Schach RHEINPFALZ Plus Artikel SC Niedermohr-Hütschenhausen verliert Heimkampf

An sieben Brettern wird im Bürgerhaus in Hütschenhausen, gespielt: Markus Müller ( rechts vorne) vom SC Niedermohr-Hütschenhause
An sieben Brettern wird im Bürgerhaus in Hütschenhausen, gespielt: Markus Müller ( rechts vorne) vom SC Niedermohr-Hütschenhausen muss in der Partie gegen Frankenthals Volker Louis nach wenigen Zügen die Partie aufgeben.

Nach vielen Monaten Corona-Pause haben die Schachspieler des SC Niedermohr-Hütschenhausen einen Heimkampf in der Zweiten Rheinland-Pfalz-Liga Süd bestritten. Gegen den SK Frankenthal II gab es eine 2:5-Niederlage. Zu einer interessanten, wenn auch kurzen Partie kommt es am Spitzenbrett. Dort gerät Markus Müller nach dem Vierbauernangriff seines Gegners in taktische Nöte.

Nach der Partie ist man immer schlauer. Und so dürfte sich der Spitzenspieler des SC Niedermohr-Hütschenhausen (SCN) gefragt haben, ob es denn eine gute Wahl war, gegen Volker Louis die Königsindische Verteidigung gewählt zu haben. Spielt doch Louis als Nachziehender selbst Königsindisch und dürfte also mit den Feinheiten dieser faszinierenden Verteidigung vertraut sein. Obwohl ihm das klar war, als sein Kontrahent mit einem Doppelschritt des Damenbauern die Partie eröffnete, ließ Müller sich auf das königsindische Abenteuer ein und sah sich mit dem scharfen Vierbauernangriff konfrontiert. Eine in der großmeisterlichen Turnierpraxis eher selten anzutreffende Variante. Die Partie nahm dann einige Züge lang einen aus der Eröffnungstheorie bekannten Verlauf. Bis zum zehnten Zug von Schwarz. Da zog Müller den Bauern von b7 nach b6 und verschmähte damit eine Empfehlung des früheren Weltmeisters Garri Kasparow, der 1982 im Interzonenturnier in Moskau gegen den Amerikaner Larry Christiansen hier den Springer nach d4 gezogen und diesen Zug mit einem Ausrufezeichen versehen hatte. Kasparow und auch die Weltmeister Michail Tal und Bobby Fischer errangen brillante Siege mit der Königsindischen Verteidigung, die neben der Sizilianischen Verteidigung zu den beliebtesten Eröffnungen gehört.

Dreistündige „Kurzpartie“

Auch in der Partie zwischen Müller und Louis wurde die Eröffnung ihrem Ruf gerecht. So entbrannte auf den 64 Feldern ein taktischer Schlagabtausch, den Müller durch ein Qualitätsopfer – er gab seinen Turm auf f8 für den weißfeldrigen Läufer des Weißen auf d3 – noch verschärfte. In seinen Berechnungen hatte er aber etwas übersehen: eine Springergabel auf e7. „Nachdem ich meinen Läufer nach f5 gezogen hatte, sah ich es sofort“, schildert Müller diesen für ihn schmerzvollen Moment. Hätte er nun die weiße Dame mit seiner Dame geschlagen, wäre ein Springerschach auf e7 mit gleichzeitigem Angriff der Dame auf f5 gefolgt. Das wollte sich Markus Müller nicht zeigen lassen. Nach dem 21. Zug von Weiß gab er in hoffnungsloser Stellung auf. Aufgrund der geringen Zahl an Zügen eine Kurzpartie, die aber fast dreieinhalb Stunden dauerte. Nach diesem für ihn unerfreulichen Ende, dürfte es Müller wohl bedauert haben, dass er sich nicht für die Nimzo-Indische Verteidigung entschieden hatte, die auch zu seinem großen Eröffnungsrepertoire gehört.

Nur Philipp Rölle gewinnt seine Partie

Wie Müller erging es auch an den hinteren Brettern seinen Teamkollegen Roman Bayer, Thomas Anschau und Manfred Herbold. Auch sie verloren. In schlechterer Stellung kämpften sie lange ums Remis, mussten sich dann aber geschlagen geben. Den einzigen Sieg für das Heimteam verbuchte Philipp Rölle. Am zweiten Brett bezwang er Oliver Prestel. An den Brettern drei und vier remisierten die SCN-Spieler Holger Diehl und Hermann Wagner ihre Partien. So stand am Ende eine 2:5-Niederlage für den SCN, der damit zum zweiten Mal in dieser Runde den Kürzeren zog und punktlos auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Wenn es mit dem Klassenverbleib noch klappen soll, dann, sagt Markus Müller, „müssen wir in den nächsten Runden punkten“.

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