Kaiserslautern Schub für die Einsatzbereitschaft
„Wir kommen immer – 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag“, versichert Hans-Otto Krause. Und: „Wir tun’s gern“ betont der Zugführer. Gern – aber noch viel lieber, seit für die Feuerwehr in Erlenbach eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Seit Juni logiert der Löschzug in neuer Unterkunft, mittlerweile stehen funkelnagelneue Feuerwehrfahrzeuge im Gerätehaus. Dass die Stadtteil-Wehr „erstmals seit 134 Jahren angemessene Bedingungen“ vorfindet, hat der Stadtteil-Löschzug gestern mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.
Erster Gang rein, Gas geben – und hoffen. Das betagte Löschgruppenfahrzeug hat dem Vernehmen nach gewaltig schnaufen müssen, wollte sich die Wehr motorisiert den steilen Anstieg Richtung Otto-Barth-Halle bewegen. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Kameraden hätten schieben müssen. 28 Jahre hatte das LF 8 auf dem roten Buckel. Und hat, sofern nicht gerade mal unterwegs, in einer zugigen, feuchten, vergammelten Garage gestanden. Zugig, feucht, vergammelt – Vokabeln, mit denen nicht etwa ein Wehr-Verantwortlicher übertreiben wollte. Stadtbeigeordneter Peter Kiefer war es, der gestern die Zustände im alten Gerätehaus als erbärmlich beschrieb. So ärgerlich das aber gewesen sein mag: Gestern war es weitestgehend vergessen. Da herrschte Freude vor über die neuen Bedingungen. In gleißender Sonne funkelten gestern zwei – zur Feier des Tages offensichtlich erneut auf Hochglanz polierte – Einsatzfahrzeuge auf dem Parkplatz an der Otto-Barth-Halle. „Das ist das modernste, was es momentan auf dem Markt gibt“, bescheinigte Michael Ufer den Einsatzmitteln höchste Güte. Der Stellvertretende Leiter des städtischen Referats für Brand- und Katastrophenschutz unterstrich, wie wichtig adäquate Ausrüstung und Unterkunft seien. Aber: Ganz alleine hilft das modernste Einsatzfahrzeug nicht. Und so stellte Ufer denn auch gestern den noch wichtigeren Faktor in den Mittelpunkt: Wichtig und unverzichtbar seien in allererster Linie die Menschen; jene, die sich uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit stellten, mit ihrer Einsatzbereitschaft und Kompetenz für Sicherheit sorgten. Deutlich wird in Erlenbach indes, dass neue Bedingungen motivierende Wirkung entfalten können. So bereits geschehen in Reihen des Stadtteil-Löschzugs: Nicht nur, dass die Aktiven einen Motivationsschub verspürten; sie haben auch Zuwachs bekommen. Laut Löschzugführer Hans-Otto Krause sind inzwischen drei Feuerwehrmann-Anwärter neu zur Truppe gestoßen. Der Zug ist mittlerweile auf eine Stärke von 19 Leuten angewachsen. Peter Kiefer, der als Lauterer Stadtbeigeordneter auch das Brandschutzwesen mitverantwortet, jonglierte auf kurz mit Zahlen. Eine runde Million Euro habe die Stadt „in die Sicherheit der Menschen“ investiert. Das Gerätehaus neben der Barth-Halle – ein Zweckbau ohne Prunk mit rund 200 Quadratmetern Nutzfläche und Aufenthaltsraum für 24 Leute – habe mit rund 850.000 Euro zu Buche geschlagen. 103.000 Euro habe das Land beigesteuert. Die beiden Fahrzeuge – ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) mit 8,5 Tonnen sowie ein 3,5 Tonnen schweres Mehrzweck-Einsatzfahrzeug – haben zusammen rund 270.000 Euro gekostet. Die Neuanschaffungen auf Rädern seien angesichts des veralteten bisherigen Fahrzeugs nicht minder notwendig gewesen wie die neue Unterkunft. Deren Planung hatte sich, wie mehrfach berichtet, über viele Jahre hingezogen. Erst war der Standort strittig, dann hatte der Bau zu Mehrkosten geführt. Im Juni aber hatte das Gerätehaus eingeweiht werden können. Die Fahrzeuge waren im Laufe des Sommers gefolgt, haben sich auch bereits bei ersten Einsätzen bewährt, wie Krause berichtete. Beide neuen Stützpfeiler der Erlenbacher Einsatzbereitschaft waren Anlass zum gestrigen Tag der offenen Tür – dem ersten in der 134-jährigen Geschichte der Wehr. Dabei gab es „Feuerwehr zum Anfassen“, vor allem für Kinder. In einer Feierstunde segneten der katholische Geistliche Andreas Keller und der protestantische Pfarrer Thomas Keßler die neuen Einsatzmittel. Ein Geschenk des ökumenischen Frauenkreises hatte Birgit Seeger den Wehrleuten mitgebracht: Eine Floriansfigur, die eine Brandkasse hütet. Ein Geschenk hatte auch der langjährige Erlenbacher Zugführer Horst Müller beigesteuert, der krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte. (cha)