Kaiserslautern
Sportliche Bananen- und Proteinplätzchen
Die Menschen sind herrlich unterschiedlich. Gilt logischerweise auch für die Ansprüche beim Essen, oder sagen wir beim Essverhalten. Es gibt richtige Süßschnäbel, und da spielt es keine Rolle, ob es nun der Hochleistungssportler, ein Freizeitläufer oder ein Null-Sportler ist. Genauso finden sich in allen Bereichen die Asketen, die mit eisernem Willen bei allen essbaren Verheißungen auf die Bremse treten. Derartige Askese ist für einen Süßfan unvorstellbar. Wo soll denn so viel Willensstärke herkommen?, fragt er sich. Nun gut.
Dann gibt es noch jene, die gar nicht so süß veranlagt sind und keinerlei Zwang verspüren, bei süßen Sachen zuzugreifen, nicht einmal, wenn da leckere Weihnachtsplätzchen ihre unverschämt köstlichen Düfte versprühen. Dabei sind Plätzchen, mal ganz ehrlich, das Non-Plus-Ultra des Gaumengenusses, vor allem, wenn sie nach alten Familienrezepten gebacken wurden und jedes Plätzchen die Kindheit wiederzeichnet!
Plätzchen-Hybride
Tja und dann gibt es offensichtlich auch „Plätzchen-Hybride“. Das sind jene Mitmenschen, die selbst leidenschaftlich backen, die aber zwangsfrei an den verführerischsten Gebäcken vorbeigehen, ohne dass ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft oder die Hand unkontrolliert und völlig gedankenfrei eins, zwei, viele der Köstlichkeiten zum Mund befördert.
Die amtierende Jiu-Jitsu-Weltmeisterin Jana Rödler zählt wohl zu den Letztgenannten. „Ich backe sehr gerne. Wenn ich beruflich mehr Zeit hätte, würde ich vermutlich nur backen“, erzählt die 25-jährige Polizeikommissarin und lässt nebenbei den unglaublichen Satz fallen: „Plätzchen, die brauch’ ich nicht!“ Nicht nachvollziehbar, aber für ihr Umfeld nun sicher keine so ganz schlechte Variante. Backt die Jiu-Jitsu-Kämpferin doch mal eben in guter Stückzahl für Familie, Freunde und Bekannte.
Online Plätzchen backen
Jana Rödler, die bei ihrem Otterbacher Verein, dem Zen Bogyo Do, auch als Trainerin aktiv ist, wird sogar mit ihrer 15-köpfigen jugendlichen Trainingsgruppe eine Online-Weihnachtsfeier veranstalten und dabei mit allen zusammen Plätzchen backen. Das ist doch mal was.
„Wir backen zusammen Bärentatzen“, hat sie entschieden. Damit auch alles glatt geht, stellt sie ihren Jiu-Jitsu-Schülern am 21.12. alles, was sie brauchen, vor die Tür. „Ich pack’ für alle genau die notwendigen Mengen ab“, überlässt die Weltmeisterin nichts dem Zufall. Wie im Sport eben auch, und da wollte Rödler eigentlich in diesem Herbst ihren 2018 auf Gibraltar erkämpften Weltmeistertitel verteidigen. Ist ja bekanntlich alles ausgefallen.
„Wir waren gut dabei, auch als Team“, hatte sie die Chancen durchaus gesehen. Jetzt heißt es, auf den Punkt im Jahr 2022 fit zu sein, wenn dann hoffentlich irgendwo auf der Welt ein Ort gefunden werden kann, der die Weltmeisterschaft ausrichtet. Zukunftsmusik.
Online-Weihnachtsfeier
Wir schreiben das Coronajahr 2020, und Jana Rödler veranstaltet eine Online-Weihnachtsfeier mit gemeinsamem Online-Backen. Auch wird Pizza gemeinsam bestellt und vor der Kamera von jedem daheim – aber doch gesellig zusammen – gegessen. „Ist nicht so das Sportleressen“, lacht Rödler, aber es sei schließlich Weihnachten.
Die Bärentatzen schmecken laut der Hobbybäckerin übrigens genauso gut, wenn man die Zuckermenge um ein gutes Stück reduziert. „So viel Zucker brauchen die Plätzchen gar nicht, das gilt auch für alle anderen“, ist sie sicher, dass es da einfach mal auf einen persönlichen Versuch ankommt. Kann man machen, muss man aber nicht.
