Kaiserslautern Riesenpicknick am Super-Sommerabend
Hat je einer in Lautern ein größeres Picknick erlebt? Nach einer eher miesen Woche hat sich unerwartet ein supertoller Sommerabend eingeschlichen. Da müssen ja wohl ungemein viele Menschen ruckzuck reagiert, flugs Körbe oder Kühlboxen gefüllt und sich Decken geschnappt haben, um kurzentschlossen zur Gartenschau zu ziehen. Unmöglich können doch derart viele Leute den abendlichen Abstecher zum Sommerfest am Samstag von langer Hand geplant haben. Unglaublich, was sich da im Neumühlepark Menschen getummelt haben.
Viertel vor elf: Zwei blaue Schweinwerfer schicken dicke Strahlen Richtung Kaiserberg, um kurz darauf auch schon wieder zu erlöschen. Nein, das war noch nicht der Start zum Feuerwerk. Irgendeinem von der Abteilung Beschallung sitzt offenbar der Schalk im Nacken: Die Musiker von „Brass Machine“ haben ihren wahrlich vielumjubelten Auftritt gerade hinter sich gebracht. Damit’s nicht allzu still wird beim Warten aufs Spektakel, wirft die Abteilung Beschallung die Musikkonserve an und lässt – ausgerechnet – Phil Collins musikalisch um Regen bitten. „I wish it would rain down“, perlt aus den Lautsprechern. Das braucht jetzt keiner wirklich. Zumal alle noch auf das Feuerwerk warten. Es zündet mit Verspätung. Eine halbe Stunde nach anberaumtem Beginn erst pfeift’s kurz und zischt es, während sich Sphärenklänge vernehmen lassen. Schade: Nicht wenige Besucher zieht es nach Hause; so mancher möchte nicht mehr ausharren, in Scharen pilgern Besucher in Richtung Brücke über die Lauterstraße, dem Ausgang entgegen. Die Brücke selbst ist noch belegt wie selten: An der Brüstung mit Blickrichtung Kaiserberg harren dicht aneinander gereiht jene des Lichterspiels, denen es jetzt auf ein halbes Stündchen länger nicht mehr ankommt. Sogar auf der Berliner Brücke, nur einen Steinwurf entfernt deutlich höher gelegen, haben sich einige Nachtschwärmer auf Beobachtungsposten begeben. Zwölf Minuten dauert die Show, mit der das Frankfurter „Zündwerk“ zum fünften Mal das Gartenschau-Sommerfest krönt. „Metamorphosis of lights“ nennen die Zündwerker um Firmenchef Chris Fritsch die Feuer-Licht-Musik-Schau, die es in mehreren Varianten gibt. Am Samstagabend lief die aktuelle Sommer-Mischung; Kunstlicht, Pyrotechnik und ernste Musik sind da vereint. Das lässt schon Staunen, ist durchaus ein Erlebnis. Wobei: Von der Brücke aus präsentiert sich die Sache weniger spektakulär als ein „echtes“, konventionelles Höhenfeuerwerk. Dafür wirkt die Darbietung vom Platz vor der Bühne aus umso mehr. Nach Collins’ Regen-Song hatte es noch eine geraume Weile gedauert, ehe es überhaupt losging. Warum? Technische Probleme? Nein, ließ gestern auf Anfrage der Ober-Zündwerker wissen. Ein Problem ganz anderer Art hat sich in Kaiserslautern gestellt: Es waren zu viele Leute da. Was zwangsläufig dazu führt, dass sich auch zu viele zum ungünstigen Moment am falschen Ort aufhalten. Kurz gesagt: Die Feuerwerk-Verantwortlichen und ihre Helfer hatten Mühe, die Sicherheitszonen komplett zu räumen. Immer wieder schmuggelten sich Leute durch die Absperrung. „Die Organisatoren haben ja mit derart vielen Besuchern gar nicht gerecht. Wir sind von 1500 ausgegangen. Geschätzt waren es einige Tausend“, sagte Chris Fritsch gestern rückblickend. Er und seine Mitstreiter hatten sich einmal mehr eine Nacht um die Ohren geschlagen, um die Showeffekte zu programmieren. „Nächstes Jahr nehmen wir uns einen Tag länger Zeit“, blickte Fritsch schon voraus. Das Riesenpicknick hat schon Methode. Es gibt schließlich viele, viele Sommerfest-Erfahrene. Und die wissen natürlich, dass sich an solchen Abenden – so lange Collins’ Wünsche nicht in Erfüllung gehen – fürchterlich lange Schlangen vor den Verpflegungsständen lauern. Statt sich die Beine in den leeren Bauch zu stehen, sorgen die meisten selbst vor. Und die allerallermeisten, die dürften – ob mit oder ohne Picknickkorb – am Super-Sommerabend ihren Spaß gehabt haben. „Das ist doch echt klasse hier“, kommentierte Bernd Constantz die Szenerie. Ehefrau Sandra sitzt mit am Tisch in gut gelaunter Runde, „ die Jungs treiben sich mit ihren Kumpels irgendwo rum.“ Robin (11) und Marvin (7) sind mit ihren Eltern Dauergäste. „Wir wohnen in Erzhütten und haben’s ja nicht weit.“ Andere haben weite Wege nicht gescheut: Ein Blick auf Kennzeichen der Blechlawine vorm Gartenschau-Areal zeigt, dass es sich da längst nicht nur Westpfälzer gut gehen ließen.