Kaiserslautern
Selbsttests an den Schulen: „Eine chaotische Situation“
Bereits am Dienstag vor einer Woche hatten Schüler der IGS Goetheschule die Gelegenheit, sich vor Unterrichtsbeginn selbst zu testen. „Wir waren in der glücklichen Lage, die Test-Kits bereits am ersten Tag nach den Osterferien geliefert zu bekommen“, berichtet Oliver Röder, stellvertretender Schulleiter. In einer Dienstbesprechung habe er dem Kollegium das Konzept vorgestellt, ebenso der Elternvertretung. „Alle Rückmeldungen waren positiv.“ Mit einer Testquote zwischen 60 und 80 Prozent könne man für den Anfang zufrieden sein.
Mit nicht geringem Aufwand sei die Zusammenstellung der Testutensilien für jeden Schüler verbunden gewesen. Da die Lerngruppen im Wechselunterricht maximal 14 Schüler groß sind und die einzelnen Bestandteile in Packungen zu 25 Stück geliefert wurden, hätten diese erst je Schüler verbrauchsgerecht sortiert werden müssen. Mit Spannung verfolge das Kollegium die Tests, um die Viruslast, die große Unbekannte, in der Schule herauszufinden. Kein Hehl macht Röder daraus, dass die Testung der Schüler zu Lasten der Unterrichtszeit gehe, die sowieso schon knapp bemessen ist.
Eine logistische Herausforderung
Dorothea Zink, Schulleiterin der Kurpfalz-Realschule plus, hat das Testmaterial am Donnerstag vergangener Woche zugestellt bekommen. „Ursprünglich hieß es, wir hätten die Osterferien, uns darauf vorzubereiten.“ Mittlerweile hat sie den örtlichen Personalrat, den Elternbeirat und die Hygienegruppe über den bevorstehenden Selbsttest der Schüler informiert. Am Montag nächster Woche sollen die Schüler unter Aufsicht ihrer Lehrer mit der Testung beginnen.
Sinnvoller wäre es, wenn die Schüler den Test vor Schulbeginn zu Hause vornehmen würden, so Zink. So gehe der Test zu Lasten der ohnehin schon gekürzten Unterrichtszeit, der als Wechselunterricht stattfindet. Apropos Testmaterial: Dazu hat die Schulleiterin erstmal Tütchen und Wäscheklammern zum Verschließen der Behältnisse besorgen müssen. Als Grund verweist sie auf das Testmaterial, dessen fünf Einzelteile in 25er-Packungen geliefert wurden. „Alles auseinander zu dividieren, das ist eine logistische Herausforderung“, so Zink. Auch hätte für jeden Schüler eine Gebrauchsanweisung erst kopiert werden müssen. Kritik übt die Schulleiterin am nicht vorhandenen Vorlauf, den Selbsttest der Schüler in der Schule sorgfältig organisieren zu können. Das Kollegium sei von der Maßnahme des Bildungsministeriums nicht gerade begeistert, zumal Lehrern noch kein Impfangebot unterbreitet wurde.
Anleitung nur in englischer Sprache verfügbar
Am vergangenen Freitag, 13 Uhr, wurde der Berufsbildende Schule II Wirtschaft und Soziales das Testmaterial zugestellt. „Sie können sich vorstellen, wie das Wochenende ausgesehen hat“, verweist Schulleiter Hans-Ulrich Froeßl auf Stunden, die er während dieser Zeit mit Kollegen der Schulleitung in der Schule zugebracht hat. Fünf Einzelteile des Tests seien im je im 25er-Pack in Kartons geliefert worden. „Eine mit großem Zeitaufwand verbundene Arbeit, das Testmaterial pro Testperson zu sortieren und in Tütchen zu verpacken.“ Auch seien die Stäbchen nicht die Richtigen gewesen und hätten umgetauscht werden müssen. Die Beschreibung des Testvorgangs habe nur in englischer Sprache vorgelegen.
Chaos habe nicht nur bei der Vorbereitung der Selbsttests geherrscht, ebenso in einem Video, das durchs Netz ging, in dem Ministerpräsidentin Malu Dreyer einem Schülertest beiwohnt und der Schüler mit einem falschen Teststäbchen operiert hat, gibt Froeßl zu bedenken. Mit hohem Aufwand sei die Dokumentation des Selbsttests von Schülern und Lehrern verbunden. An Unterrichtstagen besuchen in der Regel 1000 Schüler die BBS II. Grundsätzlich findet Froeßl die Testung gut, ist mit der Umsetzung aber sehr unzufrieden. „Eine chaotische Organisation.“ An die positive Testung eines Schülers will er gar nicht erst denken. Die Person müsse behutsam in einen Nebenraum geführt werden. Froeßl: „Wir haben Raumnot und Personalmangel. Die Vorgaben können einfach nicht umgesetzt werden.“ Wenig Verständnis hat der Schulleiter, dass Lehrer erst in der dritten Priorisierung mit dem Impfen an der Reihe sind. „Bleibt uns, das Beste daraus zu machen.“
Lehrer müssen für den richtigen Ablauf sorgen
Das sieht auch Ulrike Dittberner, Schulleiterin des Rittersberg-Gymnasium, so. Der Aufwand, 25er-Packs klassenweise zu richten sei enorm, stöhnt auch sie unter der organisatorischen Belastung. Es sei eine Zumutung, dass es für Schulen keine geeigneten Verpackungen für das Testmaterial gebe. Zusätzlich habe sie Einmal-Handschule beschaffen müssen, die Einzelteil des Testmaterials hygienegerecht zu verpacken. Zwar informiere ein Video über die Selbsttestung. Letztlich müssten die Lehrer darauf achten, dass die Testung ordnungsgemäß vollzogen werde. Sowohl aus der Lehrer- als auch aus der Elternschaft gebe es kritische Stimmen zu der Maßnahme des Bildungsministeriums. Auch gingen die Lehrer anders an die Sache heran, wenn sie wie Grundschullehrer bereits geimpft wären. Man hätte den Schulen den Aufwand ersparen können, wenn Schüler die Selbsttestung vor Schulbeginn zu Hause ermöglicht worden wäre, so die Schulleiterin.