Meinung
Stadt in Finanznot: Dinos im Zoo, Germany’s Next Top-Geisha und Bürgercenter mit Fitness-Plus helfen
Die Lauterer sind bewegt. Die Lauterer sind erregt. Die Lauterer sind empört. So sehr, wie lange nicht mehr. Sie beschäftigt die Frage: Muss eine der Hauptattraktionen von Kaiserslautern sterben? Nein, die Frage ist vielmehr: Müssen zwei Hauptattraktionen sterben? Oder müssen ... ? Tja, wer weiß schon, ob mit der Gartenschau und dem Japanischen Garten das Ende der Fahnenstange der Einrichtungen erreicht ist, die aus Finanznot nicht wissen, wie sie weiterbestehen sollen. Und deswegen nun bei der Oberbürgermeisterin vor der Tür stehen.
Nicht nur das Grün auf dem Betzenberg, nein, auch das auf dem Kaiserberg und dem Abendsberg hat offenbar das Zeug, Menschen zum Mitleiden und Mitschimpfen zu bewegen, wie die Reaktionen auf unsere Berichterstattung zeigen. Und zwar mit Herzblut.
Und schon sprudeln die Ideen: In den FCK wird viel zu viel Geld reingesteckt, oder besser: verpulvert, murren einige kritische Geister schon lange. Ergo: Bei der Gartenschau ist es sinnvoller angelegt. Okay, ein gewisser Teil der Lauterer wird sich darüber mit Herzblut erregen, wird sich empören. Den Was-interessiert-mich-der-FCK-Lauterer hingegen wird dies völlig unbewegt lassen.
Der Zoo zieht auf die Gartenschau
Es gibt aber auch andere Sparideen. Vielmehr Synergienutzungsideen. Da ja der Zoo auch ein Zuschussgeschäft ist, könnte man ihn doch in die Gartenschau integrieren, schlägt ein anderer Leser vor. So würde man beim Personal sparen. Ich sehe die Ziegen und Zebras bereits in trauter Harmonie mit den Dinos grasen, die Erdmännchen und Kattas munter dazwischen umherspringen. Ich hoffe, die Pfälzer Dinos sind Pflanzenfresser. Sonst wäre das Bild nicht so schön ... Einspareffekte beim Futter könnten zu Attraktivitätsverlust des Zoos führen.
Und noch an anderen Ecken werde Geld verplempert, beschwert sich das Volk.
Aber machen wir doch Nägel mit Köpfen und erstellen ein Konzept für die Stadt, ein neues Stadtentwicklungskonzept. Ein Konzept, das unnötige Ausgaben der Stadt verhindert, Synergien aufzeigt und Wege, wie Einnahmen generiert und beliebte Einrichtungen finanziert werden können. Voraussetzung ist lediglich ein wenig Fantasie.
Also, der Zoo zieht aufs Gartenschaugelände. Mit den Dinosauriern darin ist sogar noch eine Zeitreise inbegriffen. Das ist weltweit einzigartig, sodass eine Erhöhung des Eintrittspreises mehr als gerechtfertigt ist. Der Grünflächentrupp kann eingespart werden, denn die Ziegen übernehmen dessen Arbeit.
Im Japanischen Garten wird „Germany’s Next Top-Geisha“ gesucht
Der Japanische Garten wird zum Top-Hot-Spot für Touristen und Promis aus aller Welt. Zenfluenzerin Ann posiert vor Teehaus und Teich mit den Ex-FCK-Profis, die nun endlich so viel Geld verdienen, wie sie sich als Fußballer immer erträumt haben. Stars aus Film und Showbiz oder dem Silicon Valley kommen nach Kaiserslautern für ihre Flitterwochen oder Scheidungsfeier: Für Hochzeitsfotos im exklusiven Leih-Kimono steht eine Beauty- und Styling-Agentur bereit, die Scheidung wird in Samurai-Rüstung gefeiert oder der Ex-Partner beim Kendo mit dem Schwert besiegt. Auch für den smarten „Bachelor“ in der Brunst bietet der Japanische Garten den richtigen TV-Hintergrund, für „Germany’s Next Top-Geisha“ bekommt RTL die Lizenz für zehn Jahre.
Das Stadion wird großteils abgerissen. Auf der Fläche und in Restgebäuden entstehen Nachbauten des Asternwegs, die als Filmkulisse dienen. So werden die Kalkofen-Bewohner nicht ständig zu Hause zu ungünstigen Zeiten von Filmteams belästigt, sondern bekommen Gage für ihre Rolle vor der Kamera. Sollte ein Protagonist ausfallen, stehen Studis und Rentner als Ersatz zur Verfügung, die sich so ebenfalls ein paar Euro dazuverdienen können. Die Serie „Asternweg – Eine Straße ohne Ende“ wird von Hans W. Geißendörfer produziert und wöchentlich ausgestrahlt. Der langfristige Vertrag sichert kontinuierliche Einnahmen.
Mehr Bürgernähe und Mehrwert durch Stadtverwaltung in der Mall
Das Rathaus wird nicht saniert, die 125 Millionen Euro werden eingespart: Die Verwaltungsmitarbeiter ziehen in die Mall um und füllen die dortigen Leerstände. Das spart nicht nur Kosten, sondern garantiert mehr Bürgernähe und die verbliebenen Mall-Mieter profitieren von der Kundschaft. Der Foodcourt wird aufgehübscht und das Bürgercenter dort platziert, so wird Wartezeit zu Mehrverzehrzeit. Die Stadt erhält eine Umsatzbeteiligung an verkauften Pommes, Döner und Kaffee. Durch rotierende Pop-up-Ämter werden Bürger und Mitarbeiter geistig mobil gehalten. Die Rolltreppe wird eingespart und eine Ikea-Einbahn-Laufrichtung durch die Mall vorgegeben; dafür wird eine Fitnessgebühr pro Tag erhoben, auch eine Monats- oder Jahresmitgliedschaft im Fitnesscenter „Ratschlag“ ist möglich.
Die zerfallenden Ruinen des Rathauses werden sorgfältig konserviert und touristisch vermarktet. Das beim Bau 1965 höchste Rathaus Deutschlands wird ein einzigartiges Industriedenkmal. Als Unesco-Weltkulturerbe lockt es Besucher von weit her in die Westpfalz. Für Gäste aus Übersee wird es als Package zusammen mit der Völklinger Hütte angeboten, als Special für Japaner ist der Speyerer Dom im Vormittagspaket enthalten.
Die Offenlegung der Lauter erübrigt sich, vom zerbröselnden Rathaus aus fließt Wasser aus maroden Rohren bis zum Schillerplatz. Damit ist auch der Klima-Brennpunkt Neue Stadtmitte abgemildert. Die Bewässerung sorgt für Vegetation in Nischen, aus denen die Pflastersteine weggespült worden sind, teure Anpflanzungen sind nicht mehr nötig.
Man sieht: Mit ein bisschen Fantasie ist einiges möglich. Wir schaffen das!