Kaiserslautern Sarkasmus für Fortgeschrittene

91-73691254.jpg

Von Randy Newman kennt man seine „bösen“ Lieder und seinen Sarkasmus. „Short People“ wurde ein Erfolg, der ihm in den USA auch Ärger brachte. Sein letzter eigener Hit in Deutschland war „I love L.A.“, die doppelbödige Liebeserklärung an seine Heimatstadt Los Angeles. Im Wormser Theater zeigte Newman in einem großartigen Konzert wunderbar sensible Lieder neben ätzendem Spott.

„Die meisten Hits sind Liebeslieder, aber davon schreibe ich nicht viele“ erklärte Newman dem Publikum. Dann beginnt er mit „I miss you“, und das ist eine sensible Ballade, in welcher der Künstler sein Innerstes nach außen kehrt. Er wäre aber nicht Randy Newman, wenn er dabei nicht auch eine komische Vorbemerkung hätte. Er habe das Stück für seine erste Frau geschrieben – da sei er schon mit seiner zweiten Frau verheiratet gewesen. Seine erste Frau war eine Deutsche, „aber sie wird wohl nicht hier sein, also kann ich das spielen“, fügt er hinzu. Gleich darauf singt er davon, dass er eigentlich nur Geld liebt. „It`s just Money that I like“ ist eines dieser typischen Newman-Stücke in denen er in die Rolle des „Bösen“ schlüpft und aus der Ich-Perspektive vom Leder zieht. Das wurde im politisch korrekten Amerika nicht immer von allen verstanden. In „Short People“ singt Newman, dass Kleinwüchsige Menschen aus ihrem kleinen Mund große Lügen erzählen und eigentlich gar keine Existenzberechtigung hätten. Im Bundesstaat Maryland versuchte man 1978 den Song im Radio zu verbieten, der Antrag scheiterte jedoch. Dass Newman im Refrain singt „kleine Leute sind Leute wie du und ich und alle Menschen sind Brüder“, müssen die Leute, die damals nach Zensur riefen, wohl überhört haben. Der lockere Groove und die gute Stimmung des Stücks kamen in Worms sehr gut an. So manche der textsicheren Zuhörer sangen mit. Manche Songs sind sogar noch perfider: „Sail away“ ist scheinbar die großzügige Einladung über den Ozean in die USA zu segeln, wo alles viel besser und schöner ist, wo man nicht im Dschungel über Wurzeln stolpert. Es ist aber ein Sklavenhändler, der hier Amerika preist. Newmans Musik klingt stets verblüffend deutlich nach Broadway und Hollywood. Oft spielt der Musiker auch Stride-Piano, den Stil, der, vom Ragtime kommend, typisch für Solisten am Klavier ist, die sich selber zu Broadway-Songs begleiten. Die Harmonien sind eingängig, ohne abgegriffen zu sein, die Stücke wirken stets wie aus einem Guss. Die Erinnerung an Filmmusik ist kein Zufall. Newman wurde 1943 in eine musikalische Familie geboren. Drei seiner Onkel väterlicherseits waren angesehene Hollywood Filmkomponisten. Newman begann seine eigene Karriere 1968 als Singer/Songwriter. Recht schnell entdeckten andere Künstler sein Talent. Bette Mittler, Dusty Springfield, Nina Simone und viele mehr interpretierten seine Songs. Eine der bekanntesten Coverversionen ist „You can leave your hat on“, die Version von Joe Cocker wurde durch den Film „9 1/2 Wochen“ ein Hit. Auch das gab es in Worms zu hören. Newman witzelte, dass die anderen Interpreten den Song eine Sexte höher genommen hätten und führte den Effekt auch vor. Tatsächlich klingt seine eigene Version weniger aufreizend – was Absicht ist, denn eigentlich wollte Newman mit dem Song das männliche Beglotzen von Frauen aufs Korn nehmen. Newmans schwarze Locken sind einem grauen Kurzhaarschnitt gewichen. Seine Stimme ist nicht mehr so geschmeidig. Aber wenn er seine wenigen Liebeslieder anstimmt, macht das Herzklopfen und Gänsehaut. Schon zur Pause feierte ihn das Publikum mit Ovationen.

x