Lautern gestern und Heute Seit 1850 findet der Wochenmarkt auf dem Stiftsplatz statt

Der Stiftsplatz hat eine wechselvolle Geschichte. Die Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1930.
Der Stiftsplatz hat eine wechselvolle Geschichte. Die Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1930.

Der Stiftsplatz ist einer der schönsten und ältesten Plätze Kaiserslauterns. Großzügig und weitläufig, belebt vom Wochenmarkt, dann wieder still und ruhig, abgeschirmt gegen die Ost-West-Achse durch die Bebauung auf der Nordseite kommt er daher.

Um mehr über die uralte Geschichte des Platzes zu erfahren, muss man in den Archiven graben: Gärten der Prämonstratenser Mönche, städtische Badstube, Versammlungsort, Bankenkulisse, Kerwetreiben, Weihnachtsmarkt, Parkplatz, Paradeplatz, Tiefgaragen, Hotels und Marktplatz. Zwischen unseren beiden Aufnahmen, vom gleichen Standort aus fotografiert, liegen 92 Jahre.

Das ältere Foto, eine Ansichtskarte, wurde 1930 aufgenommen. Die Stadt hat 1842 die tiefliegenden Stiftsgärten der Prämonstratenser aufgefüllt, die alten Hospitalgebäude und die städtische Badstube abgerissen und so ein neues Areal geschaffen, auf dem seit 1850 der Wochenmarkt abgehalten wird.

Der Stiftsplatz erhielt am 21. März 1879 seinen Namen. Dass bei der Namensfindung das ehemalige Stift eingebracht wurde, war selbstverständlich. Alle Stiftsnamen rund um den Platz gehen auf Barbarossas Stiftung des Hospitals der Heiligen Maria aus der Zeit um 1176 zurück.

Im Jahr 1909 ließ die Stadt den Stiftsplatz mit Granit aus den Albersweiler Steinbrüchen pflastern – und sie dekorierte ihn mit Platanen. Der Spittelmüller ließ auf der Nordseite des Platzes bereits 1862 neben seine Mühle ein „stattliches Wohnhaus“ bauen, steht in der Geschichte der Spittelmühle. Das von Theodor Zink gegründete Museum bezog 1935 das nicht mehr benutzte Wohnhaus. Schließlich wurde wegen neuer städtebaulicher Ideen das Gebäude baufällig geredet, und die Stadt beging ab 19. April 1951 eine ihrer Abrisssünden.

Pavillon und Milchpilz dominieren

Banken umgaben und umgeben den Stiftsplatz. Theodor Zink erwähnt die Königliche Filialbank, die Pfälzische Bank, die Rheinische Kreditbank und das Bankhaus Böcking, Karcher & Co., die heutige Deutsche Bank. Auch die Stadtsparkasse gehört zu den ältesten Institutionen am Bankenplatz. Die Idee, ein neues Rathaus auf die Südseite des Platzes zu stellen, wurde 1954 vom Rat abgelehnt. Dann erteilte die Stadt die Genehmigung, auf der Nordseite einen Reisebüro-Pavillon mit integriertem Milchpilz zu errichten und anschließend der damaligen Milchzentrale die Genehmigung, einen frei stehenden Milchpilz im Fliegenpilzlook auf die Platzecke bei der Spittelstraße zu stellen.

Karlsberg-Hotel muss Wertheim weichen

Das Karlsberg-Hotel aus dem Jahr 1875 auf der Südseite des Platzes war eine Nummer zu groß geplant – und 1890 hatte die Stadt den Komplex auf ihrem Konto. Sie nutzte das Gebäude für einige Dienststellen und verkaufte es 1960 für 3,5 Millionen Mark an den Wertheim-Konzern. Abriss und Baubeginn des Wertheim-Kaufhauses begannen unmittelbar.

Seine Mühle auf der Nordseite des Platzes hatte der Spittelmüller 1874 „wegen Unrentabilität“ aufgegeben. Wertheim auf der Südseite brachte später den gleichen Grund vor: Unrentabilität. Mit dem Komplex „Stiftsplatz 5“ kam schließlich eine neue Stiftsplatzvariante.

Nach dem Krieg kehrten die Mai-, die Oktoberkerwe und der Weihnachtsmarkt zurück. Und für einige Jahre schlich sich auf dem Platz ein Fastnachtsmarkt ein. Ab 1964 belegte der ruhende Verkehr für einige Jahre den Platz. Tankstelle und Tiefgarage waren die nächsten Intermezzi in den 1960er Jahren. Der zweite, stabilere Garagenbau sorgte in den 1980er Jahren ebenfalls für Stiftsplatzdiskussionen.

Wenn man etwas zurückblättert, entdeckt man die 1869 gescheiterte Markthallen-Idee. In den 1920er Jahren sollte das 23er Denkmal Mittelpunkt des Stiftsplatzes werden. Wieder gab es Streit, Diskussionen und dann die Ablehnung. Im Oktober 1930 stolzierte der spätere „Führer“ bei seinem Besuch in Kaiserslautern über den Platz. Stiefel hämmerten und Lautsprecher kreischten noch in den 1940er Jahren. Der Stiftsplatz vergisst nichts, auch nicht die Hungerdemonstration der Fabrikarbeiterinnen im Juli 1917.

Der Stiftsplatz heute: Es dominieren das Gebäude der Deutschen Bank und das Saks-Hotel, ein Vier-Sterne-Haus.
Der Stiftsplatz heute: Es dominieren das Gebäude der Deutschen Bank und das Saks-Hotel, ein Vier-Sterne-Haus.
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