Kaiserslautern Sparring der kolumbianischen Zwillinge
Sparring war am Dienstagabend im „Fab 5“-Center in Ramstein angesagt. Vier der Boxer, die am 2. März beim großen Kaiserslauterer Kampfabend in der Fruchthalle in den Ring steigen werden, präsentierten sich in einem öffentlichen Training. Darunter der Hauptkämpfer Joan Lique Canaveral und auch der Promoter Frank Kiy.
In gewisser Weise liefere das Sparring schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Märzabend in der Fruchthalle, wo „Berufsboxen auf hohem Niveau geboten wird“, sagt Kiy und unterstreicht dies mit einer Ansage, die wie eine rechte Gerade wirkt: „So etwas hat Kaiserslautern noch nicht gesehen.“ Dass der 53-Jährige kein Mann leerer Worte ist, hat er schon mit zahlreichen, von ihm in Kaiserslautern promoteten Kampfveranstaltungen bewiesen, womit er die große Boxtradition in der Heimatstadt des im vergangenen Oktober verstorbenen ehemaligen Europameisters Karl Mildenberger fortsetzte. Und jedes Mal war auch die RHEINPFALZ als Medienpartner mit von der Partie und leistete ihren Beitrag zum Gelingen dieser Veranstaltungen. Der in Schopp geborene, aber mittlerweile in Frankfurt lebende Boxpromoter reiste am Dienstag aus „Mainhattan“ an, mit den Preisboxern Joan und Emmanuel Lique Canaveral und dem griechischen Hünen, dem Schwergewichtler Evgenios Lazaridis. Wie Wladimir und Vitali Klitschko, so sind auch Joan und Emmanuel zwei boxende Brüder. Aber die beiden in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena geborenen Canaverals kämpfen nicht wie die Ukrainer in der Königsklasse, dem Schwergewicht, sondern im Superleichtgewicht. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sie sich nicht nur wie die Klitschkos ähnlich sehen, sondern wie ein Ei dem anderen gleichen: Joan und Emmanuel Canaveral sind Zwillingsbrüder. Der Ältere sei Emmanuel, erzählt Joan, der „fünf Minuten“ nach seinem Bruder das Licht der Welt erblickte. Obgleich der Jüngere, so ist er der im Ring erfolgreichere der Zwillinge. Das zeigen seine fünf Weltmeistertitel, die er im Kickboxen gewann. Da der 31-Jährige in dieser Kampfsportart alles erreichte, was man erreichen kann, will er sich nun auch im klassischen Boxen beweisen und Titel gewinnen. Dass die Canaverals sich nicht bloß auf das Kickboxen verstehen, sondern auch Faustkämpfer von hohen Graden sind, zeigen die Zwillinge in einer intensiven Sparringsrunde, in der sie die Fäuste fliegen lassen und sich nichts schenken. Schon oft hätten sie im Training ihre Kräfte gemessen, doch nie würden sie in einen Ring steigen und einen ernsthaften Kampf gegeneinander bestreiten, sagt Joan nach der schweißtreibenden Runde. Ein Bruderkampf findet also am 2. März in der Fruchthalle nicht statt. Joan Canaveral bekommt es da als Hauptkämpfer mit dem Österreicher Philipp Wiesenhofer zu tun, gegen den er sich den Titel eines internationalen deutschen Meisters im Superleichtgewicht holen will. Die beiden Berufsboxer standen sich schon einmal, im vergangenen Sommer in Frankfurt, im Ringgeviert gegenüber. Damals wurde Canaveral nach sechs Runden zum Punktsieger erklärt und landete damit seinen vierten Sieg im vierten Profikampf. Eine Entscheidung, mit der sein Gegner überhaupt nicht einverstanden war. Der Boxer aus der Alpenrepublik habe ihn nach dem Kampf mit vollmundigen Ankündigungen, dass er in einem Rückkampf sein blaues Wunder erleben werde, doch sehr „genervt“, sagt Joan Canaveral, der sich selbst als klaren Sieger sah. Aufgrund dieser Misstöne sei er froh, die Sache im Ring regeln zu können, und freue sich auf den Revanchekampf mit Wiesenhofer, der zwischenzeitlich Europameister des Verbandes WBU wurde. Auch mit Evgenios Lazaridis verbindet sich eine besondere Geschichte, wie sie das Berufsboxen schreibt. Der stoische, fast zwei Meter große Grieche, der mit seiner mächtigen Physis einem der altgriechischen Faustkämpfer gleicht, die schon in vorchristlichen Jahrhunderten die Zuschauer bei den Wettkämpfen im Heiligen Hain von Olympia faszinierten, steht im März am Scheideweg. Der 30-jährige Schwergewichtler muss da seinen Kampf unbedingt gewinnen, wenn er bei Agon Sports Berlin, seinem Boxstall, auch weiterhin eine Zukunft haben will. „Ihm wird ein echter Prüfstein vorgesetzt. Wir sind in Verhandlung mit einem noch ungeschlagenen Boxer“, kündigt Frank Kiy an. Ganz anders sehen die Dinge bei Alexander Lorch aus. Der Saarbrücker steht noch ganz am Anfang seiner Karriere; in der Fruchthalle wird der 23-Jährige seinen ersten Profikampf bestreiten. Der junge Halbschwergewichtler brennt auf diese erste Bewährungsprobe in der rauen Welt der Preisboxer. Gut vorbereitet auf dieses Debüt ist der Sohn des ehemaligen Profiboxers Uwe Lorch, hat er doch schon 50 Amateurkämpfe absolviert. Auch er steigt am Dienstag im „Fab 5“ in den Ring, sparrt eine Runde mit Joan Canaveral. „Es passt alles“, sagt Lorch, der auch schon weiß, welche „Einlaufmusik“ in der Fruchthalle für ihn gespielt werden soll: „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen. Dass auch das Drumherum bei diesem Profikampfabend stimmt, dafür werden Frank Kiy und sein Team sorgen. Im Mittelpunkt stehen aber „die neun geplanten Profikämpfe“. Ein Höhepunkt wird dabei der Kampf des aus Zweibrücken stammenden Schwergewichtsboxers Senad Gashi sein, der sich durch beherzte Ringauftritte in der internationalen Boxszene einen Namen machte. Aber auch das Lokalkolorit wird nicht fehlen. Der Kaiserslauterer Michael Seitz steigt auch in den Ring und kämpft gegen Alexander Randoll aus Frankfurt, ein hart schlagender Boxer, der fünf seiner sieben Kämpfe durch K. o. gewann. Promoter Frank Kiy rechnet mit einem „rappelvollen Haus“ am 2. März. Tickets sind an allen Vorverkaufsstellen der RHEINPFALZ erhältlich.