Kaiserslautern Sound der 60er und 70er
Es lebe die Nostalgie! Eine exklusive Acoustic Night mit den drei namhaften Musikern Peter Howarth (The Hollies), Mick Wilson (10cc) und Pete Lincoln (The Sweet) – zusammen sind sie Frontm3n – bot das Congress Center Ramstein am Dienstagabend. Drei Stimmen, drei Gitarren, sonst nichts. Ein Hautnah-Erlebnis und Unplugged-Konzert der besonderen Art. 150 Fans schwelgten in Erinnerungen.
Vor 21 Jahren lernten sich die drei Ausnahmemusiker bei ihrer ersten Zusammenarbeit als Sänger und Gitarristen der Band von Cliff Richard kennen, bevor jeder Einzelne eine bemerkenswerte Karriere startete. Als Lead-Sänger ihrer jetzigen Bands, den Hollies (Peter Howarth), 10cc (Mick Wilson) und The Sweet (Pete Lincoln) sind sie immer noch auf der ganzen Welt unterwegs. Sie arbeiteten schon mit Künstlern wie Lionel Ritchie, Kylie Minogue, Gary Barlow, Cher und Tina Turner zusammen und stehen nun nach 21 Jahren wieder gemeinsam für besondere Konzerte auf der Bühne. Die Fans in Ramstein begeisterten sich an Hits von den Hollies (Bus Stop, He Ain`t Heavy, He’s My Brother, The Air That I Breathe, Long Cool Woman), von Sweet (CoCo, Papa Joe, Love is Like Oxygen, Fox On The Run, Ballroom Blitz), von 10cc (Things We Do For Love, Rubber Bullets, I`m Not In Love, Dreadlock Holiday) sowie an Songs von Cliff Richard (Carrie) und Sailor (Glass Of Champagne). Aber auch die eigenen Songs der drei Musiker konnten neben den Evergreens durchaus bestehen. Die Drei gemeinsam auf der Bühne, das war Spielfreude pur. Eben ein Hautnah-Konzert mit Hits, die wohl fast jeder kennt und die hier neu und auf frische akustische Art und Weise interpretiert wurden – jeder Song mit seiner eigenen Geschichte. Das Trio setzte auf leichten Pop-Rock-Sound und auf einen von den Everly Brothers beeinflussten, geschmeidigen, dreistimmigen Harmoniegesang, der schon zum Markenzeichen von The Hollies und The Sweet wurde: meist in parallelen Terzen, also gleichzeitig gespielter und gesungener Close Harmony, woran sich beispielsweise die Beatles orientierten (im Gegensatz zu Open Harmony). Gitarristisch setzte das Trio auf eine akzentuierte, rhythmische Akkord-Spielweise. Lediglich Pete Lincoln trat gelegentlich mit solistischer Single-Note-Spielweise hervor und bestach dabei als virtuoser Fingerpicker. Aber auch gesangliche, wohltönende, runde Linien wusste er hervorzuzaubern. Das ergab einen orchestralen Sound, der beim Publikum bestens ankam. Extrem satt klang er, wenn Mick Wilson, wie bei dem eigenen Song „All For One“ oder dem King & Country-Song „Priceless“, zur Bassgitarre griff und mit nachtwandlerischer Sicherheit die Fähigkeit zeigte, sein Instrument wie einen Kontrabass klingen zu lassen. Er kultivierte das Gravitätische mit einer abgrundtief dunklen Resonanz im Ton und einer Erdhaftigkeit im Timbre. Die leidenschaftlich vorgetragene nasale Vokalharmonie versetzte den ein oder anderen Fan schon mal ins Träumen – in Erinnerung an die Zeit der ersten Liebe. Zumal besonders Mick Wilson seine flexible Stimme vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum opernhaften Rock-Crescendo hinaufschraubte. Immer wieder forderten die Musiker das Publikum auf, den Refrain mitzusingen, und so stieg das Stimmungsbarometer bereits bei den anfänglichen Songs „CoCo“ und „Papa Joe“ ganz schön hoch. Mit der Zeit aber kam es dem Zuhörer vor, als klinge jeder Song ähnlich, jeder Takt, jeder Gitarrenschlag gleich. Die meisten Titel entsprachen der naiven Fröhlichkeit der 60er und 70er Jahre und mangelten jeglicher Kreativität. Bubblegum-Getöse gewissermaßen und Coca-Cola für die Ohren. Die Fans waren begeistert und erhielten drei Zugaben.