Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schlagzeuger Tobias Urbanczyk: In der Heimat nimmt Karriere neue Fahrt auf

Zurück in der Heimat: Tobias Urbanczyk. Nach dem Karrieresprung in den USA und folgender Corona-Pause hat ihn aber auch die inte
Zurück in der Heimat: Tobias Urbanczyk. Nach dem Karrieresprung in den USA und folgender Corona-Pause hat ihn aber auch die internationale Bühne wieder.

In Los Angeles stieg die Karrierekurve steil nach oben: Tobias Urbanczyks Terminkalender war prall gefüllt. Mit Größen der Musikszene war der Schlagzeuger weltweit unterwegs – bis Corona alles ausbremste. Nach einem Besuch daheim in Lautern ist er in der Pfalz geblieben. Und die zwischenzeitliche Lustlosigkeit am Trommeln, die ist wie weggeblasen.

Manch einen führt das Leben in eine ganz andere Richtung, als er oder sie es für möglich gehalten hätte. Und manchmal ist das auch gut so. Der Kaiserslauterer Schlagzeuger Tobias Urbanczyk weiß um solche Wendungen: Jahrelang lebte und arbeitete er in Los Angeles, spielte in dieser Zeit mit Größen des amerikanischen Showbiz in Konzerten rund um den Globus. Seit der Pandemie ist er wieder in Deutschland und in der Pfalz. Und er ist zufrieden.

Der Aufbruch liegt gut ein Dutzend Jahre zurück. Urbanczyk reiste nach dem Abitur in die USA, um seine Fähigkeiten am Schlagzeug zu verbessern. Dort wurde der junge Deutsche alsbald entdeckt und fortan für Auftritte mit Musik-Promis gebucht.

Er spielte unter anderem im Vorprogramm von Taylor Swift und Ariana Grande in ausverkauften Stadien, der weltgrößte Drumstick-Hersteller widmete ihm ein selten gewährtes eigenes Set (mit dem Humbergturm und dem Kaiserslauterer Rathaus als Motiven), Bands und Musiker nicht nur aus den USA sicherten sich die Dienste des Schlagzeugers, dessen Terminkalender immer voller wurde.

Krise als Chance begriffen

Alles lief perfekt. Und dann kam Corona. Tourneen und Konzerte wurden abgesagt, Urbanczyk reiste erst mal zurück in die pfälzische Heimat, wo er sich zuvor schon bei seiner Familie vom stressigen Musikerleben erholt hatte. Und er erkannte, dass er so nicht ewig weitermachen wollte. Der Tour- und Auftritts-Stress, die Ferne zur Familie, der Wunsch, auch mal „etwas anderes“ zu machen – da kam zusätzlich zur Pandemie einiges zusammen. Urbanczyk traf eine Entscheidung: „Die Krise kam und ich habe das alles als Chance gesehen“, sagte er damals – und blieb in der Heimat.

Die Suche nach neuen Herausforderungen hatte freilich immer noch etwas mit Musik zu tun. So engagierte er sich im „Modern Music School“-Unternehmen, an dessen Kaiserslauterer Filiale er selbst einmal Schüler war. Er unterrichtete im von ihm nun geleiteten „Professional Program“ für werdende Musiker-Profis und schrieb mit an neuen Drumming-Lehrbüchern.

Seither hat sich wieder einiges getan. So hat der heute 31-Jährige etwa zwischenzeitlich die „Modern Music School“-Filialen in Wiesbaden und Duisburg von Grund auf mit aufgebaut, und er gibt in der Aschaffenburger Einrichtung des Unternehmens Unterricht im „Professional Program“-Zweig. Zudem hat er ein Management-Studium aufgenommen, das es ihm erlaubt, auch diese Seite seiner Tätigkeiten grundlegend kennenzulernen.

Immenses Pensum hinterlässt seine Spuren

Abseits des Notwendigen hat Urbanczyk in den ersten zwei Jahren der Pandemie allerdings so gut wie nie hinterm Schlagzeug gesessen. Der Antrieb sei ganz einfach weg gewesen, sagt er. Da habe das immense Pensum der letzten zwölf Jahre seine Spuren hinterlassen.

Gerade deshalb lässt einen die Kunst aber auch nie los, wie sich zeigen sollte. Zunächst ließ er sich sein Schlagzeug aus Los Angeles schicken und begann damit, Songs zu covern und Clips davon auf Instagram zu posten. „Das hat mir viel Spaß gemacht und mich zum Üben gezwungen“, sagt Urbanczyk, der sich Perfektionist beschreibt.

Einer wie er ist aber nicht fürs Spielen in der Stube gemacht. Irgendwann holte ihn seine USA-Zeit in Form eines Anrufs ein. Eine befreundete Gitarristin, die mit der japanisch-britischen Singer/Songwriterin Rina Sawayama zusammenarbeitet, fragte locker: „Hast du gerade Zeit?“ Rinas Drummer sei während der aktuellen Europa-Tournee krank geworden und man bräuchte jetzt jemanden, der ziemlich schnell einspringen könne.

Programm in Zug und Flugzeug einstudiert

Der Funke zündete. Urbanczyk eilte per Zug und Flugzeug innerhalb von 20 Stunden nach Warschau. Auf dem Weg dorthin lernte er seine Partien für eine 90-minütige Show, zu der es vor Ort dann auch nur einen einzigen Soundcheck gab. Aber man ist ja Profi: Der Schlagzeuger meisterte dieses (und etliche folgende Konzerte) dann so gut wie der eigentlich engagierte Drummer.

Das war längst noch nicht alles. Zwei Monate nach dem ersten Anruf ereignete sich Ähnliches, als ein befreundeter Bassist bei Urbanczyk anrief: „Wir brauchen morgen einen Drummer für Schmyt - hast du Zeit?“ Er hatte – und es musste wieder schnell gehen. Der Lauterer Musiker kam rechtzeitig per Nightliner-Bus.

„Seitdem spiele ich immer wieder Shows mit Schmyt“, sagt Urbanczyk, der sich von der Zusammenarbeit mit dem deutschen Sänger und Instrumentalisten begeistert zeigt. Mit ihm hat Urbanczyk mittlerweile unter anderem als Vorband für Cro und beim Dockville Festival in Hamburg vor 15.000 Zuschauern gespielt – fast wie in alten Zeiten.

Gesicht grüßt von Magazin-Titel und Stadtbus

Auch in der alten Heimat geht es erfolgreich weiter. „Bei der ,Langen Nacht der Kultur’ durfte ich mit MPNG (dem Bassisten von Limp Bizkit, die Red.) auftreten“, freut sich Urbanczyk. In seiner Heimatstadt ein Konzert zu geben („das erste Mal nicht nur als Drummer, sondern als gebuchter Künstler“), dazu sein Gesicht auf dem Titelblatt des Lutra-Magazins und sogar auf einem Stadtbus, nicht zuletzt mit der Familie und alten Freunden im Publikum: „Es war der absolute Wahnsinn.“

Urbanczyks Freunde in den USA haben zwar einst bedauernd gemeint, Los Angeles habe mit ihm „einen guten Drummer verloren“. Aber so ganz stimmt das nicht (mehr). Die internationale Bühne hat ihn in gewisser Weise ebenso wieder wie die regionale Szene.

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