Fussball
Sozialarbeit mit Ball und Fußballschuhen
Seit jeher zählt der FV Olympia Ramstein zur Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichsten Milieus. Neben Gastarbeitern leben in der Gemeinde seit vielen Jahrzehnten auch Nato-Angehörige mit ihren Familien. Menschen aus 92 verschiedenen Nationen wohnen aktuell in Ramstein-Miesenbach. Es ist vor allem der Sport, der die Kinder und Jugendlichen mit unterschiedlichster Herkunft vereint und verbindet.
20 Trainer und eine Trainerin, darunter zahlreiche aktive Spieler und Akteure aus der A-Jugend, nehmen sich Tag für Tag ehrenamtlich der Kids an – und leisten so unmittelbar Sozialarbeit an der Basis. Und es wird kein Kind dabei vergessen. Selbst wenn es mal an der Ausrüstung zu scheitern droht, weil Familien nicht jedes Kind mit Fußballschuhen und Schienbeinschonern ausstatten können, finden Hechler und seine Mitstreiter eine Lösung. Ein Förderverein komplettiert das Netzwerk, das niemanden ausgrenzt.
Glücksmomente
Vor einem Jahr, als Kinder und Jugendliche weder ins Fußballtraining noch in die Schule durften, spendierte der Verein mit Hilfe von Unterstützern jedem der mehr als 200 Kinder einen Ball und ein T-Shirt. 200 Glücksmomente in schweren Zeiten. Das mag auch die Treue der Nachwuchskicker zu ihrem Verein begründen, in dem Kinder noch Kind sein dürfen, gleichwohl die talentierten Kinder gezielt gefördert werden. Der von vielen oft leicht dahergesagte Satz, die Jugend sei die Zukunft des Vereins, wird in Ramstein tatsächlich gelebt.
Denn auch bei der Ausbildung überlässt der FV Olympia nichts dem Zufall. Speziell die unteren Altersklassen bis zur D-Jugend gelten als „goldene Lehrjahre“, wie Hechler es ausdrückt. Sondertraining inklusive. Kein Wunder also, dass diese Arbeit Früchte trägt. Bei den E-Jugendlichen ist inzwischen sogar fast die Kapazitätsgrenze erreicht, der Trainingsplatz steht unter Dauerbelastung. Deshalb investiert der Verein in die Zukunft, installiert Flutlichter auf dem Rasenplatz fürs Training und stellt die Energiegewinnung auf Solar um.
Jugendfördertraining
Im Herbst startete der Verein mit einem internen Jugendfördertraining. Spielerinnen und Spieler zwischen zehn und 14 Jahren werden zusätzlich zum Mannschaftstraining gezielt in kleinen Gruppen ausgebildet und gefördert. Die Jungs und Mädchen profitieren dabei von der Erfahrung der beiden B-Lizenz-Inhaber Jürgen Jacob und Jonas Jung. Auf dem Trainingsplan stehen neben der Technikschulung auch die Koordination, das Erlernen und Verbessern der Schusstechnik, die Schulung kognitiver Fähigkeiten sowie die Entwicklung der Spielintelligenz durch verschiedene Spielformen.
Ralf Hechler ist als Macher bekannt. Der Verbandsbürgermeister trainiert selbst seit mehr als 30 Jahren Jugendmannschaften, sitzt im Olympia-Vorstand und „streitet mit Leidenschaft gerne“, wie er schmunzelnd anmerkt. Wenn aber das Gespräch auf den Verband kommt, wird er nachdenklich: „Man reibt sich auf und verliert langsam aber sicher die Lust.“ Die Gründe für Hechlers Frust sind vielfältig: Die Gängelei bei der Umsetzung des vom Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV) ins Leben gerufenen Kinderfußballprojekts, die mangelnde Wertschätzung für ehrenamtliche Mitarbeiter, die fehlende Flexibilität bei Passanträgen ausländischer Kinder und die unflexible Handhabung des Rahmenterminkalenders.
Was Hechler auf die Palme bringt
Apropos Terminpläne: Die bringen Hechler und sein Team regelmäßig auf die Palme. Der Jugendleiter kann nicht verstehen, wieso in den Sommermonaten keine offiziellen Jugendspiele stattfinden, dafür aber in den kalten Monaten November, Dezember, Februar und März gespielt wird. „Eine Saison von September bis Anfang Mai ist längst nicht mehr zeitgemäß“, meint Hechler, der sich sehr gut auch vorstellen kann, die Saison dem Kalenderjahr anzupassen. Am wichtigsten aber: Dann Fußball spielen, wenn es draußen am meisten Spaß macht.
Wer ihm zuhört, könnte fast meinen, der Verband bräuchte auf allen Ebenen eine Reform. Doch Hechler winkt ab: „Ein Anfang wäre es schon, mit den Vereinen mehr zu kooperieren anstatt zu bestrafen.“ Ein Wunsch, den viele Vereinsvertreter mit ihm teilen. Dieses nicht immer spannungsfreie Verhältnis sorgt für Verdruss – und trifft zumeist diejenigen, die mit Kindern und Jugendlichen an der Basis arbeiten. In Ramstein und überall dort, wo Jugendarbeit aktiv betrieben wird. Doch Ralf Hechler hat in solchen Momenten nur seine Kids im Auge: „So leicht lasse ich mich nicht ärgern, ich kann mich schließlich wehren.“