Betze-Geflüster RHEINPFALZ Plus Artikel Rot-weiß-blaue Fanfreundschaft

Gemeinsame Fahrt der Teufelskerle Süd und der Löwenfreunde Vierkirchen-Pasenbach nach Kaiserslautern, am 20. Mai 2000. Damals du
Gemeinsame Fahrt der Teufelskerle Süd und der Löwenfreunde Vierkirchen-Pasenbach nach Kaiserslautern, am 20. Mai 2000. Damals durfte noch gemeinsam in der Fanhalle Nord gefeiert werden.

Fanfreundschaften sind im Fußball nichts Ungewöhnliches. Mal sind es einzelne Fans, die eine Verbindung pflegen, mal sind es Fanclubs oder es funktioniert von ganz von alleine. So wie die Freundschaft der Münchner Löwen und der Roten Teufel.

Fanfreundschaften sind im Fußball nichts Ungewöhnliches. Mal sind es einzelne Fans, die eine Verbindung pflegen, mal sind es Fanclubs, oder es funktioniert von ganz von alleine. So wie die Freundschaft der Münchner Löwen und der Roten Teufel.

Der Hotspot

Einen Hotspot der Beziehung gibt es in Vierkirchen/Pasenbach, im nördlichen Landkreis Dachau. Dort wohnen Josef Schmid und Manfred Kotowski. Der eine ist Präsident der Löwenfreunde Vierkirchen-Pasenbach, der andere Vorsitzender des FCK-Fanclubs Teufelskerle Süd. Kotowski ist in Schrollbach bei Ramstein aufgewachsen, für den Job nach Oberbayern gewechselt, hat sich im Landkreis Dachau niedergelassen, ist im Herzen aber immer FCK-Fan geblieben. Die beiden pflegen die Fanfreundschaft, auch wenn das gerade in Corona-Zeiten, aber auch sonst wegen restriktiver Maßnahmen nicht immer einfach ist, wie der Pfälzer erzählt.

„In direkter Nachbarschaft zum Stadion in München gibt es einen Wienerwald, eine der Anlaufstellen vor und nach den Spielen. Aufgrund der Fantrennung ist es fast unmöglich, als Lauterer in das Lokal zu kommen.“ Im Fritz-Walter-Stadion sei das ähnlich. „Die Löwenfans werden nicht in die Fanhalle unter der Nordtribüne gelassen.“ Dabei gehören für beide Clubs „ein paar gemeinsame Biere und der Austausch der Ansichten zu diesen Spielen dazu wie der Schiedsrichter. Aber die Ordnungsbehörden unterscheiden nicht mehr zwischen gut und böse“, klagt der Vorsitzende der Teufelskerle Süd.

Die beiden Freunde und Clubchefs machen trotzdem das Beste draus. Zum Beispiel schauen sie gemeinsam das Spiel in der Fußballkneipe „Stadion an der Schleißheimerstraße“ in München. „Hier sitzen Blaue und Rot-Weiße Tisch an Tisch, vor allem bei Spielen in der Pfalz“, erzählt Kotowski.

Jagd nach Tickets

Wenn der Spielort München ist, geht nach der Terminierung die Jagd auf die Auswärtskarten los. Da aufgrund der Kapazität des Stadions in Giesing nur 1500 Karten nach Kaiserslautern gehen, sind die Tickets für den lokalen Fanclub rar. „Aber hier helfen dann auch die Löwenfreunde weiter. Man bekommt dann nicht die Karten für die Ostkurve, aber Hauptsache dabei“, erzählt der Pfälzer. „Das Erstaunliche ist, dass nur das Löwenspiel so eine magische Anziehungskraft hat. Gegen Bayern II, Unterhaching oder Türkgücü gibt es immer genügend Karten.“ Im Fritz-Walter-Stadion hätten die Löwenfans keine Probleme mit der Kartenversorgung.

Mitgliederstark sind beide Klubs. Am 21. Oktober 2007 wurden die Teufelskerle Süd im „Stadion an der Schleißheimerstraße“ gegründet. Inzwischen hat der Fanclub 107 Mitglieder, zwei Drittel davon sind Pfälzer, von denen einige in und um Kaiserslautern, viele in und um München wohnen. 2008 gründeten sich die „Löwenfreunde Vierkirchen-Pasenbach“. „Es war nicht absehbar, dass der Verein bereits nach einigen Jahren mit annähernd 410 Mitgliedern zu einen der stärksten Fanclubs der Münchner Löwen zählen wird“, erzählt Erwin Leichtmann vom Löwen-Fanclub.

Stars zu Besuch

„In der Zwischenzeit hat sich der Fanclub weit über die Gemeindegrenze und Bayern hinweg einen guten Namen gemacht, auch weil sich eine kleine Gruppe der treuen Fans und Mitglieder rund um den Präsidenten Josef Schmid immer wieder auf den Weg zu den Auswärtsspielen der Sechziger macht – trotz Corona Einschränkungen, sofern das möglich ist.“ Höhepunkt des Jahres für die Löwenfans ist ihr Sommerfest, zu dem nicht nur die Mitglieder in Scharen kommen, sondern auch prominente Funktionäre oder ehemalige Spieler des TSV 1860. So waren bereits der frühere Präsident des TSV 1860, außerdem Dieter Schneider, Carsten Wettberg, Bernhard Winkler (wurde 1991 mit dem FCK Deutscher Meister), Thomas Miller und der aktuelle Vize-Präsident Hans Sitzberger in Vierkirchen. Und Bubi Bründl, Kicker der Meistermannschaft von 1966, ist Stammgast und Ehrenmitglied der „Löwenfreunde – Vierkirchen Pasenbach“.

Am Samstag feiern die beiden Fanclubs und die beiden Freunde aus der Nachbarschaft zusammen einen großen Festtag. Die Roten Teufel kommen ins Stadion an der Grünwalder Straße, und Manfred Kotowski ist ganz aus dem Häuschen: „Wir haben für das Spiel 50 Karten erhalten, ein Traum“, schwärmt er und kann es schon kaum erwarten, bis sein Heimatclub in seiner Wahl-Heimat den Rasen im Grünwalderstadion betritt und die Löwenfans sich fast genauso freuen wie die FCK-Fans. Weil sie Freunde sind.

Maria Huber
Maria Huber

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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