Kaiserslautern Spagat der Passionen
„Ich kann gar nicht anders“ – damit meint die gebürtige Lautererin Jana Reiß ihren regelmäßigen Balance-Akt zwischen Musik und Theater. Die Liebe zu beidem begleitet die heute 35-jährige Wahl-Kölnerin seit frühster Kindheit. Aktuell steht sie für eine neue Fernsehserie vor der Kamera. Im Juni veröffentlichte sie unter dem Künstlernamen „Lady Jane“ ihre erste Single „Giants“ – und meistert im dazugehörigen Video wieder den Spagat zwischen Musik und Schauspiel.
„Es fing alles damit an, dass meine Eltern wahnsinnige Musikliebhaber waren und uns schon von klein auf viel vorgespielt haben“, wirft Reiß einen Blick zurück zu ihren musikalischen Anfängen. Edvard Grieg gehörte – unter anderem – zur heimischen Plattensammlung der Eltern. Und so begann Jana schon mit fünf Jahren auf dem alten Klavier ihres Großvaters zu klimpern und klassischen Klavierunterricht zu nehmen. Mit der Zeit entwickelte das Mädchen auch eigene Melodien im Kopf. Und nur wenige Jahre später – im Alter von zehn – war der erste eigene Song geschrieben. Neben der Musik fühlte sich Jana aber auch zum Theater berufen. „Meine Mutter hat uns auch ganz oft ins Pfalztheater mitgenommen“, erinnert sie sich. Musicals hätten es der kleinen „Lady“ besonders angetan. Der Plan war also klar: Ein Künstlerberuf sollte es sein! Unklar war nur noch die Sparte. „Musikerin, Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Malerin“, zählt die heute 35-Jährige lachend auf. „Es war lange nicht klar, in welche Richtung das nun wirklich gehen sollte.“ Ihren Eltern zuliebe begann die junge Frau immerhin ein Studium in Theater- und Medienwissenschaften sowie Englisch. Und irgendwo zwischen Theorie und Prüfungen rief die Praxis – zuerst in kleineren Produktionen des Uni-Theaters und ersten eigenen Filmen, später als Studentin am „Theater der Keller“ in Köln. Die Schauspielschule habe ihr dabei geholfen, „ein Selbstverständnis auf der Bühne“ zu entwickeln. Ein Selbstverständnis, das sie bald in die Musik übertragen würde. Denn die Musik hat sie während ihrer Zeit auf den Theaterbühnen nie losgelassen. Mit dem eigenen kleinen Keyboard immer im Gepäck – auf dem Weg von Karaoke-Bars zu verschiedenen Band-Projekten – fand sie im Schreiben und Komponieren den nötigen Ausgleich. „Es hat allerdings noch relativ lange gedauert, bis ich mich damit an eine größere Öffentlichkeit gewagt habe.“ Die Initialzündung gab eine ihrer Kommilitoninnen an der Kölner Schauspielschule: Ela Paul, die Anfang der 2000er als Teil der Girl-Band Wonderwall mit dem Chart-Hit Just More einige Bekanntheit erreichte. Die Band hatte sich 2008 neu gegründet, mit Jessica Bremes als Zweite und Jana Reiß als Dritte im Bunde. Für Reiß war es der ersehnte Sprung auf die größeren Bühnen und vor ein breiteres Publikum. Gemeinsam tourten die Mädels durch Deutschland und England, schrieben Songs, spielten live und arbeiteten im Studio unter anderem mit Peter John Vettese von Jethro Tull. „Eine tolle Erfahrung für mich“, sagt Reiß. Zu einem neuen Album kam es jedoch nicht. Dem Anspruch vieler Plattenfirmen, weiterhin „Mainstream-Girlie-Pop“ zu produzieren, wollten die drei gereiften Damen in ihren Mittzwanzigern nicht gerecht werden. Die Auflösung kam 2011. Noch im selben Jahr gründete Reiß zusammen mit befreundeten Musikern ihre eigene Band – Lady Jane – und veröffentlichte ihre erste EP „My turn“ (zu deutsch: „Ich bin dran“). Eine klare Ansage, die Früchte tragen sollte. 2013 erreicht die Band mit gleich zwei Songs, „I Seek Your Heart“ und „Return“, das Halbfinale des UK Songwriting Contest. Gleichzeitig steht Reiß fast jeden Abend auf der Theaterbühne, dreht eigene Kurzfilme und schreibt die Musik für mehrere Theaterproduktionen, darunter „Frühlingserwachen“ und „Faust“, beide unter der Leitung von Anja Schöne. Allerdings brach auch die zweite Band schon kurze Zeit nach der Gründung auseinander. Seitdem versucht sich Reiß als Solistin – unter gleichem Namen, aber mit neuem Songmaterial. Anfang Juni feierte sie die Veröffentlichung ihrer Single „Giants“. In dem dazugehörigen – selbst konzipierten – Video (zu sehen auf Youtube) balanciert die Künstlerin einmal mehr zwischen ihren beiden Passionen: Musik und Schauspiel. Denn hier kämpft beziehungsweise tanzt die Protagonistin gegen das ungerechte „Böse“ der (Massenkonsum-)Gesellschaft an – ehrlich, direkt, frontal, ohne jedoch in ein Musical auszubrechen. Sich für das eine oder das andere zu entscheiden, kann sich Reiß nicht vorstellen. „Mir würde beides schrecklich fehlen, sowohl das Theater als auch die Musik. Und ich kann auch gar nicht anders. Wie andere Leute Sport treiben müssen, muss ich immer wieder ans Klavier oder auf die Theaterbühne, um Geschichten zu erzählen.“ Nervös ist sie jedenfalls bei beidem. Im Moment sei es jedoch vor allem die Musik, die sie „vorantreibt und aufrechterhält“. Denn hier spielt Reiß keine Rolle, sondern „schreibe aus mir selbst heraus und gebe mein Innerstes preis, um Sachen zu verarbeiten“. Das Debüt-Album soll im Herbst folgen – mit einem „bunten“ thematischen und stilistischen Reigen. Zunächst steht sie jedoch vor der Kamera für eine neue Fernsehserie für den Sender RTL 2. Also eindeutig keine Frau für eine Sparte, sondern für alle.