komplett erneuert werden“, so Weiler. Die sechs Heizkessel stammten noch aus Zeiten vor der WM. Und dabei gehe es nicht nur um die Beheizung des VIP-Bereichs, sondern auch um die Rasenheizung. Man habe ein sehr gutes Konzept der Stadtwerke vorliegen. Das Stadion soll an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. „Das wäre energetisch sinnvoll und dringend geboten“, sagt Weiler, doch der Stadiongesellschaft fehlt das Geld für Investitionen.

Die Idee, dass die Stadiongesellschaft mit einem Hybridgebäude samt Parkhaus, das im neuen Quartier auf dem Betzenberg entstehen soll, Erträge erwirtschaftet, komme nun erstmal nicht zum Tragen, wie Kimmel im Stadtrat sagte. Schließlich zeichnet sich ab, dass das gesamte Wohngebiet auf dem Betzenberg einem Wettbewerb unterworfen werden soll.

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