Kaiserslautern
Soiree überzeugt mit Nischenprogramm
Die programmatische Konzeption der musikalisch-literarischen Soireen im Zinkmuseum basiert auf der Idee, Lücken im städtischen Kulturangebot zu schließen: In der Fruchthalle präsentieren die Kammerkonzerte Standard- und Meisterwerke auf höchstem Niveau, im Zinkmuseum runden Nischenprogramme das Ganze zu einem klingenden Kompendium der Stile, Gattungen und Genres ab. Diesmal wurden Raritäten osteuropäischer Provenienz dem zahlreich erschienenen Publikum dargeboten.
Die Musikgeschichte verwendet vernichtend für unbekanntere Musikwerke und deren Komponisten den Begriff „Kleinmeister“. Welch interessante Schätze sich dahinter verbergen können, beweist etwa der Klavierzyklus von Cesk Zadeja. Er gilt als „Vater der albanischen Musik“ und griff im 20. Jahrhundert spätromantische Traditionslinien auf, um sie mit erweiterter Tonalität und eruptiver rhythmischer Kraft zu bereichern. Die albanische Pianistin Dhurata Lazo interpretierte den Zyklus sehr lebendig, mit packendem gestalterischem Zugriff, der alle Kontraste und Besonderheiten nachhaltig vermittelte. Im Stil von Arabesque und Burlesque zeigten die Miniaturen auch französische Stileinflüsse.
Einfühlsam und beseelt
Auch der zweite albanische Komponist, Tonin Harapi, studierte in Moskau und scheint mehr von Charakterstücken wie jenen von Tschaikowsky oder Schumann sowie Mendelssohn-Bartholdy inspiriert. Seine Romanze ließ entsprechende Assoziationen an die „Lieder ohne Worte“ Mendelssohns aufkommen und zeigte die Spielkultur der Pianistin von ihrer einfühlsamen und beseelten Seite.
Überzeugte auch noch das „Finale“ dieses Themenblocks mit albanischer Musik (Vasil Toles’ Variationszyklus) durch die Präzision bis ins kleinste motivische Detail, so endete hier auch vorläufig der ungeteilte Zuspruch: Mit Chopins Scherzo Nr.2 schlichen sich kleinste Ungenauigkeiten und Bruchstellen im sonst organisch fließenden Ablauf ein. Der Vortrag wirkte nicht locker, eher angespannt und versuchte anstelle von geschmeidiger Geläufigkeit um jeden Preis markante und kraftvolle Akzente in übertriebener Dynamik zu setzen. Dazu eher hektisch und in drängender Unruhe stellte sich nicht immer der gewünschte Effekt ein.
Zeitlose Sorgen
Wie verwandelt war Lazo aber als Duopartnerin nach der Pause: Zusammen mit der Geigerin Irina Sojnikowa erschloss sie den Reiz der vorgestellten Gattung aus Violine und Klavier in vielen löblichen Nuancen. Rücksichtsvoll, einfühlsam, klanglich dezent und zurückhaltend gelangen der Pianistin hier wunderbare Momente musikalischer Inspiration. Besonders gelungen: Die Violinsonate in A-Dur von César Franck wurde genau in der kompositorischen Aussage bei lyrischen Kantilenen und leidenschaftlichen Ausbrüchen gut getroffen und in nahtloser, harmonischer Übereinstimmung der beiden Interpretinnen im Konsens aller Stil- und Klangfragen gemeistert. Die Geigerin kultivierte einen eher hell strahlenden Ton, der brillant und markant wirkte und hier zur wirkungsvollen Geltung kam. Diese feinfühlige „Ader“ im Aufspüren von thematischer Substanz bestätigte sich auch bei einem Charakterstück von Tschaikowsky.
Ins Berlin der Weimarer Republik führte die Rezitatorin Shakti Paqué mit ihrer Lyrik von Mascha Kaléko: Es ist eine Poesie der Ironie, ein fiktiver Erzähler wird zum Kommentator der 20er und 30er Jahre und die dargestellten Alltagssorgen und Sehnsüchte, Ängste sowie Nöte haben in diesen Tagen eine ungebrochene, ja verstärkte Aktualität. Zumal Gedichte wie „Der nächste Morgen“ das zeitlose Problem der zunehmenden Entfremdung in Beziehungen aufzeigten. Andererseits wurden auch Sehnsüchte nach dem Partner thematisiert wie etwa in der Ode „Weil Du nicht da bist“.
Die Lektorin Paqué ist bekannt für Lieder- und Chansonabende. Hier konnte sie sehr anschaulich die Gefühlszustände und lyrischen Stimmungsbilder durch einen stringent deklamierten Vortragsstil treffend zum Ausdruck bringen.