Frankenstein
St.-Franziskus-Schülerinnen helfen beim Aufforsten
Warum initiiert eine gemeinnützige GmbH aus Kirchzarten bei Freiburg im Breisgau mit finanzieller Unterstützung einer Stiftung aus der Hansestadt Bremen, dass eine zehnte Schulklasse einer Mädchen-Realschule aus der Stadt Kaiserslautern an ihrem Wandertag auf einem rund 3000 Quadratmeter großen Waldstück bei Frankenstein im Landkreis Kaiserslautern, das Teil des Gemeindewaldes von Gerolsheim im Landkreis Bad Dürkheim ist, rund 400 junge Bäumchen pflanzt?
Klärung dieser komplexen, geradezu verwirrenden Fragestellung gab es Mitte der Woche an einem ziemlich steilen Hang im Erlenbachtal, etwa auf halber Strecke zwischen den letzten Frankensteiner Wohngrundstücken und dem Forsthaus Erlenbach. Dort gehört der Gemeinde Gerolsheim seit dem Mittelalter ein rund 54 Hektar großes Waldstück, eingebettet in den rheinland-pfälzischen Staatswald. Es wurde als sogenannte Allmende der Gemeinde bereits vor Hunderten von Jahren von den damaligen Landesherren überlassen, unter anderem, um dort Bauholz schlagen zu können.
Schock über Waldzustand führt zu Firma
Erst mal Bäume zu pflanzen ist allerdings die Aufgabe der Zehntklässlerinnen von der St.-Franziskus-Realschule. Sie werden nicht nur von Klassenlehrerin Lisa Sprau begleitet, sondern auch von Sigrun Kopitsch von der Firma „Myreforest“ mit Sitz im baden-württembergischen Kirchzarten. Die gemeinnützige GmbH wurde im Jahr 2021 von Andrea Thoma gegründet und organisiert seit dieser Zeit Aufforstungsprojekte – inzwischen bundesweit. „Wir bringen Waldbesitzer, Sponsoren und Menschen, die ehrenamtlich Bäume pflanzen, zusammen. Unser Ziel ist es, unsere heimischen Wälder als Lebensgrundlage zu erhalten, aufzuforsten und die Natur im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen“, berichtet Kopitsch. „Myfreforest“ mit seinen drei Mitarbeitern beschränkt sich mit seinem Engagement ausschließlich auf kleine, zumeist kommunale Privatwaldbesitzer.
Den Anstoß zur Firmengründung hätten vor drei Jahren die Pandemie-Reisebschränkungen gegeben. Die Initialzündung: Bei einem Ausflug in den Schwarzwald sei die Gründerin schockiert gewesen von dessen Zustand. Inzwischen sei es gelungen, ein gut funktionierendes Netzwerk in Sachen Wiederaufforstung aufzubauen, wodurch auch die Kontakte zum Forstzweckverband im Norden des Landkreises Bad Dürkheim und zur Cordes und Graefe Stiftung in Bremen entstanden seien.
Fichtenbestände eingeschlagen
„Die Stiftung fördert Projekte, bei denen sich Schüler mit konkreten Natur- und Umweltschutzprojekten beschäftigen, und hat uns bereits bei mehreren Aufforstungen die Setzlinge finanziert“, berichtet Kopitsch. Auch mit dem Forstzweckverband Jerusalemsberg-Leiningerwald im Forstamtsbezirk Bad Dürkheim habe man in den vergangenen beiden Jahren bereits zwei Aufforstungsprojekte vorangetrieben. Mitarbeiter Christian Hoffmann erklärt: „Auf den Flächen, die wir zusammen mit ,Myreforest’ aufgeforstet haben und auch heute angehen, standen bis vor Kurzem noch ausschließlich Fichten. Diese wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als schnellwachsender Brot- und Butterbaum gepflanzt. Sie haben durch den Klimawandel allerdings mit den für Fichten typischen Problemen zu kämpfen, insbesondere mit dem Borkenkäfer, weshalb wir mehrere große Fichtenbestände einschlagen mussten.“
Normalerweise helfen bei Baumpflanzaktionen Ehrenamtliche aus den zum Forstzweckverband gehörenden Waldgemeinden. Nun arbeite man zum ersten Mal mit einer Schule zusammen. Lehrerin Lisa Sprau findet das gut: „Die Idee, die hinter den Projekten steht, passt ganz gut zu unserer Schulphilosophie, bei der Nachhaltigkeit und ökologisches Denken eine große Rolle spielen.“ Als sich die Zehntklässlerinnen schließlich nicht auf eine Aktion für ihren Wandertag einigen konnten, „da hab ich uns kurzerhand für das Waldprojekt angemeldet“, berichtet Lisa Sprau.
Nicht alle sind direkt begeistert – aber bald
Als die Zehntklässlerinnen gegen 9 Uhr bei leichtem Schneeregen und ziemlich ungemütlichen Temperaturen im Wald ankommen, gehen die Meinungen über das Projekt unter ihnen dementsprechend auch ziemlich weit auseinander: Auf der einen Seite sind da jene, die Christian Hoffmann aufmerksam bei seinen Pflanzanleitungen zuschauen. Auf der anderen Seite war einigen Schülerinnen schon der Fußmarsch vom Bahnhof ins Erlenbachtal zu viel – und sie haben sich schon in die Motzecke zurückgezogen.
Das Bemerkenswerte: Nach gut einer halben Stunde, als die ersten Bäumchen mit Hilfe von Hoffmann und seinem Kollegen Thomas Faller in dem nicht gerade einfachen Hanggelände gepflanzt sind, sind die letzten Motzereien verstummt. Alle arbeiten konzentriert mit Hacken und Schippen und werden bis Mittag zwar nicht alle 400 Setzlinge aber doch eine beachtliche Anzahl an jungen Kastanien, Wildkirschen, Vogelbeeren und Ahorn-Bäumchen gepflanzt haben.