Kaiserslautern
Singer-Songwriter Robert Carl Blank im Salon Schmitt:
Und es ist dennoch nicht ganz richtig. Denn der Singer-Songwriter ist viel mehr als nur eine Kombination aus Stimme und Instrument. Am Samstagabend zeigte er im kleinen Salon Schmitt, was er an Großem zu bieten hat.
Der Künstler Blank ist, natürlich, ein Produkt seines Lebens. Und das hat der im Hessischen geborene Wahl-Hanseat bisher reichlich angefüllt mit Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen. Möglicherweise inspiriert vom weiten Meer vor seinem Wohnort hat er schon so einiges von der Welt gesehen, hat sie abenteuerlustig und mit dem Drang nach Neuem mit Gitarre und Fallschirm (ja, damit kann er auch umgehen) im Gepäck erkundet.
Wahl-Hanseat aus Hessen
Die vielen Eindrücke blieben, ebenso natürlich, nicht ohne Wirkung auf die musikalische Produktion. Was er auf Reisen (und vielfach auch schon zu Hause) erlebte, findet sich oft in seinen Songs und Alben wieder, anfangs kosmopolitisch auf Englisch, seit seinem neuestem, erst einen Tag vor dem Kaiserslauterer Auftritt erschienenen komplett deutschsprachigen Album „Ungefähr genau hier“ auch in seiner Muttersprache. Mehrere eigene Produktionen und etliche Kooperationen mit unterstützten Bands zeugen nun schon seit Jahrzehnten von der Agilität und der Qualität des Künstlers.
Apropos „Unterstützung“ und „Qualität“: Blank trat schon als Supporter von Weltstars wie Elton John und Whitney Houston auf. In dieser Liga lässt man selbst im Vorprogramm nicht jeden einfach so auf die Bühne. Ein starker Hinweis auf die Fähigkeiten des Künstlers.
Spiel mit Kraft und Emotion
So durfte man im Salon Schmitt, wo Blank nicht zum ersten Mal auftrat, erneut so einiges erwarten – und wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Er schien an diesem Abend selbst vor dem diesmal nicht ganz so großen Publikum (hier hat das sommerliche Wetter wohl eine Rolle gespielt) besonders intensiv zu agieren. Er spielte und sang mit Kraft und Emotion vor allem die Lieder aus seinem neuesten Album, in dem sich eben sein bisheriges Leben, seine unter die Haut gehenden Gedanken und seine ins Gemüt zielenden Gefühle auf der vornehmlichen musikalischen Basis von Folk und Blues stark widerspiegelte.
Es sind Lieder eines Poeten mit Lebenserfahrung, Songs über Ur-Themen der Kunst: über Sehnsüchte und Hoffnungen, über die Gegensätzlichkeiten der Existenz („Die Zeichen werden lauter“), nicht zuletzt über Veränderungen im Leben (wie im aktuellen Album-Titellied „ungefähr genau hier“, in dem es um die oft von Blank empfundene Verlorenheit in einer neuen Umgebung geht).
Andächtiges Publikum applaudiert
Bei aller Ernsthaftigkeit blitzt (auch, nebenbei bemerkt, in den Ansagen zwischendrin) oft auch Hoffnungsvolles, Positivistisches auf. Im Titel „Der Seemann“ – zu dem es auch übrigens ein ansprechendes Video auf YouTube gibt – heißt es zum Beispiel: „Und manchmal denkst du, du kannst es nicht ändern; alles dreht sich, nichts kommt dabei raus“ – aber letztendlich funktioniert es dann eben doch, ist man nur gefangen gewesen vom oberflächlichen Eindruck. Das alles wirkte ständig und intensiv, das ließ das Publikum im Salon Schmitt bei jedem Song fast andächtig zuhören und jedes Mal danach reichlich Applaus spenden.
Aber das ist noch mehr, was den besonderen Musiker Robert Carl Blank ausmacht. Er thematisiert anspruchsvoll nicht nur bekannte Sujets wie die Vergänglichkeit des Lebens und schöne Zeiten, die man festhalten möchte. Der Künstler singt auch – wer macht das sonst noch in dieser Form – mit Anspruch etwa über die Eheprobleme eines guten Freundes („Vom großen Glück“) und über Menschen mit Autismus („Bis zehn“). Diese Bandbreite und Tiefe beeindruckte ebenso wie die transportierende Sprache Blanks, die mit Kreationen wie „Puppenhausgefühl“ und Bildern wie „Ein Aschenbecher voll mit grandiosen Ideen“ beim aktuellen Zuhören mit Leichtigkeit ganze Szenarien vor dem inneren Auge zu kreieren imstande war.
Die Zeit verfliegt
So vergingen die beiden Sets im Salon Schmitt wie im Fluge. Das Publikum forderte und bekam noch eine ordentliche Zugabe, während der es der aufkommenden Aufbruchstimmung wegen schon ein wenig unruhig wurde. Robert Carl Blank erbat freundlich die für die Wirkung des Stücks nötige Aufmerksamkeit – die er dann auch gerne bekam. Ein ungewöhnlicher Augenblick, der über das rein künstlerische Ambiente hinaus von verdientem gegenseitigem Respekt zeugte.
Ein Mann und seine Gitarre? Nein, da war an diesem Abend im Salon Schmitt deutlich mehr als nur das ...