Kaiserslautern Santa Claus kommt erst übermorgen
Das Plakat aus den 1950er-Jahren mit einem geschmückten Tannenbaum vor einem Sternenhimmel mit Kometen lädt ein zu einem Büffet am Heiligen Abend mit anschließender Party. Gemalt hat es der Ramsteiner Hans Lesmeister für den amerikanischen Club, für den er tätig war. Stattfinden sollte eine „Deck the hall“-Party. Heather Kerley, die in der amerikanischen Bücherei auf der Vogelweh arbeitet, vermutet, dass die Idee von dem Weihnachtslied kommt: Eigentlich sagt Kerley zu dem Lied natürlich „christmas carol“. Diese spezielle Liedform, also ein „carol“, war ursprünglich ein Tanz, nicht ein gesungenes Lied. Die Entstehung von „Deck the hall with boughs of holly“ datiert in die 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts zurück, ist aber bis heute ein Lied, das alle Jahre wieder zu Weihnachten in den USA zu hören ist. Wie die Party in den 1950er-Jahren in dem Club auf der Air Base ausgesehen hat, ob die Gäste vor dem Tanz noch Zweige und Girlanden an den Wänden anbringen mussten, bleibt ein Geheimnis. Traditionellerweise schmücken die Amerikaner ihre Häuser an dem Wochenende nach dem amerikanischen Erntedankfest „Thanksgiving“. Die vornehmlichen Farben sind dabei wie in Europa auch Rot und Grün. Die „Christmas stockings“ – in Rot, Weiß und Grün geringelte Strümpfe –, die die Amerikaner mit Geschenken und Süßigkeiten füllen, werden aufgehängt – am liebsten natürlich an einen Kamin –, der Baum aufgestellt und geschmückt. Auf dem Kaminsims werden die Weihnachtskarten aufgestellt, die nach und nach per Post eintrudeln und unter dem Weihnachtsbaum sammeln sich die Geschenke. „Das steigert die Erwartung“, sagt Heather Kerley. Natürlich seien sie als Kinder neugierig gewesen, hätten versucht ein kleines Löchlein ins Geschenkpapier zu bohren, aber letztlich hätten sie sich selbst die Überraschung auch nicht verderben wollen. „Holly“, also Stechpalmenzweige, werden an der Haustür angebracht, darüber kann auch mal ein Mistelzweig befestigt werden, unter dem sich dann Liebende zu Weihnachten küssen dürfen. Und Lichterketten schmücken die Häuser von außen. Kerley erzählt, dass sie als Kind an Heiligabend nach dem Gottesdienst mit der Familie durch die Straßen gefahren ist, um die beleuchteten Häuser zu bewundern. An Heiligabend gibt es nämlich in amerikanischen Haushalten höchstens ein Geschenk, die reguläre Bescherung ist erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages. Die Kinder wissen, dass „Santa Claus“, also der amerikanische Weihnachtsmann, mit seinem Rentierschlitten, allen voran Rudolph, das rotnasige Rentier, in der Nacht auf den 25. Dezember unterwegs ist. Weil Geschenke in aller Welt zu verteilen, anstrengend ist, stellen die Kinder vor dem Zubettgehen für „Santa Claus“ zur Stärkung einen Teller mit Keksen und ein Glas Milch am Kamin ab. In Kerleys Familie gab es außerdem Karotten für die Rentiere. Davon haben sie und ihre Geschwister dann einmal kleine Restchen zusammen mit Huf- und Schlittenspuren vor dem Haus im Schnee gefunden. Aber da hatte wohl eher ihr Vater die Hände im Spiel … Amerikanische Familien selbst essen Truthahn oder „Christmas ham“, also Schinken, Kartoffelbrei, Bohnen, Mais und eine Art Brötchen „rolls“ genannt an den Weihnachtstagen. Bei den hier Stationierten ist es Tradition, dass alleinstehende Soldaten zum Weihnachtsessen eingeladen werden. Selbstverständlich feiern die verschiedenen militärischen Einheiten auch miteinander eine Weihnachtsfeier. Von den sogenannten „booster clubs“, erzählt Kerley, wird über das ganze Jahr Geld gesammelt, um Essen und Tombola finanzieren zu können. Vor den Gebäuden stellen die Einheiten selbstgestaltete, großformatige Weihnachtskarten auf. Die Bereitschaft, Gutes zu tun, datiert schon in die 1950er-Jahre zurück, als US-Soldaten deutsche Kinder aus armen Familien oder Waisen zu Weihnachtsfeiern einluden. Auch heute sammeln die Soldaten und ihre Angehörigen oft Spielzeuge und Malsachen für Kinder in den Ländern, in denen das amerikanische Militär stationiert ist. Jedes Jahr jedoch steht in den Einkaufsläden ein Baum, der nur mit Briefumschlägen behangen ist. In diese kann, wer will, eine Geldspende stecken. Aus dem Erlös wird den hier stationierten Familien niedriger Dienstgrade, die im Verhältnis nur wenig Geld für Geschenke und Festessen zur Verfügung haben, zu Weihnachten unter die Arme gegriffen. Nur an diesem einen amerikanischen Tannenbaum aber gilt, dass weniger Schmuck mehr ist.