Kaiserslautern Spiel ohne Grenzen

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Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin ist so etwas wie ein ständiger Gast in der Kaiserslauterer Fruchthalle. Immer wieder kehrt er zu Konzerten in die Westpfalz zurück. Sein jüngstes Gastspiel fand am Donnerstagabend vor einem leider nur eher schlecht besuchten Haus statt.

Hamelin ist einer der ganz Großen der Pianisten-Zunft. Grenzen scheint es für ihn keine zu geben. Weder spieltechnisch, noch bezüglich des Ausdrucksspektrums. Und was die Spannbreite seines Repertoires betrifft, gibt es offensichtlich keine Epoche, die ihn vor Probleme stellen würde. Zum Beweis sei das Programm aus Kaiserslautern angeführt, das zeitlich mit Mozarts letzter Klaviersonate (KV 576) begann und über Schuberts vier Impromptus D 935 und Debussys „Images“ bis zu Eigenkompositionen Hamelins führte. Zum Beispiel Mozart: Hamelin setzt auf einen scharf geschliffenen, glasharten Anschlag. Und er wechselt ständig das Tempo, mitunter innerhalb kleinster musikalischer Einheiten. Gerade im ersten Satz wird Mozart auf diese Weise quasi atomisiert, um den Kern freizulegen: die Zauberformel Mozarts – die Melodie. Die thematische Entwicklung wird in all ihren Verästelungen nachvollziehbar. Und Hamelin spielt das gleichermaßen unbeschwert wie beschwingt, vor allem aber völlig unprätentiös, ohne jegliches Virtuosengehabe. Er könnte auch als Versicherungsvertreter durchgehen. Dann setzt er zum Sprung durch die Musikgeschichte an: von Mozart zu Debussy. An die Stelle der Melodielinie tritt die Klangfläche. Hamelin spielt das so, als gebe es kein Beginnen und kein Ende. Ein atmosphärischer Schwebezustand, der durchaus aber zu nachgerade orchestralen Klangballungen fähig ist. Womit er einen idealen Übergang zu zwei eigenen Werken gefunden hat: „Pavane variée“ und „Variations on a theme of Paganini“. Inspiriert einerseits durch ein Thema aus dem französischen Frühbarock, andererseits aus dem frühen 19. Jahrhundert, hat Hamelin zwei pianistische Bravourstücke geschaffen, die seine unfassbaren Fähigkeiten wie auf dem Silbertablett servieren. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass dies ein anderer Pianist in einem solchen Tempo nachspielen kann. Man sitzt da mit offenem Mund und fragt sich, ob bei diesen fliegenden Händen und Fingern die Naturgesetze zumindest vorübergehend aufgehoben sind. Zum Abschluss dann romantische Bekenntnismusik: Schubert, Impromptus. Hamelin findet für jedes einzelne Stück einen anderen, manchmal etwas eigenwillig anmutenden, immer aber schlüssigen Zugang. Der Weichzeichner bleibt außen vor. Die romantische Sehnsucht wird nachgerade mit Dringlichkeit serviert. Diese Romantik ist eine ziemlich ernste Angelegenheit.

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