Kaiserslautern
Sommergespräch: Opel-Händler Peter Hübner über E-Autos, Lieferengpässe und die Sellaronda
„Am Anfang der Corona-Krise hat uns die Kurzarbeit geholfen, als wir die Verkaufsräume schließen mussten“, erzählt er. Die Werkstätten seien zum Glück durchgehend offen gewesen. Wobei sich Homeoffice und der Wegfall von Geschäftsreisen bemerkbar gemacht hätten. „Es gab viel weniger Unfälle und dadurch auch viel weniger Karosseriereparaturen.“ Der Umsatz sei um 30 bis 40 Prozent eingebrochen, im Verkauf sogar zwischendurch um die Hälfte. „Am Ende sind wir aber mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt der Kaufmann, der mit einer Medizinerin verheiratet ist und deshalb recht optimistisch ist, dass die vierte Welle nicht mehr zu großen Einschränkungen führen wird. „90 Prozent unserer Belegschaft sind durchgeimpft“, betont Hübner, der jedem Mitarbeiter ein Impfangebot im Betrieb gemacht hat.
Von der Halbleiterknappheit betroffen
Über mangelnde Nachfrage kann sich Hübner gerade nicht beklagen. „Die Leute wollen mehr Autos kaufen, als wir Wagen im Angebot haben.“ Bei einzelnen Modellen gebe es Lieferzeiten von neun Monaten. Die Branche sei von der Halbleiterknappheit für die Chipproduktion betroffen, wobei es bei Opel noch besser aussehe als bei anderen Marken. Nicht feststellen kann er, dass die Diskussion über den Klimawandel die Menschen über die Notwendigkeit eines Zweitwagens nachdenken lässt. „Was wir aber merken ist, dass zunehmend Elektroautos für den Stadtverkehr verlangt werden, vor allem Corsa-e und Mokka-e. Sie machen mittlerweile 20 Prozent bei den Bestellungen aus, Hybridfahrzeuge kommen beim Absatz auf fünf Prozent.“ Auch Unternehmen stellten ihre Fuhrparks um. Der Betriebswirt erzählt, dass auch bei Hübner Energiesparen angesagt ist. „Wir haben eine 100-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach und produzieren mittlerweile 80 Prozent unseres Strombedarfs selbst.“ Ein Problem sei der Gebrauchtwagenmarkt. „Wir nehmen gerade zu wenig Ware in Zahlung.“ Allerdings glaubt Hübner, dass sich die Lage bis Ende des Jahres etwas entspannen wird.
„Die Marke Opel funktioniert immer besser“
Dass Opel jetzt zum Autogiganten Stellantis gehört, treibt ihm nicht die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir gehen davon aus, dass sich für uns nichts ändert“, sagt Hübner, der sich im Vorstand des Opel-Händlerverbandes engagiert. Die Marke Opel funktioniere gerade immer besser, habe trotz Corona ihren Marktanteil steigern können. „Wir verkaufen im Jahr 600 Neuwagen und 400 Gebrauchtwagen.“ Der Marktanteil von Opel liege aktuell bei 6,1 Prozent. Damit gehe es Opel besser als vielen anderen Marken, die durch die Halbleiterkrise Marktanteile verloren haben.
Hilfe für das Hochwassergebiet
Gerade hat Hübner kostenlos 14 Leihfahrzeuge ins Hochwasserkrisengebiet an der Ahr abgegeben. Für ein paar Wochen. Er reagiere damit auf einen Hilferuf des Technischen Hilfswerks vor Ort. „Viele Ehrenamtliche haben in den Fluten ihre Privatautos verloren. Wir wollen dazu beitragen, sie wenigstens mobil zu halten.“
„Die Autos werden in den nächsten Jahren kleiner werden, da findet ein Umdenken statt“, prophezeit der Autohändler. Das entspreche zwar nicht dem Kundenwunsch, aber die Politik mache Druck wegen des zu hohen Energieverbrauchs. „Die Mobilität muss auch zur CO2-Neutralität beitragen“, hat er durchaus Verständnis. Im Alltag ist er mit einem kleinen E-Auto unterwegs.
Privat ist Hübner aktuell häufig auf einer Baustelle anzutreffen. „Meine Frau baut mit ihrem Bruder in der Bruchstraße ein Mietobjekt mit 14 Einheiten. Da bin ich ziemlich eingebunden“, sagt er. Doch jetzt steht erstmal Urlaub an. „Wir wollen mit unseren beiden Töchtern nach Südtirol.“ Mit Ehefrau Daniela habe er sich vorgenommen, die Sellaronda mit dem Rennrad zu fahren, eine der schönsten Touren in den Dolomiten. „Die 1600 Höhenmeter werden hart.“