Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Sinfonieorchester des Landkreises Lautern mit Neujahrskonzert

Klangschön: Sinfonieorchester des Landkreises unter Alexander Mayer.
Klangschön: Sinfonieorchester des Landkreises unter Alexander Mayer.

Ein außerordentliches Neujahrskonzert erlebten die 350 Besucher am Sonntag im Ramsteiner Congress Center mit dem bestens aufgelegten Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern (SOKL) unter Leitung von Alexander Mayer. Im Programm standen die üblichen Verdächtigen, jedoch mit selten gehörten Werken. Furore machte das SOKL allerdings mit zwei Knallern, die so gut wie nie auf der Liste der Neujahrskonzerte stehen.

Wien ist eine aufregende Stadt. „Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien“ von Franz von Suppé allerdings soll nach den Worten von Alexander Mayer ein langweiliges Opus gewesen sein und sei nur drei Mal gespielt worden. Die Berühmtheit der Ouvertüre dauert jedoch bis heute an. Einem einleitenden Maestoso folgen kontrastierende Abschnitte, die sich zu einem brillanten Schluss steigern. Alexander Mayer fördert und fordert. Unter Hochspannung entstehen Extreme, das Orchester überzeugt durch klangschönes Spiel und steigert sich zum Finale hin zu einem mitreißenden Furioso.

Den berühmten Walzer „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauß (Sohn) eröffnet das Orchester mit nahezu hauchzartem Piano, steigert sich allmählich und nimmt schließlich mächtige Gestalt an. Fast möchte man bei dem Walzer mittanzen, so schwungvoll kommt er daher. Herrliche Flötentriller bringen Farbe ins Spiel. Und Wärme strahlt er zusätzlich aus. Doch dann verschärft Mayer das Tempo und holt aus dem kleinen Orchester Dinge heraus, von denen man nicht zu träumen wagt. Brillant klingt das Blech, aufwühlend die Streicher und in der Gesamtanlage wechselt Mayer mühelos von filigranen, kammermusikalischen Klängen hin zum tosenden Tutti, wobei jeder einzelne Ton betont wird.

Von Hexen und Gespenstern

Mit der Polka „Im Krapfenwaldl“ von Johann Strauß (Sohn) lädt das SOKL zum Spaziergang zu einem bekannten Gasthaus im Wienerwald ein. In der Musik, die die Kulisse des Wienerwaldes beschreibt, schmücken Vogelpfeifen die Polka. Besonders in der Coda trillern und jubilieren verschiedene Vögel, bevor der beschwingte Rundtanz im lebhaften Zweivierteltakt einen fulminanten Abschluss nimmt. Mayer schaltet kurz vorm Finale noch eine Pause ein, um dann nach einem gemächlichen Anlauf kontrastreich und energisch zuzupacken. Das ganze Orchester lässt dabei viel Feinarbeit und große Stilsicherheit erkennen.

Wenn ein solcher Spaziergang durch den Wienerwald im Dunkeln geschieht, kann es nach der Aussage des Dirigenten und Moderators gruselig werden. So auch bei dem Walzer „In lauschiger Nacht“ von Carl Michael Ziehrer, in dem angeblich furchterregende Hexen und Gespenster vorkommen. Das Stück beginnt aber mit einem Marsch, bevor er sich zu einem zaghaften Walzer entwickelt. Dann aber fühlt sich Mayer in seinem Element. Seine weit ausholenden Arme schwingen und schweben vor Walzerseligkeit. Scharfe Akzente lassen jedoch nichts Gutes ahnen. Aus dem Pianissimo heraus kommen urplötzliche Explosionen. Die Übergänge sind undeutlich und unscharf. Das Schlagwerk ist zu laut und übertönt die Streicher und Holzinstrumente. In der Wiederholung aber ist alles wieder bestens, und gegen Ende wird das Orchester immer kraftvoller, akzentuierter. Und die bösen Geister? Die traten im Finale tatsächlich auf: in Gestalt der Schlagwerker – aber als gute Geister.

Akzente wie Peitschenhiebe

Das SOKL hat es an diesem Abend mit Gespenstern und bösen Geistern. In dem Stück „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ beschreibt Modest Mussorgski (Bearbeitung von Rimski-Korsakow) den Tanz der Hexen in der Johannisnacht, eine schaurig-stürmische Orchester-Fantasie, die weniger durch äußere Mittel als durch den inneren Ausdruck wirkt. Die Programm-Dichtung beginnt mit dem „Unterirdischen Lärm von Geisterstimmen“. Es folgen das „Erscheinen der Geister der Finsternis“ und die „Huldigung vor dem Teufel und der Höllenmesse“. Da dröhnen die Posaunen, quirlen die Holzbläser. Akzente kommen wie Peitschenhiebe. Urplötzlich erklingt das Orchester ganz leise, und die musikalischen Farben wechseln am laufenden Band. Herrlich poetisch klingt diese Phase. Mit dem ausgelassenen Wirbel des Hexensabbats läutet von fern die Glocke einer Dorfkirche, die Geister der Finsternis verscheuchend.

Nach so vielen (musikalischen) Gespenstern muss wieder etwas Aufheiterndes erklingen. Jetzt darf das begeisterte Publikum von „Tausend und eine Nacht“ von Johann Strauß (Sohn) träumen. Meisterlich trumpft das SOKL zum Schluss mit der Ballettmusik „Estancia“ von Alberto Ginastera (1916 – 1983) auf, woraus der Dirigent sich auf die beiden Bilder „Los peones de hacienda“ und „Danza final“ beschränkt. Die Ovationen der Begeisterung wollen kein Ende nehmen und münden in zwei mitreißenden Zugaben, die die Zuhörer rhythmisch durch Klatschen begleiten.

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