Kaiserslautern Ringen um Anerkennung

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Nach „Capote“ und „Moneyball“ beweist Regisseur Bennett Miller erneut sein Gespür für ungewöhnliche Perspektiven: „Foxcatcher“ ist das fesselnde Psychogramm eines Sportlers und seines Sponsors, getragen von zwei großen Schauspielleistungen. Der atmosphärisch dichte, zunehmend beklemmende Thriller nach wahren Begebenheiten gehört zu den stärksten Filmen im diesjährigen Oscarrennen.

Es ist das harte Los der Randsportarten, nur alle vier Jahre etwas größere Aufmerksamkeit zu bekommen – während der Olympischen Spiele. Und wer in einem Land ohne ein Fördersystem wie Deutschland oder Italien, wo die Bundeswehr oder die Polizei Sportfördergruppen unterhalten, um Medaillen kämpft, ist mehr oder wenig auf sich gestellt – insbesondere, wenn sein Verband nicht finanzstark ist. So haben selbst dubiose Sponsoren die Chance, ganze Lebenswege umzulenken, offenbart dieser auf einem wahren Fall basierende Psychothriller. Mark Schultz ist 1986 bereits Weltmeister und Olympiasieger im Ringen, doch führt er – zumindest in der Lesart des Films – ein äußerst tristes Leben. Der Ringer lebt allein in einem winzigen Apartment am Rande von Los Angeles. Eine Gegend, die jede Lebensfreude erstickt. Freunde hat er keine. Und da er nicht gerade ein Mann des Geistes ist, verläuft sein Alltag dumpf: trainieren, essen, fernsehen, schlafen. Ab und an darf der 26-Jährige auch mal den Nachwuchs coachen. Aber da er auch keinerlei pädagogisches Geschick oder Talent zur Selbstvermarktung hat, ist eine Trainerlaufbahn keine Option. So ist der arglose Athlet – von Channing Tatum sensibel als gutmütiger Tor dargestellt, in dem es verborgen brodelt, – angetan von der Chance, die ihm ein mysteriöser Anruf ermöglicht: Der Millionär John Eleuthère du Pont (Steve Carell) will seine Karriere fördern. Er hat seinen Landsitz in Pennsylvania zu einem Ringerstützpunkt ausgebaut und möchte sowohl die US-Ringernationalmannschaft finanzieren als auch neue Talente in seinem „Team Foxcatcher“ ausbilden, das nach den Rennpferden seines verstorbenen Vaters benannt ist. Du Pont mangelt es zwar nicht an Geld, aber an Anerkennung: Seine eigene Mutter (Vanessa Redgrave) schaut auf ihn herab, auch er hat – suggeriert das Drehbuch – keinerlei Freunde oder soziale Beziehungen. So bahnt sich eine ungute Symbiose zwischen Ringer und Mäzen an. Du Pont sieht sich als Messias, der Schultz und den Sport erretten will. Er möchte selbst Trainer und Manager sein, den Ringer zu Wettkämpfen begleiten, nah am Rampenlicht agieren. Ihm geht es ums Dazugehören, um Anerkennung, arbeitet Regisseur Bennett Miller anschaulich heraus. Doch überschreitet der Millionär bald Grenzen, wird unberechenbar, psychotisch und entpuppt sich als wirrer Kontrollfreak. Selbst seinem etwas schlichten Schützling fällt auf, dass etwas nicht stimmt, zumal John du Pont offenbar auch sexuelles Interesse an ihm entwickelt. Millers Film lässt diesen Aspekt aber geschickt in der Schwebe. „Foxcatcher“ steigert sich zu einem faszinierenden, dunklen Porträt eines kranken Geistes. John Du Pont rutscht immer tiefer ab ins Pathologische. In Marks Bruder Dave Schultz (Mark Ruffalo) sieht der eigensinnige Gönner bald eine Gefahr: Er hatte den mitten im Leben stehenden Familienmenschen und versierten Trainer, der selbst Weltmeister und Olympiasieger war, angeheuert, um sein „Foxcatcher“-Ringerteam ganz nach vorn zu bringen. Nun jedoch glaubt der Exzentriker, dass Dave Schultz den Bruder aufstachelt. Als Mark Schultz ankündigt, wegziehen und auf eigenen Füßen stehen zu wollen, dreht du Pont durch – und wendet seine Wut gegen den Bruder. In der Realität war der zeitliche Ablauf zwar anders, doch Miller bleibt in anderen Aspekten seiner Filminterpretation nah an den tatsächlichen Ereignissen. Und Steve Carell hat für seine Darstellung des Gönners, der zum Gewaltverbrecher wird, seine Oscarnominierung vollauf verdient: Der sonst vor allem als Komiker bekannte US-Schauspieler gewährt durch sein äußerst feinsinniges Spiel glaubwürdig Einblick in das Innenleben einer verwirrten Seele – und kann sich auf den sonst für seichtere Stoffe bekannten Channing Tatum als Partner verlassen. Tatum gibt seinem Ringer stimmig eine sanfte Verletzlichkeit mit, die nicht nur die Herzen seiner weiblichen Fans anrühren dürfte. „Foxcatcher“, zu Recht für fünf Oscars nominiert, ist als erschütternder Psychothriller der wohl ungewöhnlichste Sportfilm des Jahres und beleuchtet eindringlich, wie hart, unglamourös und einsam die tägliche Arbeit eines Athleten sein kann.

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