Fussball
Saleh Abdulla findet neue sportliche Heimat beim FC Erlenbach
Saleh Abdulla flüchtete über die Balkanroute aus seiner Heimatstadt Deir ez-Zor. 450 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegen. Die Stadt am Euphrat galt einst als wohlhabend, neben der Förderung von Erdöl wurden auf den fruchtbaren Böden Baumwolle und Getreide angepflanzt. Doch mit Beginn des Bürgerkriegs war die mit rund 300.000 Einwohnern sechstgrößte Stadt Syriens das Ziel verfeindeter Truppen, viele tausend Menschen flüchteten.
Der al-Futowa SC, größter Fußballverein in Deir ez-Zor, feierte vor rund 30 Jahren seine größten Erfolge: Zwei Meisterschaften (1990 und 1991) sowie vier Pokalsiege nacheinander (1988 bis 1991) belegen die kurzzeitige Vormachtstellung des Vereins im syrischen Fußball. Es war auch die fußballerische Blütezeit von Saleh Abdulla, der auf der 6er-Position als Profi durchaus privilegiert war und deutlich mehr als die meisten Syrer verdiente.
Stolzer Papa mit 87 Jahren
Unterdessen wuchs seine Familie von Jahr zu Jahr weiter an. 24 Geschwister hat Saleh Abdulla inzwischen, erst vor fünf Monaten kam die jüngste Schwester zur Welt. Der stolze Papa ist übrigens 87 und heiratete vor einem Jahr zum dritten Mal. Rund 3000 Kilometer Luftlinie entfernt hat es sich Saleh Abdulla in einer kleinen Wohnung in der Lauterer Innenstadt gemütlich gemacht. Nach seiner Flucht kam er relativ schnell in Kontakt mit Verantwortlichen des FC Erlenbach. „Ein Glücksfall“, wie Theo Ultes, der Ehrenamtsbeauftragte des FCE, im Rückblick betont.
Um Integration bemüht
Ultes war es auch, der sich zu Beginn der Flüchtlingswelle um die Integration jugendlicher Spieler mit Migrationshintergrund bemüht hatte. Knapp 40 Kinder seien damals auf den Matzenberg zum Fußballspielen gekommen, heute sind es noch rund 20. Einige davon spielen in der C-Jugend, die Saleh Abdulla seit mittlerweile fünf Jahren betreut. Über den Sportbund gelang es dem Verein, Fördermittel zu akquirieren. „Saleh war fast jeden Tag auf dem Sportplatz und wollte von Beginn an etwas zurückgeben“, so Ultes.
Freundliche Aufnahme in Deutschland
Diese Dankbarkeit ist deutlich zu spüren. Das Training mit den Jugendlichen bereite ihm großen Spaß, zudem habe ihm der regelmäßige Umgang beim Erlernen der deutschen Sprache geholfen. „Das war wichtiger als die vielen Deutschkurse“, weiß Abdulla. Der FC Erlenbach habe ihm die Möglichkeit gegeben, sich im Fußball zu engagieren. „Aber das ist nur möglich gewesen, weil ich in diesem Land so freundlich aufgenommen wurde und ein sicheres Leben habe“, ergänzt Saleh Abdulla.
Umschulung zum Kaufmann
Und er will etwas zurückgeben von dieser Gastfreundschaft. So engagiert sich der Syrer in der Flüchtlingshilfe des ASZ für seine Landsleute, begleitet diese bei Behördengängen und übersetzt wichtige Dokumente. Beim Verein „Vielfalter“ hat er ehrenamtlich die Buchhaltung übernommen. „Zahlen sind mein Spielplatz“, behauptet Abdulla stolz. Und tatsächlich: In Syrien arbeitete er nach Abitur und Wehrdienst zehn Jahre lang als Finanzbuchhalter in einer Baufirma, zu Beginn dieses Jahres schloss er bei der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) eine zweijährige Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement ab.
230 Bewerbungen, aber ohne Erfolg
Doch der deutsche Arbeitsmarkt ist schwerer als erwartet. 230 Bewerbungen habe er bereits geschrieben – ohne Erfolg. Dabei könnten sich seine EDV- und Buchhaltungskenntnisse durchaus sehen lassen. Auch die Sprache stellt längst kein Hindernis mehr dar. Seine Mitspieler bei der AH und die Spieler seiner C-Jugend fordern ihn fast täglich und helfen ihm so fast unmerklich, seinen Sprachschatz zu erweitern. Integration in seiner ursprünglichsten Form.