Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Seelos Hygieneartikel GmbH navigiert durch die Corona-Wellen

Hygieneartikel waren Anfang 2020 plötzlich extrem nachgefragt. Darauf musste die Seelos GmbH, hier Geschäftsführer Alexander See
Hygieneartikel waren Anfang 2020 plötzlich extrem nachgefragt. Darauf musste die Seelos GmbH, hier Geschäftsführer Alexander Seelos, schnell reagieren.

Nachgefragt: Die Firma Seelos Hygieneartikel hat zu Beginn der Pandemie eine Hochkonjuktur erlebt. Allerdings hatte die plötzliche Nachfrage nicht nur Vorteile. Inzwischen versucht sich die Firma so gut es geht den Corona-Wellen anzupassen.

„Ja, wir haben unsere Bestände wieder aufgestockt. Damit wir nicht die gleichen Probleme bekommen wie zu Beginn der Pandemie.“ Mit einer Handbewegung weist Alexander Seelos auf die Kartons, die sich in der schmucklosen Halle eines Spediteurs im Lauterer Stadtteil Einsiedlerhof stapeln: Masken für den Mund-Nasen-Schutz, Einmal-Handschuhe, Spender und Kanister mit flüssigen Desinfektionsmitteln. Das neue, eher unfreiwillige „Kerngeschäft“ des mittelständischen Unternehmens, das bereits in der zweiten Generation die Region vom Saarland über die Westpfalz bis ins nördliche Baden beliefert. Und das in Corona-Zeiten plötzlich in eine Art Ausnahme-Zustand geriet.

Seine beruflichen Erfahrungen aus den letzten 20 Monaten kann der geschäftsführende Inhaber der Seelos Hygieneartikel in einem Satz zusammenfassen. „Immer wenn die Politik eine neue Maßnahme gegen die Ausbreitung von Covid-19 verkündet hat, brach eine neue Welle der Nachfrage über uns rein.“ Dann standen stundenlang die Telefone nicht mehr still, bestellten plötzlich viele Kunden neuen Nachschub an Schutz- und Desinfektionsmitteln. Die Folge: Reichlich Überstunden für die sechs Mitarbeiter des Handelsunternehmens, reichlich Kilometer für die weißen Transporter mit der dezenten Aufschrift. „Und mehr als einmal mussten wir unsere Kunden vertrösten, weil wir nicht gleich alles auf einmal liefern konnten.“

Umsatz ist nicht gleich Gewinn

Eigentlich müssten sich Alexander Seelos und sein Unternehmen zu den Gewinnern der Corona-Krise zählen. Und allein vom Umsatz gesehen stimmt das auch: „Er hat sich natürlich deutlich erhöht“, räumt der gebürtige Kaiserslauterer ein, der das Geschäft im Jahr 2006 von seinem Vater übernommen hat. Aber schon beim Gewinn fällt sein Urteil wesentlich vorsichtiger aus. „Vor allem bei den Gesichtsmasken gab es in der heißen Phase ein wahnsinniges Auf und Ab bei den Preisen“, erinnert sich Seelos, „das konnte und wollte ich so nicht an meine Kunden weitergeben.“ Denn vor allem seine Abnehmer aus der Gastronomie befanden sich selbst oft genug in wirtschaftlichen Nöten, „da haben wir auch schon mal die Rechnung etwas später rausgeschickt.“

Spätestens hier wird eine unternehmerische Haltung deutlich, die den regionalen Versorger von seinen großen Konkurrenten unterscheidet. „Wir legen Wert auf vertrauensvolle und langfristige Geschäftsbeziehungen“, erläutert der gelernte Hotel-Fachmann, der erst nach einer gastronomischen Karriere in die Fußstapfen seines Vaters Hans-Peter Seelos trat. Diese Maxime ergebe sich schon aus der Struktur seiner Stammkundschaft: „Das reicht von Kindertagesstätten über mittelständische Unternehmen bis zu den Betrieben der Gastronomie und Hotellerie. Und diese Kunden sind vor allem an unserer zuverlässigen und flexiblen Dienstleistung interessiert.“

Persönliche Beratung wird wichtiger

Mehr als 200 Artikel hat der Kaiserslauterer Händler für sie im Angebot, von der flüssigen Seife über das Toilettenpapier bis zum Ameisenspray, wenn es mal nötig sein sollte. Doch immer wichtiger wird auch die persönliche Beratung in Sachen Hygiene, und das nicht erst seit Corona. „Seit Jahren führen wir auch die gesetzlich vorgeschriebenen Schulungen für das Personal in der Gastronomie durch, die einmal im Jahr stattfinden müssen“ berichtet Alexander Seelos. Und ein besonderes Anliegen sind ihm die „Händewasch-Seminare“ für seine kleinsten Kunden in den Kindertagesstätten: „Da arbeiten wir mit einer Glitzerpaste, und die Kinder können sehen, wie sich ihre Handkontakte auf die gesamte Umgebung verbreiten“, berichtet der Vater von zwei heranwachsenden Töchtern.

Denn eins ist für Alexander Seelos ziemlich sicher: Das Thema Hygiene wird auch nach dem Ende der Corona-Krise seine wachsende Bedeutung im Alltag behalten. Und dafür hat er Zahlen parat. „Früher haben sich rund 30 Prozent der Besucher im Restaurant die Hände gewaschen,“ berichtet er aus seiner Feldforschung, „inzwischen sind es mehr als die Hälfte.“ Deshalb könne seine Branche mit Zuversicht in die Zukunft schauen, und er selbst tut es auch. Aktuell sucht er nämlich nach neuen Mitarbeitern, die in das Gefüge seines Familienbetriebs passen. „Da hat sich gerade eine Frau vorgestellt, bei der ich mir das gut vorstellen kann“, freut sich der Chef. Und berichtet von einem kleinen Luxus, den er sich nach 20 Monaten Ausnahme-Zustand in diesem Sommer geleistet hat: „Eine Woche Urlaub mit der ganzen Familie in einem Ferienhaus in Norditalien, das war einsame Spitze.“

Die Serie

„In der Krise“ – unter diesem Titel berichtete die RHEINPFALZ im vergangenen Jahr über mittelständische Unternehmen in der Region, die mit der Corona-Pandemie zu kämpfen hatten. Heute fragen wir bei einigen davon nach: Wie geht es den Betrieben jetzt, sind sie inzwischen wieder auf Wachstumskurs? Und welche Spuren hat die Krise bei ihnen hinterlassen?

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