Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmvereine fürchten sich vor Mieterhöhungen in den Hallenbädern

Der KSK trainiert im Schulzentrum Süd.
Der KSK trainiert im Schulzentrum Süd.

Entsetzen beim Kaiserslauterer Schwimmsportklub (KSK) und bei der DLRG-Ortsgruppe Kaiserslautern: Geht es nach der Stadtverwaltung, sollen sie ab September viel mehr für die Miete in den Kaiserslauterer Lehrbädern bezahlen. Was ist passiert?

Der Plan tauchte aus heiterem Himmel auf: In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Kaiserslauterer Vereine, die das Hallenbad im Schulzentrum-Süd oder in der Beilsteinschule nutzen, künftig heftig zur Kasse gebeten werden. Statt bislang 25 Euro pro Übungsstunde sollen sie künftig zehn Euro mehr für die Badnutzung im Stadtwald bezahlen, 20 statt bislang 15 Euro für die Nutzung des Beckens am Beilstein berappen.

„Wir bringen Kindern das Schwimmen bei“

Thilo Vollrath, Vorsitzender des Kaiserslauterer Schwimmsportklubs (KSK), hält das für überzogen. „Ich weiß nicht, wo wir das Geld hernehmen sollen“, sagt er. Zudem gebe es von jeher eine gewisse Ungerechtigkeit. Denn laut Sportfördergesetz muss die Stadt den Sportvereinen ihre Hallen kostenfrei zur Verfügung stellen, Schwimmvereine müssen für die Badnutzung bezahlen. Vollrath argumentiert, dass Vereine wie der KSK oder die DLRG wichtige Aufgaben übernehmen. „Wir bringen den Kindern das Schwimmen bei. Alle jammern, dass wir zu einer Gesellschaft von Nichtschwimmern werden. Aber wer soll das machen, wenn die Vereine das nicht mehr leisten können?“

Vollrath zufolge gibt es seit Corona Wartezeiten von bis zu zwei Jahren für einen Schwimmkurs. Wenn er die Mehrkosten für die Bäder – 6500 Euro mehr im Jahr – auf die 450 Mitglieder umlegen muss, befürchtet er Austritte. „Wir sind gut durch die Pandemie gekommen, haben wenig Anhänger verloren. Das wird dann aber nicht so bleiben.“ Die Alternative wäre, die Gebühren für die Kurse zu erhöhen. „Aber dann kann sich das nicht mehr jede Familie leisten.“

Vollrath wünscht sich seitens der Stadt ein Umdenken: „Seit der Pandemie sind die Bäder in den Ferien zu. Wäre das anders, könnten wir mehr Kinder ins Wasser bringen und die Stadt könnte Einnahmen generieren.“ Zu bedenken gibt er, dass es die Schwimmvereine sind, die die Badeaufsichten für die Freibäder „großziehen“, in deren Ausbildung investieren. „Wir machen Angebote in den Sommerferien, im März starten zwölf neue Schwimmkurse, die Stadt profitiert von unserem Engagement.“

Lange Wartezeiten für Schwimmkurse

Annette Zacher, Vorsitzende der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), sieht die Sache ähnlich. „Das wäre eine Menge Geld“, wenn die Stadt ihr Vorhaben umsetzen würde. „Wir haben in der Pandemie Mitglieder verloren, müssen als Verein mehr abführen, das ist alles sehr schwierig.“ Was Zacher bitter aufstößt: „Wir haben lange Wartezeiten für Kinder-Schwimmkurse, da stehen 80 bis 90 Namen auf der Liste. Und Erwachsenen-Schwimmkurse - da haben wir eine ganz große Nachfrage von Leuten zwischen 20 und 70 – können wir gar nicht anbieten, weil uns dafür die Wasserzeiten fehlen.“ Das sei ein Teufelskreis. „Kann die DLRG ihre Angebote nicht ausweiten, weil die Badkapazitäten nicht ausreichen, fehlen Einnahmen. Und damit wird uns spätestens in ein paar Jahren die Luft ausgehen.“ Dabei brauche auch die Stadt die DLRG-Rettungsschwimmer, zumindest dann, wenn es in den Freibädern richtig voll ist.

Die Stadt kalkuliert mit Mehreinnahmen von 20.000 Euro, führt als Grund für die satten Preiserhöhungen in den Hallenbädern „stark gestiegene Betriebskosten“ vor allem aufgrund der Energiekrise an.

Vereine bislang nicht informiert

Michael Kunte, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte in der Ausschusssitzung zu bedenken gegeben, dass die Schwimmvereine „eine soziale Aufgabe“ übernehmen“ und es nicht nachzuvollziehen sei, dass nur sie, anders als andere Vereine, an den gestiegenen Energiekosten beteiligt werden sollen. Vor allem moniert er, dass bislang seitens der Stadt überhaupt nicht mit den Vereinen gesprochen wurde. Deshalb wurde das Thema am Ende vertagt.

Raymund Germany, SPD, hakte nach, wann zuletzt die Entgelte für die Hallenbäder erhöht worden sind. Das konnte von der Verwaltung niemand exakt beantworten. Udo Holzmann, Referat Gebäudewirtschaft, meinte, das sei mindestens 20 Jahre her.

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