Kaiserslautern
Romantisches über die Nacht in Gedichten und Musikstücken
Vor 250 Jahren wurde die Notenfabrique Johannes André im hessischen Offenbach gegründet, der älteste Musikverlag der Welt in Privatbesitz, der den Musiknachlass Mozarts aufgekauft hat. Beim Stöbern in den Archiven fand Jens Barnieck Perlen von Komponisten wie John Field, dem Erfinder des Nocturnes, Wilhelm Opel, Charles Wachtmann, Julius André, Friedrich Gernsheim, Theron William Towner, Carl Haine, Friedrich Gackstatter und Josepha Brentano. Der aus Radio und Fernsehen bekannte Sprecher Bastian Korff und Pianist Jens Barnieck stellten diese weniger bekannten Werke der Romantik vor.
Selbstvergessen und in kristalliner Klarheit perlte das Thema von Fields (1782-1837) Nocturne Nr. 1 in Es-Dur dahin, nachdem Bastian Korff mit einem Auszug aus Grimms „Bremer Stadtmusikanten“ den Abend in einen märchenhaften Rahmen eingebettet hatte. „Der Abendstern“, das Notturno op. 10,2 von Wilhelm Opel (1827-1903), dagegen überraschte durch einen kraftvoll-markanten Vorspann, bevor Barniecks Klavierspiel wie ein munterer Bach dahinplätscherte. Die Gedanken entfaltete der Pianist in feinen artikulatorischen Nuancen, so dass eine tönend-bewegte Geschichte ohne Worte entstand.
Morgenstern und Droste-Hülshoff
In Christian Morgensterns (1871-1914) Gedicht „Der Nachtwandler“ leitete Bastian Korff mit ausdrucksvoll modulierender Stimme und mit ironischen Blick auf Missverständnisse rund um den Mond und Unfälle von Nachtwandlern über zu einem in den André-Archiven entdeckten Werk, der Nocturne-Prière op. 14,1 von Charles Wachtmann (1820-1876). Das zunächst kraftvoll einsetzende Thema verlor sich nach und nach in der mitreißenden Interpretation von Barnieck in einer eigenen musikalischen Gedankenwelt mit unausgesprochenen und unaussprechlichen Gefühlen. Spontaner Applaus brandete auf. Gefühlswelten mit Naturstimmung verband Annette von Droste-Hülshoffs (1797-1848) „Mondesaufgang“. Korff ließ die fantasievollen Elemente dieser Beschreibung in seinem facettenreichen Vortrag gut hervortreten.
Julius André (1808-1880) schrieb das Nocturne „La Bienfaisance“, dessen in Wogen flutende Melodie das emphatische Spiel Barniecks betonte. Nach einem Abstecher in die Elfenwelt mit Heinrich Heine und Carl Haine fesselten Robert Schumanns (1810-1856) „Traumeswirren“, bevor die Künstler ihre fantasievolle, gut abgestimmte Soirée mit der Serenade von Josepha Brentano (1844-1875) ausklingen ließen.