Kaiserslautern SPD-Boom: „Das macht unheimlich stolz“

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Die Sozialdemokratie im Schulz'schen Aufwind - ein Interview mit dem Kaiserslauterer Parteivorsitzenden Oliver Guckenbiehl.

Die SPD in Deutschland hat gerade einen Lauf. Hat der Lauterer SPD-Stadtverband vom Martin-Schulz-Hype profitiert?

Ja. Der Stadtverband hat in diesem Jahr 35 neue Mitglieder aufgenommen. Das sind exakt genauso viele wie im ganzen letzten Jahr zusammen. Wenn das so anhalten würde ... Wer tritt denn ein? Junge Leute oder eher die ältere Generation? Das geht querbeet. Es sind junge Leute dabei, wir verzeichnen aber auch Wiedereintritte. Fest steht jedenfalls: Ich kann im Moment nicht aus der Haustür gehen, ohne Beitrittserklärungen dabei zu haben. Die gehen weg wie warme Semmeln, auch deshalb, weil die Leute sehen, dass die Sozialdemokraten wieder die Option haben, an die Macht zu kommen. Und außerdem passen die sozialdemokratischen Werte absolut in die heutige Zeit. Sie sind angesagt wie selten. Das beste Programm gegen die AfD ist es, SPD zu wählen. 125 Jahre SPD in Kaiserslautern: Das ist ein stolzes Jubiläum. Was ist an Festlichkeiten geplant? Es macht uns unheimlich stolz, dass wir als älteste Partei in Kaiserslautern wirken können. Wir haben ein schönes Logo machen lassen. Das wird man dieses Jahr sehr oft sehen. Zu unserem 125. Jubiläum werden wir eine richtige Kampagne aufziehen, um noch mehr Mitglieder zu gewinnen. Wir werden Info-Stände organisieren und viele Veranstaltungen in den Ortsvereinen anbieten. Die eigentliche Jubiläumsveranstaltung soll in der Fruchthalle sein. Was soll da laufen? Die Hauptveranstaltung ist, wenn alles klappt, im August in der Fruchthalle. Wir werden Parteiprominenz einladen. Wahrscheinlich Martin Schulz. Abwarten! Ich war übrigens vor kurzem auf der Regionalkonferenz von Schulz in Worms, um mir ein eigenes Bild von ihm zu machen. Ist er authentisch oder nicht? Alle Eingänge waren eine Stunde vorher schon voll. Es war eine unglaublich positive Stimmung im Saal. Es musste ein Kanzlerkandidat von außen kommen, anders wäre es nicht gegangen. Schulz bringt frisches Blut in die Partei, er hat Erfahrung und er begeistert die Menschen. Ich hoffe, dass die Stimmung bis zur Bundestagswahl trägt. 125 Jahre SPD in Kaiserslautern: Da gibt es Höhepunkte, aber auch Tiefpunkte. Die Lauterer SPD wurde 1892 im August in der Fruchthalle gegründet. Damals gab es den Ortsverein Kaiserslautern, heute haben wir 17 Ortsvereine. Die schlimmste Zeit war sicher die während des Dritten Reiches. Da wurden Sozialdemokraten verfolgt und die Partei verboten. Nicht schön waren die Jahre von 1999 bis 2004, als die CDU in Kaiserslautern die absolute Mehrheit hatte. Das war eine schwierige Zeit, die auch die Partei gespalten hat. Der Stadtverband stand damals auf der Kippe. Wenige Jahre später haben Sie den Parteivorsitz übernommen. Ich bin seit acht Jahren Vorsitzender des Stadtverbands, habe ihn im Übrigen relativ zerstritten übernommen. Es war meine Aufgabe, die Partei, die Fraktion und die Mandatsträger zu einen. Heute haben wir den ersten sozialdemokratischen Oberbürgermeister, der wiedergewählt wurde. Klaus Weichel ist nach dem Krieg neben Hans Jung der erfolgreichste Oberbürgermeister in Kaiserslautern. Wie lange gehören Sie der SPD an? Warum sind Sie eingetreten? Ich bin 2001 mit 19 Jahren eingetreten. Ich musste dreimal nachfassen, bis ich wirklich aufgenommen wurde. Meinen Eintritt habe ich per Fax nach Berlin geschickt, danach habe ich nichts mehr gehört. Einige Wochen später habe ich noch einmal gefaxt und schließlich ein drittes Mal. Meine verstorbene Oma hat gesagt, wenn ich 18 bin, soll ich der SPD beitreten. Das habe ich gemacht, zumal die Affinität zur sozialdemokratischen Partei eh da war. Als ich in der „Guten Stube“ mein Parteibuch abholen wollte, haben die Sozialdemokraten mich gleich eingebunden. Eigentlich wollte ich ein passives Mitglied bleiben, doch ich wollte dort niemand enttäuschen. Deshalb habe ich mir gesagt: Gehste halt nochmal hin. Und so kam das dann.

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