Der Freund als Versuchskaninchen
So ein Versuch waren bei ihr auch die Kokosmakronen, die sie ganz ohne Zucker und Butter, dafür mit Proteinpulver gebacken hat. Genau genommen, war René Preis, ihr Freund, das Versuchskaninchen. „Ich habe die Kokosmakronen mit Proteinpulver ausprobiert und meinem Freund hingestellt“, gibt sie amüsiert zu, dass er nichts von dem Zucker- und Butterersatz wusste, die Plätzchen aber mal so richtig gut fand.
Unwiderstehliche Plätzchen
Ob es nun ihrem Freund, ebenfalls ein Jiu-Jitsu-Sportler, ab Januar so geht wie Harald Westrich, dem Vorsitzenden des Zen Bogyo Do, ist nicht bekannt. Westrich hat jedenfalls gestanden, dass er den Plätzchen seiner Frau nicht widerstehen kann. „Ab Januar muss ich mich jedes Mal mit einem verstärkten Training (Joggen und Workouts zu Hause) meiner Pfunde entledigen“, ist der hochrangige Jiu-Jitsu-Trainer ehrlich.
Das mit den Pfunden zeigt bei anderen Sportler womöglich schlimme Auswirkungen. Etwa bei den Turnern. Die merken mit Sicherheit an den Geräten jedes einzelne Plätzchen, das sich auf den Hüften eingenistet hat. Womöglich nimmt gar der Salto allzu schnell die Fahrt zum Boden auf. Schnellere Erdanziehung durch mehr Masse halt!
Wie die Oma
„Natürlich gehören Plätzchen zur Weihnachtszeit“, sagt Lea Wätzold, Sportwartin und Trainerin im Turn-Team Sickingen (TTS) dennoch mit Überzeugung. Plätzchen mit Zucker und Butter, so wie sie die Oma macht, genau so müssen sie sein: Spritzgebäck mit Nüsschen und Schokoüberzug, Terrassen oder Heidesand, Husarenkrapfen oder Marzipankugeln. „Vor mir ist kein Rezept sicher“, steht Lea Wätzold dazu, dass ihre Plätzchen nur so vor Zucker und Butter strotzen und dass sie gerne in großen Mengen backt.
Ihr Mann Achim Wätzold, aktiver Turner, Vorsitzender im TTS und Vizepräsident Sport im Pfälzer Turnerbund, bremst seine Frau schon mal ein, zumindest, was die Menge angeht. Auf die „vollen“ Plätzchen steht er aber auch. Nur halt in Maßen, damit der Kopf gar nicht erst in die Zucker-Ekstase und der Körper aus der Form gerät.
Die Laufchallenge
„Wir haben aktuell eine Laufchallenge im Verein – wie es bei guten Sportlern so üblich ist, peitschen wir uns alle gegenseitig an, und jeder will den anderen übertreffen“, ist Lea Wätzold sicher, dass sich auch die Turner Plätzchen gönnen dürfen. Wenn es zu viele waren, na dann wird halt noch eine Runde gelaufen. Was soll’s.
Bei den Wätzolds hat es in diesem Jahr aber tatsächlich mal Plätzchen ohne Zucker und Butter gegeben. „Der Deutsche Turnerbund hat tolle Vorschläge, und ich habe die schnellen Bananen-Haferfocken-Plätzchen gemacht“, gesteht Lea Wätzold, dass die „mega“ schmecken. Allerdings müsse die Banane richtig reif, mit fast schwarzer Schale sein. „Die werde ich auf jeden Fall in meine Plätzchen-Werkstatt mit aufnehmen“, lässt Lea Wätzold diese zuckerfreie Variante gelten.
Wer täglich Sport treibt, kann mit gutem Gewissen in die Plätzchendose greifen. Da sind sich die Wätzolds einig. Gut, die kleine Elli, die gerade mal neun Monate alte Tochter der beiden Turner, greift an ihrem ersten Weihnachten wohl noch nicht in die Dose, aber im nächsten Jahr bestimmt. Da ist dann ohnehin alles wieder normal, nicht wie in diesem bescheidenen Virus-Jahr. Hoffentlich.
