Kaiserslautern
Seit 13 Jahren Baustelle: Wie es mit dem Viadukt in Kaiserslautern weitergeht
Ein konkretes Datum gibt es noch nicht. Doch im August, spätestens im September, soll das Viadukt in der Trippstadter Straße endlich in beide Richtungen befahrbar sein. Dann ist endgültig Schluss mit der Rekordbaustelle, die 13 Jahre währte.
Bislang können nur Fußgänger und Radfahrer die wichtige Verbindungsachse zwischen Universität und Innenstadt stadtein- und stadtauswärts passieren, Autos haben nur freie Fahrt, wenn sie aus der City kommen. Aus der anderen Richtung versperren seit Monaten rot-weiße Absperrgitter den Weg.
Dass im Oktober 2024, als die Arbeiten am Viadukt abgeschlossen waren, nicht für beide Richtungen die Verkehrsfreigabe erfolgte, hängt laut Sebastian Staab, Leiter des Referats Tiefbau bei der Stadtverwaltung, mit der Verkehrssicherheit zusammen. Die Trippstadter Straße nördlich der Bahnlinie ist nämlich noch gesperrt, dort rollen die Bagger. Deshalb hätte der komplette Verkehr über die Karcherstraße geleitet werden müssen, was den Verantwortlichen der Straßenverkehrsbehörde und der Radverkehrsbeauftragten zu gefährlich erschien, wie Staab ausführt. Die Karcherstraße sei für so viel Verkehr nicht ausgelegt. „Es ging darum, die schwächeren Verkehrsteilnehmer, etwa Kinder auf dem Schulweg, zu schützen“, erläutert der Chef des Tiefbaureferats.
Verkehrsführung in Karcherstraße nicht final geklärt
Jetzt gehen die Bauarbeiten in der Trippstadter Straße in die letzte Phase. Wenn sie abgeschlossen sind, steht einer kompletten Freigabe des Viadukts nichts mehr im Weg. Die Ampelschaltungen seien schon für den Endzustand programmiert. Unklar ist allerdings noch, so Staab, ob in Richtung Innenstadt künftig nur in die Trippstadter Straße und damit in Richtung Logenstraße abgebogen werden darf, oder ob die Autos auch geradeaus durch die Karcherstraße in Richtung Stadtpark fahren dürfen. „Dazu laufen noch Untersuchungen“, erklärt Staab. Der Fahrradverkehr soll auf jeden Fall durch den ausgebauten Teil der Trippstadter Straße rollen und dann in die Fahrradstraße in Richtung Augustastraße münden. Es kommen, das ist neu, Schutzstreifen für Radfahrer, die zum Bahndamm hin und auch auf der anderen Straßenseite auf einer Breite von jeweils 1,50 Meter markiert werden. Der Bürgersteig auf der Dammseite fällt weg. Dafür wird es einen zwei Meter breiten Gehweg und Parkplätze auf der Nordseite der Straße entlang der Häuser geben.
In dem Teilstück der Trippstadter Straße, sozusagen der finale Bauabschnitt am Viadukt, wird seit Mitte April eine Fläche von 2100 Quadratmeter als Fahrbahn ausgebaut, Gehwege müssen noch gepflastert werden, zudem werden barrierefreie Bushaltestellen angelegt. Im vergangenen Jahr wurden bereits Glasfaser-, Fernwärme-, Strom- und Gasleitungen erneuert oder neu verlegt. Auch die im Auftrag des städtischen Tiefbaureferats errichtete Gabionenwand, die den Hang des Bahndamms zur Straße hin absichert, ist fertiggestellt. Mit Spezialbaggern, die steile Böschungen hochklettern können, waren Teile des alten Damms abgetragen und zurückgebaut worden, um mehr Platz für die Straße zu schaffen. Bäume sollen noch gepflanzt werden. Knapp zwei Millionen Euro soll die gesamte Baumaßnahme kosten. Wenn der Verkehr wieder durch die Trippstadter Straße als Teil der Südtangente fließen kann, werde das die Zollamtstraße deutlich entlasten, prophezeien die Verkehrsplaner. Dadurch wird es dann auch weniger Staus am Elf-Freunde-Kreisel geben.
Viadukt sollte ursprünglich nach zwei Jahren fertig sein
Über die Eisenbahnüberführung an der Trippstadter Straße verlaufen nach Angaben der Stadtverwaltung die Bahnstrecken nach Homburg, Pirmasens und Lauterecken. Im Rahmen einer Sonderbegutachtung im Jahr 2005 war dem Bauwerk ein schlechter baulicher Zustand attestiert worden, es sollte erneuert werden. Nach Jahren der Planung war schließlich im Jahr 2013 Baubeginn. Damals wurden Kosten in Höhe von 11,8 Millionen Euro angenommen, eine Bauzeit von zwei Jahren war vorgesehen. Die bauliche Umsetzung zog sich dann aber insbesondere hin, weil der ursprünglichen Baufirma durch die Deutsche Bahn und die Stadt Kaiserslautern im Jahr 2016 gekündigt wurde, wie die Stadt ausführt. Es musste laut Stadtverwaltung drei Mal neu ausgeschrieben werden, bevor der Bau am Viadukt im Sommer 2020 weitergehen konnte.
Das neue von der Bahn errichtete Überführungsbauwerk besteht heute aus zwei Teilen – aus einem dreizelligen Stahlbeton-Rahmen mit einer Weite von 21 Meter und einer Stahlbrücke mit einer Weite von 32 Meter. Rund 50 Millionen Euro hat das neue Viadukt am Ende verschlungen, an der Stadt bleiben nach Abzug von Fördermitteln und dem Anteil der Deutschen Bahn etwas mehr als zehn Millionen Euro hängen.