Kaiserslautern
Rundum stimmig
Zusammen mit seinem Sohn Yann Loup und seiner Schwiegertochter Anisha begeisterte der lothringische Sänger und Liedermacher Marcel Adam am Freitagabend im Haus des Bürgers in Ramstein mit seinem neuen Programm „Pour le plaisir“ Jung und Alt.
Die Adams sind eine musikalische Familie, die auf der Bühne wunderbar harmoniert und ein rundum stimmiges Programm gestaltet. Dabei hat jeder seinen eigenen, sehr persönlichen Stil. Marcel Adam singt nicht nur in Französisch und seiner lothringischen Mundart, sondern auch in Deutsch; Yann Loup und Anisha Adam haben auch englischsprachige Lieder im Programm. „Pour le plaisir“ enthält Coverversionen bekannter Hits in neuen, originellen Arrangements, aber auch eigene Lieder von Marcel Adam.
Zum Auftakt sorgten die Adams zusammen mit Schlagzeuger Nicolas Kiefer, Pernine Diehl am Bass, Gitarrist Christian Conrad und Christian di Fantauzzi am Akkordeon mit dem Cheb-Khaled-Song „Aisha“ für beste Stimmung. Abwechselnd mit seinem Sohn Yann Loup interpretierte Marcel Adam mit seinem unverwechselbaren lässigen Charme „Kilimandscharo“, einen Hit des französischen Sängers Pascal Danel aus dem Jahr 1966, der nichts von seiner Faszination verloren hat. Mit Grégory Turpins Chanson „Changer de vie“ appellierte er an den Mut der Menschen, Neues zu wagen, neue Wege zu gehen. Schwungvoll blühte seine Stimme auf, riss die Zuhörer mit ihrem Temperament mit.
Ein Song für den Osterhasen stand auch auf dem Programm
Auch der Humor kam in diesem Programm nicht zu kurz. „Ich bin ja schon seit vielen Jahren Liedermacher und schreibe Lieder gegen Diskriminierung,“ moderierte er seinen nächsten Titel mit lausbübisch-verschmitztem Lächeln an. „Bald ist ja wieder Weihnachten und dann hört man zwei Monate lang von früh bis spät Weihnachtslieder. Und dann kommt Ostern und was hört man? Nix! Kein einziges Lied für den Osterhasen! Dabei schafft der ja was, während das Christkind nur in der Wiege liegt und die Windeln nass macht!“ In ungezwungenem Plauderton stimmte Marcel Adam dann ganz locker vom Hocker seinen Mundartchanson „O de arme Osterhas“ an. Voller Elan brachte dieses Lied die Zuschauer zum Schmunzeln, die peppige Schlagzeugbegleitung sorgte für schwungvolle Rhythmen.
Auch für Bandmitglied Christian di Fantauzzi gab es einen musikalischen Gruß. „Er wird nochmal Papa, so gegen Weihnachten, und weil er ja halb Italiener, halb Franzose ist, spielen wir für unseren Akkordeonisten jetzt ,L’italien’“, moderierte Marcel Adam den nächsten Titel an. Nostalgisch überhaucht war dieser Chanson, erinnerte an die großen Hits der 40er und 50er Jahre, mit einem wehmütigen Akzent und doch so voller Lebensfreude. Die versprühte auch Anisha in ihrer Interpretation des Vicki-Leandros-Schlagers „Ich liebe das Leben“, in dem sie mit ihrer klaren, kühlen und doch so ausdrucksstarken Stimme über eine zerbrochene Beziehung sang. Nachdenkliche Töne fand sie hier ebenso wie kraftvolle Klänge, die spontan und urwüchsig Lebensmut versprühten.
Auch ein Männerlied durfte nicht fehlen
Spannende folkloristische Klänge steuerte Christian di Fantauzzi bei dem neuen Lied Marcel Adams über eine „Letzte Kreuzfahrt“ bei. Ein „Männerlied“, wie Marcel Adam augenzwinkernd meinte, durfte natürlich nicht fehlen. „Sie beißt und kratzt“ von Dirk Busch, war ein Liebeslied der etwas anderen Art. Mit vielen kleinen Seitenhieben sang Marcel Adam hier vom alltäglichen Zusammenleben, kehlig und doch warm. Vor allem aber klang aus dem Lied mit dem prägnanten Akkordeonmotiv eine tief verwurzelte Verbundenheit.
Ein weiterer Höhepunkt war Anishas Interpretation des „Halleluja“ von Leonard Cohen. Von ihrem Mann Yann Loup an der Gitarre begleitet, sang sie das Lied mit glasklarer Stimme, voll beschwörender Eindringlichkeit. Und gerade durch diese schnörkellose Gestaltung war das Lied zutiefst berührend. Ein Markenzeichen der Konzerte von Marcel Adam, das Schlusslied „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer, durfte natürlich auch an diesem Abend nicht fehlen. „Man sollte dankbar sein, wenn’s einem gut geht, und nicht immer gleich motzen, wenn mal was schief geht“, kommentierte Adam und sang Bonhoeffers Lied als Appell an das Leben, begleitet vom tosenden Applaus des Publikums.