Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schulen: Etliche Schüler wiederholen freiwillig

In diesem Jahr können sich die Schüler unkompliziert dazu entschließen, eine Klassenstufe freiwillig zu wiederholen.
In diesem Jahr können sich die Schüler unkompliziert dazu entschließen, eine Klassenstufe freiwillig zu wiederholen.

Im vergangenen Schuljahr wurden alle Schüler auf Anweisung des Landes Rheinland-Pfalz wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie in die nächste Stufe versetzt – unabhängig von ihren Leistungen. In diesem Jahr sieht es anders aus. Bleiben mehr Schüler sitzen?

„Wir merken jetzt, dass im vergangenen Jahr alle Schüler versetzt wurden, unabhängig davon, ob sie die notwendige Leistung erbracht haben oder nicht“, resümiert Ulrich Becker, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Die meisten Schüler, die bereits im vergangenen Schuljahr Probleme mit dem Stoff gehabt hätten, hätten auch in diesem Schuljahr erhebliche Schwierigkeiten gehabt. Lücken aufzuholen sei enorm schwer und vielen nicht gelungen, berichtet Becker. Etliche Schüler hätten daher das Angebot des Landes angenommen, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen. Dies sei in diesem Jahr relativ unkompliziert möglich.

Anders als das klassische Sitzenbleiben wirkt sich das freiwillige Wiederholen nicht auf die weitere Schullaufbahn aus. Sitzenbleiben sei nicht beliebig oft möglich, das freiwillige Wiederholen sei zudem weniger schambesetzt, sagt Becker. Besonders deutlich zeigten sich die Auswirkungen der automatischen Versetzung im vergangenen Jahr nun in der elften Jahrgangsstufe. Etliche Schüler, die unter normalen Umständen den Übergang in die gymnasiale Oberstufe nicht geschafft hätten, seien versetzt worden und würden in diesem Jahr freiwillig wiederholen. Bei einigen Kindern seien es auch die Eltern, die möchten, dass ihr Sprössling freiwillig wiederholt, weil sie gemerkt haben, dass Wissenslücken vorhanden sind.

Bei manchen ging gar nichts mehr

Für manche Schüler werde die Corona-Pandemie die Bildungszeiten verlängern, schildert Becker. Die Pandemie habe deutlich gezeigt, wie stark das Elternhaus am Erfolg der Kinder beteiligt sei. „Die Kinder, die vor der Pandemie gut in der Schule waren, sind auch gut durch das vergangenen Schuljahr gekommen“, hat Becker beobachtet. Bei anderen habe es nicht funktioniert. Den Eltern könne man dabei keinen Vorwurf machen, jede Familie habe andere Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, den Kinder zu helfen oder sie zu motivieren. Es habe Schüler gegeben, die einfach gar nichts mehr gemacht hätten, da sei es für die Schule sehr schwer gewesen, das aufzufangen. Die Lehrer hätten bei der Notengebung die schwierige Lernsituation berücksichtigt, dennoch habe es viele schlechte Leistungen gegeben.

An der Kurpfalzrealschule Plus seien es eher Einzelfälle, die das Schuljahr wiederholten, schildert Konrektor Ralf Netscher. Ihr Ziel sei die zehnte Klassenstufe und um diese zu erreichen, hätten sich einige Schüler dazu entschlossen, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen. Generell habe der Wechselunterricht in der vergangenen Zeit ganz gut geklappt, durch die kleineren Klassen sei der Schulalltag ruhiger gewesen und das hätte sich positiv auf das Lernen der Schüler ausgewirkt, erzählt Netscher.

Mehr Schüler wechseln Schule

Anders als sonst sei es in diesem Schuljahr so, dass es deutlich mehr Schüler gebe, die von einem Gymnasium auf die Kurpfalzschule wechselten. Im vergangenen Jahr sei dies ausgeblieben, nun werde es nachgeholt. Während in der kommenden siebten Jahrgangsstufe die Zahlen in etwa gleich zu denen aus den Vorjahren seien, seien für die kommende neunte Klassenstufe deutlich mehr Kinder angemeldet worden, als sonst.

Die Wiederholungszahlen bei den Schülern hätten sich in diesem Jahr nahezu verdoppelt, sagt Hermann Kimmel, Direktor der Bertha-von-Suttner Integrierten Gesamtschule. Es habe etliche Schüler gegeben, die in der Onlinephase des Unterrichts nicht das Engagement gezeigt hätten, das notwendig gewesen wäre. Daran hätten auch die vielen Angebote nichts geändert, die die Schule gemacht habe. Während einige Schüler freiwillig wiederholen, weil sie das Klassenziel nicht erreichen würden, wiederholen andere Kinder mit dem Ziel freiwillig, später den Übergang in die elfte Klasse zu schaffen.

In diesem Jahr gebe es etwas mehr Anmeldungen für die neuen neunten Klasse von Schülern, die von Gymnasien wechselten, schildert Kimmel. Die IGS lege dabei großen Wert darauf, alle in die Klassengemeinschaften zu integrieren.

Zwar gebe es in der Oberstufe in Stufe elf mehr Bewegung als sonst, deutlich mehr Wiederholer als in den Vorjahren gebe es allerdings nicht, resümiert Roland Frölich, Direktor des Hohenstaufen-Gymnasiums. Der ein oder andere Schulwechsel werde zwar nachgeholt, aber nicht in größerem Ausmaß. Einige Schüler hätten sich mit ihren Eltern dazu entschieden, die Klasse freiwillig zu wiederholen, obwohl das Klassenziel erreicht worden wäre, andere wiederholten, da sie das Klassenziel nicht erreicht hätten.

Doch nicht alle Kinder nehmen das Angebot des freiwilligen Wiederholens an – es gebe einige, die sich für das klassische Wiederholen in Form des Sitzenbleibens entschieden haben, berichten die Schulleiter gemeinsam.

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