Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Silvia Rudolf im Waldschlösschen: Kreisen um die Linie

Silvia Rudolf aus Kaiserslautern, hier beim typischen Freihandzeichnen in Schwarz-weiß des Arbeitstitels „Häute“, Graphit auf Pa
Silvia Rudolf aus Kaiserslautern, hier beim typischen Freihandzeichnen in Schwarz-weiß des Arbeitstitels »Häute«, Graphit auf Papier.

September heißt Herbstbeginn und schlägt mit malerischer Farbigkeit der Natur eine Brücke zur Bildenden Kunst, die traditionell ihre Ateliers öffnet.

An den Wochenenden 20./21. und 27./28. September läuft wieder die Aktion „Offene Ateliers“, in der Mitglieder des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Einblick in ihre aktuelle Arbeit geben. Auch Künstler der Lauterer Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) sind wieder mit dabei. Vorab haben wir Silvia Rudolf im Lauterer Waldschlösschen schon einmal über die Schulter geschaut.

Jeder kennt Silvia Rudolf. Jeder, der Aktionen und Projekte der Künstlerwerkgemeinschaft erlebt. Denn sie ist der „Gute Geist der KWG“ (O-Ton des Vorsitzenden Reiner Mährleins), der (fast) alles machbar macht, Bescheid weiß und weiterhilft. Doch Silvia Rudolf ist mehr und vor allem Künstlerin, Mitglied der KWG und dadurch auch Inhaberin einer der Atelierflächen im Waldschlösschen.

Ihre Kunst ist das Zeichnen, insbesondere das Freihandzeichnen. Eines ihrer Themen die Linie, insbesondere mit Augenmerk auf offene und geschlossene Flächen. Auffallend in ihrem Geviert sind eiserne Gestelle wie Rahmen, in denen übermannshohe Papiere hängen. Übersät mit gezeichneten Linien. Mal wie nackte Striche, mal wie kreisende Knäuel, mal monochrom schwarz-weiß, mal kombiniert mit Farbe.

Abstrahierte Elemente

Die Eigenart des zweiten Themas „Sonnentaler und Schaffenflecken“ kreiert technisch und stilistisch die Abstraktion von Elementen und damit interessante Strukturen. Oft mit erweiternden Ebenen hin zum dritten Thema: „Mich beschäftigt sehr von der Zwei- in die Dreidimensionalität zu kommen, die nötige Durchlässigkeit in doppeldeutiger Spannung darzustellen“, gibt die studierte Innenarchitektin preis. Und das bereits nur gezeichnet, gedruckt, gemalt, montiert, collagiert auf Papier. Oder im aufgeschlagenen Skizzenbuch zu Studienzwecken – es wird gerade eine eigenständige Reihe im Œuvre Rudolfs. Alternativ auch Motive en miniature in Archivkästen. Zwischendrin Stand- und Wandobjekte in 3-D. Darunter so manches, das nach Ausstellungen zurückkehrte. Das heißt, diese Werke sind Besuchern bereits vertraut und werden neu in veränderter Kulisse erlebt.

Beispielsweise das grüne Flechtwerk aus Verpackungsbändern. Die rund zwei Meter hohe Form erinnert an einen Zuckerhut und stand im Mai diesen Jahres als „Luftige Behausung“ in der Fruchthalle. Es ist ein perfektes Linienthema, um einen Raum zu erbauen. Wer sich umschaut im Rudolf’schen Reich – am Eingang gleich rechts, ganz hinten bei den letzten Fenstern, sieht dann auch sie mittendrin vor papiernem Großformat und strichelt konzentriert kurze Strecken nebeneinander zu Flächen, belässt Ovale, Ellipsen und Kreise leer. Präzise wie schabloniert. Es scheint, als ob ihre Welt gerade am Papierbeschnitt enden würde, als ob Zeit und Raum auf zweidimensionalem Material existiere bis das Schattieren Ebenen optischer Tiefen vortäuscht. So intensiv durchlebt Rudolf den Wachstumsprozess von „Häute“ (Arbeitstitel). Seit 15 Jahren etwa experimentiert die gebürtige Heidelbergerin mit Papierobjekten. Und hinterfragt beim Erarbeiten: Was steckt in der Linie? Wie schafft es eine Linie räumlich zu werden? Wie verhaftet ist ein Linie in Flächen? Die Künstlerin schwärmt regelrecht: „Die Linie hat etwas Bestechendes, ist gradlinig wie ein ferner Horizont und kreiselnd wie ein Kokon.“ Oder Netze, Raster, Flechtwerke, Gedankenspiele und so unglaublich viel mehr.

Termin

Die Offenen Ateliers im Waldschlösschen öffnen jeweils von 14 bis 19 Uhr an den beiden Wochenenden. Weitere Details gibt es hier.

x