Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Richard Müller zieht Bilanz über sein 29. Kammgarn-Jazzfestival

Richard Müller
Richard Müller

Nach dem Kammgarn-Jazzfestival ist vor dem Kammgarn-Jazzfestival. Dementsprechend laufen schon die Planungen fürs nächste Jubiläumsjahr. Wie die jüngste, die 29. Ausgabe aus seiner Sicht verlaufen ist, verriet Festival-Impressario Richard Müller RHEINPFALZ-Kulturredakteur Fabian R. Lovisa.

Die Konzertstätten zeigten sich beim 29. Kammgarn-Jazzfestival gut besucht. Ein ausverkaufter Clubabend zur Eröffnung mit 180 Jazzfreunden, ein ebenso vollbesetztes Kasino am zweiten Abend mit 500 Gästen und zum Abschluss noch mal ein gut besuchtes „Großes Haus“ mit 350 Hörern. Das ist doch ein erfreuliches Interesse am Jazz, der ja gerne immer wieder totgesagt wird…
Nein, Jazz ist eine sich immer wieder selbst erneuernde Musikrichtung. Das hat man ja bei unserem Festival erleben können. Obwohl vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ignoriert, bleibt eine Konstanz in der Nachfrage und eine treue Hörgemeinde.

Der Finanzrahmen ist mit 60.000 Euro ja nicht gerade üppig. Zu einem Landeszuschuss von 30.000 Euro kommen dann noch Sponsoren- und Eintrittsgelder. Hat sich das Ganze am Ende gerechnet?
Die Kammgarn war und ist ja nicht „auf Rosen gebettet“. Den Etat – das sind bei anderen Festivals gerade mal die Nebenkosten – werden wir wohl einhalten können. Und dank der Förderung durch das Kultusministerium, den Kultursommer Rheinland-Pfalz, die Sparkasse und die Stadt – Danke an alle Genannten dafür – ist das Festival gesichert. Die Abrechnung ist allerdings noch nicht gemacht.

Das Budget ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Die Kosten steigen dagegen kontinuierlich. Wie kompensieren Sie das? Und wann ist das „Ende der Fahnenstange“ erreicht?
Bei unserer Festivalplanung haben wir die „Fahnenstange“ immer vor Augen. Wir sind aber auch ein renommiertes Festival, im 29. Jahr, und somit bei den Festival-Acts sehr geschätzt. Das macht die Verhandlungen etwas leichter. Zudem achten wir bei der Planung auf Innovation, sprich: neue Formationen, die wir vorstellen wollen. Namedropping-Festivals sind sicher leichter zu organisieren – aber auch etwas langweilig.

Kommen wir zum Inhaltlichen: Was war Ihr persönlicher Favorit im Programm?
Nun, ich schätze natürlich die Begegnung mit einem Weltstar wie Ute Lemper und war gespannt, wie sie sich Backstage gibt. Das war ein großes Erlebnis! Darüber hinaus bin ich ja ein Jazzfan, der den nordischen Jazz sehr schätzt. Von der Innovationskraft eines Iiro-Rantala-HEL-Trios war ich begeistert, und Daniel Herskedal, in der Schreinerei, hat mich absolut überzeugt. Diese Varianten des Jazz schätze ich sehr.

Welches Konzert hat Sie am meisten überrascht?
Ich kenne ja die jeweiligen Formationen schon im Vorfeld, aber ich bin doch immer wieder überrascht über die Live-Auftritte, ob es Stockhausen, das Iiro-Rantala-HEL-Trio oder Herskedal war. Livekonzerte sind eben doch etwas ganz Anderes, als eine CD anzuhören.

Was hätte besser laufen können? Oder sind Sie rundum glücklich mit dieser Festivalausgabe?
Mit dieser Festivalausgabe bin ich rundum zufrieden, nicht zuletzt, weil auch beim Ablauf alles top funktioniert hat, meine Kollegen hervorragend gearbeitet haben und ausnahmslos sympathische Künstler am Start waren. Loben will ich ausdrücklich das Kammgarn-Team, das rund um die Uhr das Festival möglich gemacht hat. Dies alles schafft ein gelungenes Festival.

Im kommenden Jahr steht ja ein Jubiläum an: 30 Jahre Kammgarn-Jazzfestival. Sind Sie schon beim Planen, und was kann das Publikum erwarten?
Wir arbeiten ein ganzes Jahr an der Festivalplanung, sind also schon dabei. Termin ist der 3. bis 5. April. Vielleicht gibt es ja von unseren Festival-Partnern, dem Kultusministerium und der Sparkasse, einen Bonus – schließlich wird es das 30. Kammgarn International Jazzfestival sein! Die Qualitätslatte liegt nach diesem Festival hoch – aber das ist ja immer so.

Ich danke fürs Interview.

Begeisterte auch den Festivalchef: der finnische Pianist Iiro Rantala.
Begeisterte auch den Festivalchef: der finnische Pianist Iiro Rantala.
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