Kaiserslautern Süße Träume zum Mitsingen

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„Drei Schtunn Musik, unn ich hätt’ noch länger zuhöre kenne. Am Fernseh wär’ ich do glatt ingeschloof“, sagte am Mittwochabend ein Besucher nach dem Konzert des Lothringer Liedermachers Marcel Adam im Foyer der Landstuhler Stadthalle. „Schön gehört“, das Motto dieser Reihe, war hier wörtlich zu nehmen. Ein hautnahes Wohlfühlkonzert, das unter die Haut ging.

Es gibt die Zornigen, die Jungen, die Wilden. Die Melancholischen, die Fleißigen und Mutigen. Die Jäger, Sammler und Bastler. Und es gibt Marcel Adam. Von allen dürfte er etwas haben. Aber welcher Gruppe fühlt er sich wohl zugehörig? Marcel Adam allein, drei Stunden lang. Eine Mischung aus eigenen Liedern in Lothringer Mundart und französischen Chansons. Da hörte das Publikum im restlos ausverkauften Foyer Französisch und Deutsch und seinen wunderbaren lothringischen Dialekt, der dem Moselfränkischen nahe und von daher bestens zu verstehen ist. Damit sang sich Adam vom ersten Lied an in die Herzen des Publikums. Mit einer Stimme wie Sahne. Ob Charles Aznavours „La Boheme“, der Chanson „Ich hab’ dich zum Sterben lieb“, Jacques BrelsAmsterdam“, Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ oder seine eigenen Lieder wie „S’Onna uff de Bank“: Jeder Titel vermittelte eine emotionale Ausdruckskraft ohne Exzentrik. Die ganze Facettenhaftigkeit seines bewegten Lebens spiegelte sich in der Unterschiedlichkeit, der Schönheit der Stücke. Gerade seine Mundartlieder setzen auf den Mythos alter Zeiten, als die Frauen noch bis in den Abend hinein Wäsche mit der Hand „schrubbten“, als es noch keine Toilette gab und die Leute in der Nacht den „Bottschamber“, die „Mitternachtsvase“, benutzen mussten und man mangels Kühlschrank die Lebensmittel in den Brunnen hinunter ließ, damit sie frisch blieben. Diese Lieder trug er nicht nur ausgesprochen charmant vor, er erzählte dazu auch witzige, humorvolle Geschichten, wobei er mit seinen Späßen auch leicht zu provozieren verstand, so dass sein buschiger Pferdeschwanz ins Wippen kam. Der „Champiere“ aus Grosbliederstroff ist eben auch ein glänzender Unterhalter. Wenn er erläuterte, was „Drick- un Hecklieder“ bedeuten, klingelten die Humorglocken. Und wenn er für die Paare, die „Knatsch“ haben, das Lied von Karat sang, wo es heißt: „Es hält mich niemand so warm wie du, es wirft mich niemand so aus der Bahn wie du, es nimmt mir niemand so den Atem so wie du“, fühlte sich jeder Zuhörer im Foyer betroffen. Marcel Adam ist aber kein inhaltsloser Spaßmacher, der nur Witze reißt. Er ist auch ein engagierter, kritischer Christ, der Politiker argwöhnisch betrachtet, wenn sie gegen Ausländer sind: „Wenn man sich Christ nennt und in einer solchen Partei ist, kann man nicht auf Ausländer schießen!“, konstatierte er. Ja, er kommt aus der engagierten Liedermacherecke, versteckt sich aber nicht hinter ihr, sondern bekennt sich mit Konstantin Weckers Lied: „Sage nein! Misch dich ein!“ Bloß nicht so aufdringlich und verschwitzt wie der Münchner Liedermacher. Adams Lieder sind in zartestes Pastell getaucht. Gerade die leisen Töne waren es, die unter die Haut gingen. „Liebe ist wie eine Rose“, „Wunder gescheh’n“ von Nena oder „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer. Das war die Demonstration der leisen Tönen und faszinierte die Hörer dermaßen, dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können. Dann wiederum holte der Lothringer das Publikum aus seinen süßen Träumen und forderte sie zum Mitsingen auf. Seine Gitarre hatte er dazu bestens geschmiert. Mal perkussiv „schrubbend“, wie die Frauen früher bei der Wäsche, mal herrlich singend im Fingerpicking Style, das war die gitarristische Kür, begleitet von sprühender Spiellaune. Selbst nach drei Stunden forderte das begeisterte Publikum vier Zugaben heraus.

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