Kabarett
Schluss. Aus . Ende. Untiere stellen „K-Town-Kabarett“ ein.
33 Ausgaben werden es am 23. November sein, wenn der letzte Vorhang fällt für die Reihe „Ein Untier kommt selten allein“. 33 Ausgaben, mit Herzblut gestrickt und mit vielen, vielen Gastkünstlern. Seit zehn Jahren lief das Format, doch eigentlich begann das „K-Town-Kabarett“ der Untiere viel früher.
2009, so erinnert sich das Kabarettistenpaar, habe man im Kulturzentrum Kammgarn die Reihe „Da lacht das Schaf“ aus der Taufe gehoben. Vier Jahre erfreuten Die Untiere ihr Publikum dort im zumeist ausverkauften Hause mit ihren bissigen Spitzen, die sie gerade auch in Richtung Lokalpolitik am laufenden Band austeilten. 2013 kam es dann zum Bruch mit Kammgarn-Chef Richard Müller, und die Kultkabarettisten fanden ab April ein neues Zuhause im Wirtshaus im Bahnheim. Aus „Da lacht das Schaf“, eine Anspielung auf die Spinnereigeschichte und das Maskottchen der Kammgarn, wurde der Titel „Da lacht man scharf“.
Volle Verantwortung übernommen
Bereits im Dezember 2014 jedoch fiel im Wirtshaus der letzte Vorhang für Die Untiere.
Für ein durchaus sensibles Wortkabarett waren die (akustischen) Rahnenumstände im Bahnheim nicht gerade optimal. Schon einen Monat später fanden sie sich im Edith-Stein-Haus in der Altstadt wieder, die Show hieß dann bald „Ein Untier kommt selten allein“ und setzte die Erfolgsmischung aus lokalpolitischen Spitzen und überregionalen Themen fort. Fünf Jahre später folgte der neuerliche Umzug, eben auf die große Bühne des SWR.
Die Untiere, die bislang „nur“ Mitveranstalter gewesen waren, wurden damit zu Eigenveranstaltern. „Alles ging seitdem auf unsere Kappe“, drückt es Tamassy flapsig aus und meint damit die volle Verantwortung von der Terminierung über die Buchung von Technik und Saal und nicht zu vergessen der Gastkünstler eben bis hin zur finanziellen Seite. Keinen Hehl daraus macht das Künstlerpaar, dass es gerade letztere gewesen sei, die jetzt zu dem schmerzlichen Entschluss geführt habe.
Abschied mit Ansage
„Der Kostendruck wurde so hoch, dass wir es einfach nicht mehr verantworten konnten“, so Marschall. „Und nun sind wir wirklich, wirklich regelrecht erleichtert“, verrät er den derzeitigen Gemütszustand der beiden. Erst bei rund 150 Besuchern habe sich die Veranstaltung getragen, habe man also Gastkünstlerhonorare, Bühne und Technik finanzieren können. Ein Honorar für sie selbst sei da freilich noch nicht drin gewesen, gibt Marschall zu. Dank der Hilfen aus der Corona-Zeit habe man dennoch weitermachen können, Zuwendungen, die nun zur Kompensation fehlen.
Im Grunde war es ein Abschied mit Ansage – oft genug hatten die Kabarettisten die politischen Entscheider, aber auch das Publikum (auch in manchen Presseveröffentlichungen) auf die zunehmende Schieflage hingewiesen. Außer zu wortreichem Bedauern vor allem seitens der Kommunalpolitik habe dies allerdings zu nichts geführt, so Tamassy. Und auch auf das Lautrer Publikum, das sich zunehmend rarer gemacht hatte, sind die beiden alles andere als gut zu sprechen.
„Zerebrale Dysfunktion“
Bis auf ein treues Stammpublikum von 60 bis 70 Personen, auf das die Kabarettisten nichts kommen lassen wollen, herrsche „allgemeine zerebrale Dysfunktion in der Stadt“, schimpft Marschall in gewohnt geschliffener Manier. Und Marina Tamassy präzisiert: „Die Leute hören eben lieber mit ’nem Schoppenglas in der Hand einer Coverband zu, als sich intellektuell behelligen zu lassen.“ Ob es woanders besser sei? „Aber ja!“, sind sich die beiden sofort einig. So sei man erst vor wenigen Wochen im Schlosspark Kirchheimbolanden von 400 begeisterten Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeiert worden. „Das waren Leute, die intellektuell noch erreichbar waren“, lobt Marschall.
Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Entsprechend dieser alten Volksweisheit bedeutet das Aus ihres K-Town-Kabaretts nach insgesamt rund 120 Shows in 16 Jahren für Die Untiere Wolfgang Marschall und Marina Tamassy auch einen Neuanfang. So will sich Marschall nun wieder mehr dem Fremdtexten, also dem Schreiben für Kollegen wie Reiner Kröhnert, widmen. Außerdem hat er begonnen, nach 25 Jahren wieder am Mannheimer Kabarett Dusche Regie zu führen. Ebenfalls in ihrer alten Heimat hat auch Tamassy einige Engagements übernommen – über einen Mangel an Arbeit müssen beide also nicht klagen.
Ein frommer Wunsch?
Apropos Mannheim: Auch die weitaus bessere Ausstattung der baden-württembergischen Kulturinstitutionen erwähnt das Kabarettistenpaar. So sei es selbstverständlich, dass die Stadt Mannheim dem Kabarettensemble Dusche die Bühne Klapsmühl am Rathaus seit Jahrzehnten zur Verfügung stelle – eine Förderung, wie sie sich die beiden auch in Kaiserslautern wünschen. Daneben gebe es gleich zwei Fördervereine für das kurpfälzische Traditionskabarett. „Bevor wir wieder hier spielen, brauchen wir erst einmal ein neues Nest, eine feste Bühne“, so Tamassy. Ein frommer Wunsch?
Ganz verzichten müssen die Westpfälzer Fans dennoch nicht auf die Kultkabarettisten. „Im Umland ist durchaus noch Potenzial“, erkennt Marschall. So sind sie mit seinem Programm „Memoiren einer Spottdrossel“ am 25. Oktober im Bürgerhaus Schwedelbach zu Gast, und ihr Weihnachtsprogramm kommt am 13. Dezember in der Stadthalle Landstuhl auf die Bühne. Als einziger Lautrer Termin ist noch der traditionsreiche „Kabarettistische Aschermittwoch“ im SWR-Studio geblieben. „Der könnte als Jour fixe weiterlaufen“, blickt Marschall in die Zukunft.
Ihre Abschiedsvorstellung geben Die Untiere nun also am 23. November im SWR-Studio. Ob es dabei zu einer Generalabrechnung kommen könnte? „Oh ja!“, rufen beide wie aus einem Mund. „Eine bitterböse Abrechnung, bei der wir kein Blatt vor den Mund nehmen werden und auf diverse Zehen treten werden“, verspricht Marschall. Man darf gespannt sein.
Termin
„Ein Untier kommt selten allein! Nr. 33“ mit den Gastkünstlern Ernst und Heinrich am 23. November im SWR-Studio; Tickets online über eventim und die Homepage www.die-untiere.de.