Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Show „Christmas Moments“ sorgt für wohlige Gänsehaut

Starke Stimme: Beatrice Reece.
Starke Stimme: Beatrice Reece.

Die festliche Weihnachtsshow „Christmas Moments“ mit Thomas Schwab und Band möchte in Ramstein längst keiner mehr missen. 750 Besucher kamen am Montagabend ins ausverkaufte Congress Center, um die mittlerweile 26. Show mit stimmgewaltigen Solistinnen und Solisten zu erleben. Kein Wunder: vereint sie doch auf besondere Weise Musik und Poesie miteinander.

Die Weihnachtsrevue mit dem Trierer Ensemble um den Komponisten und Initiator Thomas Schwab hatte auch in diesem Jahr nichts an Glanz verloren und offenbarte sich als ein musikalisches Weihnachtsmärchen, bei dem sich traditionelle Weihnachtslieder, Pop, Musical, Klassik und Gospel in einer einzigartigen Live-Show trafen.

Und die Show verkündete eine Botschaft über das, was Weihnachten wirklich bedeutet. So meldete sich der Weihnachtsengel, unverwechselbar dargestellt von dem Schauspieler Stefan Konrad, schon gleich zu Beginn „zu Dienst“ und registrierte, dass die Menschen sich am liebsten Schutz in der Ferne suchten. „Aus der Ferne hört man nicht das Leid der Armen und ob Kinder Waffen tragen.“ Berührend war der Moment, als er um Frieden auf der Welt warb und Kriege verdammte. Untermauert wurde sein Appell mit einem übergroßen Videobild, das zwei Kinder zeigte: Das Mädchen trug einen Judenstern am Hals, während der Junge mit Palästinensertuch sie im Arm hielt. In diesem Moment war wohl allen klar, wie gut es alle haben könnten, wenn die Welt nicht von so vielen Despoten regiert werden würde.

Schauspieler Stefan Konrad führte durch die Show.
Schauspieler Stefan Konrad führte durch die Show.

Und schon erstürmten die sechsköpfige Band und die vier Solisten die Bühne und sangen und tanzten wie die Derwische zu dem Spiritual „Go Tell It On The Mountain“, der im Text auf die Geburt Jesu Bezug nimmt. Hier wurde aber auch schon klar, dass die Vokalisten die Songs nie zu nah am Original sangen. Sie zerlegten die Melodien oft bis zur Unkenntlichkeit, sodass man teilweise nur einzelne Melodiefetzen wiedererkannte, und sie setzten sie nach eigenem Gusto und mit viel Freude am Improvisieren wieder zusammen: Grenzüberschreitungen, die Vereinigung von Gegensätzen und die Einheit der Vielfalt waren Schwerpunkte ihrer trotz ihrer komplexen Stilmischung so leichtfüßig daherkommenden Show.

Leichtfüßig trotz Körperfülle tanzte der Musical-Star Bea Reece zu dem Gospel „Mary Did You Know?“ (mit den Zeilen: „Maria wusstest du, dass dein neugeborener Sohn eines Tages übers Wasser laufen würde?“). Mit schmiegsamer, kultivierter, sensibler Stimme begann die Sängerin diese Ballade, um sich dann mit Emphase und Pathos bis zu rauschhafter Expressivität zu steigern und alle mitriss. Ebenso eindrucksvoll interpretierte die stimmgewaltige Schweizerin das von Thomas Schwab geschriebene Lied „Der große Schnee“, das für Respekt und Toleranz warb und sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass richtete.

Keyboarder Thomas Schwab hat die Show „Christmas Moments“ initiiert, am Mikro mit dabei: Dominik Steegmüller und Emily Valerius.
Keyboarder Thomas Schwab hat die Show »Christmas Moments« initiiert, am Mikro mit dabei: Dominik Steegmüller und Emily Valerius. Gitarrist war Sören Jordan, am Bass agierte Jürgen Kochler.

Mit dem Song „Öffnest du die Tür“ (auch von Thomas Schwab) begeisterte der Mannheimer Soulsänger Dominik Steegmüller die Zuhörer. Das Lied „Hört ihr, wie die Engel singen“, das lediglich von dem Gitarristen Sören Jordan minimalistisch, aber großartig begleitet wurde, interpretierte er höchst einfühlsam, und in „Holy Night“ öffnete der Stimmakrobat ein Arsenal stimmlicher Möglichkeiten und steigerte sich schier bis in Ekstase. Rückenrieseln stellte sich ein, als er das Publikum zum Mitsingen mitnahm.

Auch Emily Valerius, bekannt aus der Castingshow „The Voice“, bestach bei Songs wie „From A Distance“ oder „Have A Talk With God“ mit Impulsivität und stimmlichen Explosionen. Der Star aber unter den Vokalkünstlern war David Moore, der von Anfang an die Weihnachtsshow begleitet. „Manchmal braucht man Trost und Unterstützung“, bekannte er, „für mich ist es mein Glaube.“ Bei Gospels wie „Praise Him“ lag seine Stimme perfekt auf dem Atem, und er verstand es, sich vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufzuschrauben.

Die Kulisse der Show war teils sakral gestaltet.
Die Kulisse der Show war teils sakral gestaltet.

John Lennons Ballade „Imagine“, die die Vision einer Gesellschaft frei von Religion, Nationalismus und Besitz beinhaltet und als die Hymne der Friedensbewegung gilt, intonierte er mit erstaunlichem Stimmenumfang, und bei dem Gospel „Amen“ standen die Zuhörer spontan von ihren Plätzen auf und sangen begeistert mit.

Bei gemeinsamen Liedern legte das Quartett alles, was an Seele und Herz und Tiefe in jedem Ton mitschwang, in einen Ausdruck, der das Publikum immer wieder vereinnahmte und mitriss. Langeweile hatte da keine Chance, zumal auch die Band um den fulminant spielenden Thomas Schwab am Flügel und den immer wieder begeisternden Saxophonisten Carlos Wagner emotionsgeladen begleitete. Am Ende gab es rauschenden Beifall im Stehen.

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