Kammgarn Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „SchleFaZ“-Show mit Peter Rütten und Oliver Kalkofe

Zieht auch auf der Livebühne: die „SchleFaZ“-Tour mit Peter Rütten und Oliver Kalkofe (rechts).
Zieht auch auf der Livebühne: die »SchleFaZ«-Tour mit Peter Rütten und Oliver Kalkofe (rechts).

„Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ sind auf Live-Tour. Was das Publikum dabei im Kulturzentrum Kammgarn erwartete, war nebenbei auch Horror pur.

Es gibt gute Filme und es gibt schlechte Filme. Die einen sieht man sich gerne an, die anderen vergisst man schnell wieder. Es sei denn, die richtig schlechten werden in einem erfolgreichen TV-Format wie der berühmten „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“-Serie („SchleFaZ“) präsentiert und regelrecht zelebriert. Bis Ende 2023 taten das die passionierten Cineasten Oliver Kalkofe und Peter Rütten beim Sender Tele 5. Nach dem unerwarteten Aus der Reihe entschloss man sich, mit dem Konzept auf große Show-Tour zu gehen. Und das mit ebenso großem Erfolg. Am Mittwochabend war das vitale Duo live mit einem der „SchlefaZe“ genannten Film-Tiefpunkte in der rappelvollen Kammgarn zu Gast.

Die Grundidee ist ebenso einfach wie genial: Filme, die aus den unterschiedlichsten Gründen „schlecht“ sind, werden abgespielt und währenddessen, in den Unterbrechungen dazwischen und zusammengefasst am Schluss zur Gaudi der Zuschauer mit ironischen bis bitterbösen Kommentaren versehen. Das funktioniert auch live auf der Bühne.

Was soll man dazu sagen?

Die beiden medialen Mehrfach-Talente Kalkofe und Rütten – unter anderem Schauspieler, Autoren und Moderatoren – fallen mit ihrer kritisch-unterhaltsamen Tour-Show dabei keineswegs ins Haus. Bevor es an das noch auszuwählende Machwerk geht, wird erstmal erklärt, was sie da machen, seit wann, warum und wie. Ganz professionell beantworten sie auch Zuschauerfragen zu den bisherigen, in elf Jahren vorgestellten 164 Streifen und plaudern aus dem Nähkästchen (das erste „SchleFaZ“-Filmstudio etwa war eine umgebaute, knallenge und an einer lauten Baustelle gelegene Videothek). Ein seinerzeit vorgestelltes Lied zum 100. präsentierten Film („Hundertmal geschaut, hundertmal den Tag versaut“) führt zur Wahl des an diesem Abend vorzustellenden Werks. Drei stehen zur Auswahl, mithilfe ausgewählter Zuschauer auf der Bühne und einem die Applausstärke messenden Dezibel-Meter macht „Invasion aus dem Innern der Erde“, eine Hongkong-Kung-Fu-Sci-Fi-Produktion aus dem Jahr 1975, das Rennen.

Was soll man dazu sagen? Der Film vereinigt in knapp anderthalb Stunden so ziemlich alles, was „Trash“ ausmacht: Eine wenig tragfähige Grundidee (etwa: Unterwelt-Königin und Urzeit-Monster wollen die Weltherrschaft. Superheld rettet alles), relativ billige Kulissen, schlecht sitzende Kostüme an ungelenk herumtapsenden Schauspielern (dagegen sah Captain Kirks Kampf gegen einen Gummi-Gorn ein paar Jahre zuvor fast professionell aus), nicht zuletzt miserable Filmtricks und logische Fehler in der Handlung – es kam alles vor.

Wenig politisch korrekt

Das alles wurde im „SchleFaZ“-Original vorgestellt, also so, wie es ursprünglich auch im Fernsehen zu sehen war. Dabei muss man den beiden Präsentatoren zu Gute halten, dass sie keineswegs blind alles niedermachen. Da wird auch, wenn auch manchmal ironisch, darauf hingewiesen, warum ein Film „schlecht“ sein kann. Schließlich spielen da auch Dinge wie das Budget oder die technischen Möglichkeiten zur Film-Entstehung eine Rolle.

Auch sprachlich hat man in den Kommentaren speziell zu bestimmten Szenen eine Menge drauf. Zwar geht es bisweilen recht derb und wenig politisch korrekt zu (nicht zufällig war der Eintritt ins Haus erst ab 16 Jahren erlaubt), aber man bedient sich bei aller Kritik immerhin einer oft unterhaltsamen, raffiniert-gehobeneren Sprachebene (da kommen Begriffe wie „defizitär“ vor, und ein Pflanzen-Monster wird als „Garten-Golem“ bezeichnet).

Schmankerl zum Schluss

Am Schluss sind alle im Hause begeistert, nicht nur die Wenigen, die trashig verkleidet (etwa mit „Sharknado“-Mützen) in die Kammgarn kamen. Im Stehen gespendeter Applaus für den Film zum Film mit all seinen Anmerkungen, ein letztes Lied von der Bühne herunter, Schlussmoderation und Gelegenheit zum Foto-Shooting – das war’s. Und es war gut. Sogar der ein halbes Jahrhundert alte Film (das „Lexikon des internationalen Films“ sagt immerhin, der Streifen sei ein „naives Gruselmärchen; aufwendig produziert“) war „sooo“ übel letztlich gar nicht. Für etliche Lacher, einen schönen, unterhaltsamen Abend und eine Vorführung, die man sonst wohl nirgends mehr zu sehen bekommen hätte, reichte es allemal. Und ein Schmankerl zum Schluss: Ab August, so war zu hören, geht die „SchleFaZ“-Serie wieder klassisch ins Fernsehen.

x