Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Sickingenstadt als Schauplatz einer breiten Familien-Saga

„Lass uns bald wieder Optimisten werden“: der in Landstuhl geborene Autor Harald A. Mangasser.
»Lass uns bald wieder Optimisten werden«: der in Landstuhl geborene Autor Harald A. Mangasser.

Wenn ein Globetrotter unter die Romanautoren geht, kann dabei nur ein episches Werk mit exotischen Schauplätzen herauskommen. Stammt der schreibende Weltenbummler aus Landstuhl, wird das Westpfälzer Mittelzentrum zum Handlungsort einer Familiensaga vor internationalem Hintergrund. Der in der Sickingenstadt geborene Schriftsteller Horst A. Mangasser verhilft der Bruch-Gemeinde jetzt zu literarischen Weihen.

Mangasser ist ein Weltreisender mit vielen Talenten, der erst spät sein Faible fürs erzählende Schreiben entdeckt hat. Dabei böte seine Lebensgeschichte genug Stoff für einen schillernden Roman. „Ich bin gebürtiger Landstuhler und habe immer noch einen starken Bezug zur alten Heimat“, sagt der Autor.

Er kam vor 80 Jahren in Landstuhl zur Welt. Der Vater war Dachdecker und ein so erfolgreicher Laufsportler, dass er den Beinamen „Nurmi der Pfalz“ erhielt. Doch der Nimbus verflog rasch, nachdem er schwerstversehrt aus dem Krieg zurückgekehrt war. Der Sohn schloss sich derweil den Landstuhler Laienspielern an, begann ein Gesangsstudium in München und absolvierte dann eine journalistische Ausbildung beim „Merkur“.

Überzeugter Weltbürger

Schließlich wechselte er in die Werbebranche, schrieb Reklame- und PR-Texte. „Meine Agentur machte damals den Wahlkampf für Franz Josef Strauß“, erinnert sich Mangasser. „Und zur gleichen Zeit war ich Pressesprecher des Münchner SPD-Unterbezirks.“ Er war klug genug, sich für die Dauer des Wahlkampfs beurlauben zu lassen.

Nach einem langen Arbeitsleben gab der Pfälzer in Bayern „irgendwann meinem ausgeprägten ethnologischen Interesse“ nach. Als die Kinder an die Uni wechselten, brach er gemeinsam mit seiner Frau die Zelte in Deutschland ab. Viereinhalb Jahre lebten die Mangassers im Südpazifik.

„Wir waren in Polynesien, Melanesien und Mikronesien“, berichtet der Landstuhler Weltreisende. „Wir sind viel gereist und konnten über 90 Staaten der Welt besuchen.“ Er betont, dass er sich „als überzeugter Europäer und Weltbürger“ fühlt.

Solide Recherchearbeit

Daheim im Schwäbischen hält Mangasser Vorträge, schreibt Reiseberichte und ist Dozent für Wirtschaftsgeografie. Ein großes Buch über seine Stationen ist in Arbeit. Soeben hat er seinen dritten Roman vorgelegt, dem die solide journalistische Recherchearbeit deutlich anzumerken ist.

Mangasser erzählt in seinem 490-Seiten-Werk „Der Mantel des Anderen“ eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Die breit angelegte Sippen-Saga beginnt mit einem Offizier der DDR-Volksarmee, der sich in den Westen absetzt. Über seine Frau und die Zwillingssöhne ergießt sich der geballte Zorn des Regimes und dessen Geheimdiensts: Die Mutter kommt in Stasi-Haft, die Kinder werden der Zwangsadoption zugeführt und bekommen neue Identitäten.

Die wechselnden Namen der zahlreichen Figuren setzen Aufmerksamkeit bei der Lektüre voraus. Auch sollten die Leser(innen) ein wenig über die Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland Bescheid wissen.

Wer dennoch bei der Stange bleibt, erlebt eine deutsch-deutsche Mischung aus „Krieg und Frieden“ und „Vom Winde verweht“, die durchaus fesselt. „In den spannenden Handlungssträngen spielen Länder wie Kuba, die USA, Afghanistan und Griechenland wesentliche Rollen“, wirbt der Verlag. Lange nach der Wiedervereinigung finden die vom Schicksal zerstreuten Protagonisten zusammen.

Air Base und Hospital

Einer der Zwillinge lernt am Strand des Mittelmeers eine US-Soldatin kennen, die nach ihrer im Afghanistankrieg erlittenen Verwundung zur Ramstein Air Base gebracht und im Landstuhler US-Hospital behandelt wird. Die Bedeutung der westpfälzischen Militärbasis wird im Roman immer wieder angesprochen - und ebenso kritisch hinterfragt wie die berüchtigten Zwangsadoptionen in der DDR.

Mangasser bleibt seinem Anspruch auf Authentizität auch in der Fiktion treu. Sein erster Roman „Weiße Adler“ spielt vor dem Hintergrund des Balkankriegs, in „Roter Mais“ thematisiert der Hobby-Imker technologische Einflussnahmen auf Umwelt und Natur.

Die Folgen einer Pandemie aufs Alltagsleben werden im „Mantel des Anderen“ nicht angesprochen. Aber viele Sätze, mit denen sich die Romanhelden Mut machen, lassen sich auf die aktuellen Zeitläufte übertragen. Zum Beispiel der hoffnungsvolle Appell der inhaftierten Mutter: „Lass uns bald wieder Optimisten werden. Man sagt, im Laufe der Zeit rutscht das Negative ins Unterbewusstsein und das Positive bleibt im Zugriff.“

Info

Horst A. Mangasser: „Der Mantel des Anderen“. Roman. 486 Seiten. Tredition-Verlag. 16,99 Euro.
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