Kaiserslautern
Sarah und Jorrit Alberts verkaufen Bio-Produkte von eigenem Hof auf dem Markt
Mit seinem Verkaufswagen steht Jorrit Alberts (33) seit 2018 nahe dem Hotel Saks auf der rechten Längsseite des Stiftsplatzes. Nicht selten kommt es vor, dass sich vor seinen Auslagen eine Schlange bildet. In der warten die Kunden geduldig, bis sie an der Reihe sind. Das Angebot des jungen Landwirts reicht von selbst erzeugten Milchprodukten über Biobackwaren bis hin zu Trockenfleischwaren wie Salami, Rohesser und luftgetrocknetem Schinken.
Frischkäse, Joghurt und Quark finden sich in seinen Auslagen. Nicht zu vergessen Vla, eine typische Süßspeise aus der niederländischen Küche, eine Art Pudding, die in einem Pfandsystem verkauft wird. Den Rohstoff dazu liefert ihm die Milch von 25 Kühen, die er auf seinem Hof hält und die er täglich melken muss. Mit Jungvieh wie Kälbern kommt er auf einen Bestand von 40 Tieren.
Neben Frischkäseprodukten stellt Alberts Camembert und Hartkäse her. Darüber hinaus kauft er diverse Käsesorten wie Emmentaler und Bergkäse zu. Fleischprodukte wie Würste und Schinken stammen teils von eigenem Rindfleisch, teils vom Biohof der Lebenshilfe in Altleiningen. Von dort bezieht Jorrit Alberts auch seine Backwaren wie Biobrote, Brötchen, Kleingebäck und Kaffeeteilchen.
Ausbildung auf verschiedenen Höfen in Europa
Seine Herkunft kann Jorrit Alberts nicht verleugnen. Seine Sprache verrät ihn. „Ich stamme aus den Niederlanden“, sagt der Familienvater zweier Kinder im schulpflichtigen Alter. Wie er hat auch seine Frau Sarah Alberts (32) eine landwirtschaftliche Ausbildung. Auf verschiedenen Höfen in den Niederlanden, in Deutschland, Ungarn und Frankreich haben sie ihr Wissen über biologische Landwirtschaft, Viehzucht und Milchverarbeitung erworben.
Auf der Suche nach einem geeigneten Hof kamen die beiden mit ihrem Wohnwagen in die Pfalz. Hier stießen sie 2017 auf den Hahnerhof bei Enkenbach-Alsenborn, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert reicht. „Ein Teil war etwas renoviert, ein Teil des Gebäudes ohne Strom und ohne Wasser. Eigentlich haben wir bei Null angefangen.“
Zum Hof gehören 35 Hektar Land, Grünland, das das Ehepaar zur Unterhaltung seiner Kühe benötigt. Neben dem braun-weißen Fleckvieh, „eine ruhige Rasse“, haben sich zwischenzeitlich Pferde, Hühner, Kaninchen, Hunde und Katzen gesellt. „Unsere Kühe dürfen ihre Hörner behalten, auch dürfen Kälber die ersten drei Monate bei ihrer Mutter bleiben.“ Dem Ehepaar liegen ein respektvoller Umgang mit der Natur und eine artgerechte Haltung der Tiere am Herzen. Für den privaten Verbrauch von Obst und Gemüse unterhält die Familie ein kleines Gärtchen.
Zwölf-Stunden-Tag auf dem Hof
Über Arbeit kann Jorrit Alberts nicht klagen. Auch wenn er kein Frühaufsteher sei, hat der Tag für ihn zwölf Arbeitsstunden. „Die Kühe müssen gemolken, die Milch verarbeitet, die Tiere gefüttert und gepflegt werden.“ Schlachten lässt er seine Kühe von einem Metzger in Rockenhausen.
Dort ist der Landwirt mit seinen Produkten immer freitags auf dem Wochenmarkt. Freitagnachmittag öffnet er seinen Verkaufswagen von 16 bis 19 Uhr auf dem Hof des ehemaligen Klostergutes. Der Hofverkauf laufe gut und biete nicht nur Kunden aus dem näheren Umfeld eine Einkaufsmöglichkeit von Bioprodukten.
Mit seinem Stand auf dem Lauterer Wochenmarkt ist Jorrit Alberts sehr zufrieden. „Der Markt ist attraktiv und bietet ein reichhaltiges Angebot.“ Auch habe er etwas Gemütliches an sich. Neben Laufkundschaft hat der Landwirt einen festen Kundenstamm, der Wert auf frische und biologisch erzeugte Produkte legt. Dass er sich mit seiner Familie auf dem Hahnerhof niedergelassen hat, hat Jorrit Alberts bis heute nicht bereut. „Wir haben uns eingelebt, haben gute Kontakte zum Umland. Wir leben hier auf einer kleinen Insel im Grünen.“