Kaiserslautern
Schopp: Beim Holzland-Volkslauf vereinen sich Generationen
Mit einer Fabelzeit von 35:33 Minuten sicherte sich der 38-jährige US-Amerikaner Adam Rich aus Otterberg den Sieg beim 48. internationalen Holzland-Volkslauf in Schopp über zehn Kilometer. Die Frauen-Konkurrenz wurde dominiert von Nina Spiegel (29) vom TuS Heltersberg. Die Herzen der Konkurrenten und Zuschauer eroberte indes einmal mehr Robert Hinkel aus Pirmasens: Der 82-Jährige ließ mit seiner Laufzeit von 1:09:48 Stunden sogar noch einige jüngere Läufer hinter sich. Insgesamt waren rund 120 Läuferinnen und Läufer am Start.
Das Glockengeläut der evangelischen Kirche war gerade verklungen, als im Eichwaldstadion der Startschuss zum 48. Holzland-Volkslauf fiel. „Aus dem Stadion raus und rechts den Berg hoch“, gab der Stadionsprecher letzte Instruktionen an das Starterfeld. Der Rundkurs auf dem weichen Waldboden wird gerne unterschätzt. Zwar müssen lediglich 80 Höhenmeter bewältigt werden, aber die leichten, langgezogenen Anstiege haben es in sich.
Für Adam Rich ein Kinderspiel. Der aus Colorado stammende Modellathlet lebt erst seit knapp drei Monaten in Deutschland, seine Frau unterrichtet auf der US-Base in Sembach als Lehrerin. „Normal schaffe ich die zehn Kilometer etwas schneller, aber es war eine schöne Strecke zum Laufen“, fasste er seinen ersten Start in Schopp zusammen. In seiner Heimat sei er rund 6000 Kilometer jährlich in Training und Wettkampf gelaufen, die Meile absolviert er an guten Tagen in unter fünf Minuten. Um nicht aus der Übung zu kommen, will er zukünftig an weiteren Läufen in der Region teilnehmen.
Auch für Nina Spiegel vom TuS Heltersberg waren die zehn Kilometer im Hochwald von Schopp eher Frühsport als Wettkampf. Mit der Zeit von 45:54 Minuten sei sie zufrieden, sagte sie – nahezu im Ruhepuls – kurz nach dem Zieleinlauf. Ihr Training: Ein 25-Kilometer-Lauf am Tag zuvor in Schmalenberg. „Laufen ist meine Leidenschaft, so kann ich am besten vom Alltag abschalten“, berichtet die Kundenberaterin einer Bank. Im September wird sie beim Pfälzerwald-Marathon in Pirmasens starten, „dann aber in der Staffel“. Für die 29-Jährige war es übrigens der erste Sieg beim Holzland-Volkslauf.
Um Siege läuft er nicht mehr mit: Robert Hinkel, 82 Jahre alt, ehemaliger Bediensteter der Stadtverwaltung Pirmasens, ist ein alter Bekannter bei Volksläufen in der Region. Die Anstrengung ist ihm nach dem Lauf kaum anzumerken. „Normal könnte ich auch noch Marathon laufen, aber in meinem Alter mache ich mich nicht mehr kaputt“, gibt er verschmitzt zu Protokoll. „Die kleinen Dinger“ wie der Lauf in Schopp seien ihm mittlerweile angenehmer. Hinkel stammt aus der Ultralauf-Szene, Läufe über 60, 80 oder 100 Kilometer wie im schweizerischen Biel waren sein Zuhause. Vor und 20 Jahren sei er dann auf Volksläufe umgestiegen. „Ich kann nicht zu Hause herumsitzen“, nennt er seine Motivation. „Sehr zum Leidwesen meiner Frau.“
Ob alt oder jung, (Nordic) Walker, Jedermannsläufer oder leistungsorientierte Sportler: Am Ende waren sie alle im Ziel vereint. Für Werner Ernst vom SV Schopp war es eine gelungene Veranstaltung: „Das Wetter hat mitgespielt, wir konnten viele alte Bekannte begrüßen und unser eingespieltes Helferteam sorgte für einen reibungslosen Ablauf“, bilanzierte Ernst. Und tatsächlich hatte man den Eindruck, man hätte sich am Sonntagfrüh zum Familientreffen verabredet. Die gelöste und freundliche Atmosphäre wirkte ansteckend – und Applaus gab es für alle gleichermaßen.