Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmvereine können nicht mehr für städtische Hallenbäder bezahlen

Für das Training im Schulzentrum Süd sollen die Vereine künftig 35 Euro pro Stunde bezahlen.
Für das Training im Schulzentrum Süd sollen die Vereine künftig 35 Euro pro Stunde bezahlen.

Wie es mit der Nutzung der städtischen Hallenbäder für die Schwimmvereine weitergeht, ist nach wie vor offen. In einer Sitzung des Sportausschusses ist am Mittwochabend keine Entscheidung gefallen. Die Verärgerung auf Seiten der Vereine ist groß.

Thilo Vollrath, Vorsitzender des Kaiserslauterer Schwimmsportklubs (KSK), machte deutlich, dass die Pandemie die Wassersportvereine unter Druck gesetzt hat. „Wir haben 300 Kinder für Schwimmkurse auf der Warteliste. Wir nehmen eine ganz wichtige Aufgabe wahr, bemühen uns zudem darum, die Kurse bezahlbar zu halten.“ Während Corona habe der Verein versucht, die Schwimmkurse nicht ganz einzustellen. „Es durften aber nur vier Kinder gleichzeitig ins Wasser, dennoch haben wir das durchgezogen, auch um unsere Trainer bei der Stange zu halten. Wir sind da Null auf Null rausgegangen“, so Vollrath. Wenn die Stadtverwaltung jetzt an ihrem Vorhaben festhalte, die Nutzungsentgelte für die Bäder ab September in der Beilsteinschule und im Schulzentrum Süd drastisch zu erhöhen, müssten für die Kurse zehn Euro mehr genommen werden. „Das würden wir gerne vermeiden.“

6500 Euro Mehrkosten

Wenn der Verein künftig für die Badnutzung im Stadtwald zehn Euro mehr pro Stunde bezahlen müsste, kämen auf den Verein 6500 Euro Mehrkosten im Jahr zu. „Die Erhöhung kommt gerade nach der Pandemie zur Unzeit“, sagte der KSK-Vorsitzende. Jeder leide unter der Inflation. „Wir würden unseren Übungsleitern, die das ehrenamtlich machen und 7 Euro die Stunde erhalten, gern mehr bezahlen. Das ist aber dann unmöglich. Wir schwimmen schon jetzt als Verein nicht im Geld, wir müssen auch in unser Vereinsheim investieren.“

Scharfe Kritik gab es seitens des Ski- und Kanuclubs: Der stellvertretende Vorsitzende Moritz Liesegang schimpfte: „Wir sind empört über die geplanten Gebührensteigerungen.“ Die Wassersportvereine bescherten der Stadt mit ihrer Arbeit einen sozialen Mehrwert. Ihm fehle das Verständnis dafür, den Vereinen Kosten aufzubürden, die eh anfallen. Auf diese Problematik hatte auch CDU-Vertreterin Ursula Düll im Ausschuss verwiesen. Sie hatte gefragt, welche Mehrkosten die Vereine effektiv verursachten, wenn sie am Nachmittag, Abend oder am Wochenende in den Schulschwimmbädern trainierten. Das Wasser sei doch eh warm und geheizt werden müsse auch. Sie hatte vorgeschlagen, eventuell von den gewerblichen Nutzern deutlich mehr zu verlangen als von Vereinen.

Stadt schiebt Problem auf Energiekrise

Udo Holzmann, Leiter des Referats Gebäudewirtschaft, hatte betont, dass vor allem wegen der Energiekrise in den Bädern hohe Kosten anfallen. „Dabei sind die Kosten viel höher als das, was wir über die Nutzungsentgelte reinholen wollen“, erläuterte er. Holzmann betonte, die Preise für Gas lägen um 200 Prozent höher als bisher, beim Strom um 120 Prozent. Deshalb sollten künftig Vereine für die Badnutzung im Schulzentrum Süd zehn Euro mehr und damit 35 Euro für die Stunde zahlen, an der Beilsteinschule soll es künftig 20 statt 15 Euro kosten. Die Stadt koste der Betrieb des Bades im Schulzentrum heute 141 Euro die Stunde, im Jahr 2016 seien es noch 44 Euro gewesen. Und da seien die Reinigungskosten noch nicht eingerechnet, so Holzmann.

Harald Lichter von der DLRG hatte kein Verständnis für die städtischen Pläne. „Wir können das so nicht hinnehmen, das ist für uns nicht machbar“, sagte er und verwies auf das soziale Engagement des Vereins. „Wir tun unser Möglichstes, um Nichtschwimmer zu Schwimmern auszubilden und später Schwimmer zu Rettungsschwimmern.“ Gerd Backhaus, Vorsitzender der Aquakids, die ebenfalls Schwimmkurse anbieten, konnte nicht nachvollziehen, dass die Schwimmvereine derart zur Kasse gebeten werden sollen, Sportvereine aber für die städtischen Hallen nichts zahlen müssen. „Das können wir nicht ändern“, erklärte Sozialdezernentin Anja Pfeiffer: Das sei im Sportstättenfördergesetz des Landes so festgeschrieben. Allerdings räumte Backhaus ein, dass sein Verein für die Badnutzung in Ramstein deutlich mehr berappen muss. „Eine moderate Preiserhöhung könnten wir stemmen“, sagt er.

„Schwimmausbildung enorm wichtig“

Das Thema stand nicht das erste Mal auf der Tagesordnung für die Stadtratsmitglieder. Vor ein paar Wochen wurde bereits im Haupt- und Finanzausschuss darüber diskutiert, damals hatte es die Stadt aber versäumt, im Vorfeld überhaupt mit den Vereinen zusprechen. Auf Initiative der Grünen waren Vereinsvertreter deshalb zu der Sitzung im Sportausschuss eingeladen worden. Eine Entscheidung fiel aber erneut nicht. Jetzt soll noch einmal in den Fraktionen beraten werden, bevor es zu einem Beschluss kommt. Und das Referat Gebäudewirtschaft muss noch einmal nacharbeiten. Michael Kunte, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte angezweifelt, dass die Energiepreise so extrem angestiegen sind. Eventuell sei die Energiepreisbremse nicht richtig eingerechnet worden. Er argumentierte zudem, nicht nur mit Blick auf die Kosten zu diskutieren. „Die Vereine erbringen eine wichtige soziale Leistung. Die Schwimmausbildung sei enorm wichtig, zumal es wegen der Pandemie lange Wartezeiten dafür gebe.

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